«Wenn der HC Thurgau eine Firma wäre, würde ich sie sofort übernehmen»

Die designierten Verwaltungsräte Cäsar Müller, René Fontana und Ralph Ott sehen grosses Potenzial im HC Thurgau, das teilweise noch brachliege. So haben alle konkrete Ziele mit dem aktuell Tabellenfünften der Swiss League.

Matthias Hafen
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Der HC Thurgau (im Bild Melvin Merola, links, und Niki Altorfer) gehört mittlerweile zur erweiterten Spitze der zweithöchsten Schweizer Eishockeyliga. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus, Weinfelden, 15. November 2019)

Der HC Thurgau (im Bild Melvin Merola, links, und Niki Altorfer) gehört mittlerweile zur erweiterten Spitze der zweithöchsten Schweizer Eishockeyliga. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus, Weinfelden, 15. November 2019)

Ihrer Wahl steht eigentlich nichts mehr im Weg. Im Dezember, an einer ausserordentlichen Versammlung, wird der Verwaltungsrat des HC Thurgau um die Sponsoren Cäsar Müller und René Fontana sowie den früheren Spieler Ralph Ott erweitert. Der VR des Swiss-League-Clubs wird dann acht Mitglieder umfassen. Auf eine Zuwahl mitten im Geschäftsjahr pochte vor allem Müller, der mit seiner Firma Müller Recycling AG in Frauenfeld vor dieser Saison zum Platinsponsor aufgestiegen ist. «Der Club ist bereits daran, die Saison 2020/21 zu planen, Spieler zu verpflichten und Sponsoren zu gewinnen. Dafür ist es wichtig, dass der Wechsel im Verwaltungsrat schnellstmöglich öffentlich bekannt wird.»

Cäsar Müller: «Der HC Thurgau braucht Paul Kaiser»

Platinsponsor Cäsar Müller. (Bild: Matthias Hafen)

Platinsponsor Cäsar Müller. (Bild: Matthias Hafen)

Müllers Ambitionen, im Führungsgremium mitzuwirken, sind gang und gäbe. Wer so viel Geld einschiesst wie er in den HC Thurgau, möchte auch mitbestimmen. Er selber kam durch die Bekanntschaft mit Daniel Frefel, ehemaliger Verwaltungsrat und heute einflussreicher Aktionär, zum HCT. Müller anerkennt die Leistung der aktuellen Clubführung, sieht aber Handlungsbedarf in der Sponsorenbetreuung – das Ressort, das ihm im VR zugetragen wird. «Wenn der HC Thurgau eine Firma wäre, würde ich sie sofort übernehmen», sagt der Unternehmer. «Der HCT ist der wichtigste Club im Kanton und hat enormes Potenzial.» Potenzial, das im Moment jedoch vor sich hin schlummere. «Wir sollten den HC Thurgau wie eine Firma führen. Das heisst, die Kunden respektive Zuschauer und Sponsoren vermehrt nach ihren Bedürfnissen fragen.»

Als wichtigen Faktor in der Sponsorenbetreuung erachtet Müller den langjährigen Marketing-Mitarbeiter Paul Kaiser. «Paul gewinnt seit zwanzig Jahren Sponsoren für den HC Thurgau. Er hat grossen Einfluss darauf, dass das Budget des Clubs Jahr für Jahr zu Stande kommt», sagt Müller. «Der HC Thurgau braucht ihn.» Auch René Fontana steht voll und ganz hinter Kaiser. «Paul ist die gute Seele des Clubs. Er lebt den HC Thurgau richtiggehend.»

René Fontana: «Thurgauer Dörfli und Heustock könnten besser vermarktet werden»

Sponsor René Fontana. (Bild: Matthias Hafen)

Sponsor René Fontana. (Bild: Matthias Hafen)

Fontana, in dritter Generation Inhaber des gleichnamigen Gipsergeschäfts in Bussnang und Kreuzlingen, erlebte schon zu Anfangszeiten des Vereins schöne Momente mit dem HC Thurgau. Damals waren seine Vorfahren noch Sponsor. «Paul Kaiser hat mich als Sponsor zurückgewonnen. Zuerst wurde ich Mitglied des Business-Clubs, dann Sponsor in der Halle.» Fontana wird sich im Verwaltungsrat hauptsächlich um das Catering und die Vermarktung kümmern. «Wir wollen das Rad nicht neu erfinden», sagt er zur Zuwahl im Dezember. «Wir wollen das Gute aus der bisherigen Arbeit mitnehmen und diese weiter ausbauen.»

Mit dem Heustock in der Güttingersreuti und dem Thurgauer Dörfli ausserhalb des Eisstadions in Weinfelden habe der HC Thurgau eine gute Infrastruktur, die man noch besser vermarkten könnte, sagt Fontana. Sie böte die Möglichkeit, neue Zuschauer und Sponsoren zu finden. «Jeder, der mal dabei war, ist danach begeistert.»

Ralph Ott: «Das Ziel muss sein, die jetzige Strategie fortzuführen»

Ralph Ott, ehemaliger Teamcaptain des HC Thurgau. (Bild: Matthias Hafen)

Ralph Ott, ehemaliger Teamcaptain des HC Thurgau. (Bild: Matthias Hafen)

Anders als Cäsar Müller und René Fontana wird Ralph Ott konkret für einen Tausch in den Verwaltungsrat gewählt. Der frühere NLA-Verteidiger und Teamcaptain des HC Thurgau soll im Führungsgremium künftig die sportlichen Belange von Vizepräsident Max Hinterberger übernehmen. Hinterberger will sich im kommenden Sommer aus dem VR zurückziehen.

«Mein Ziel ist es, noch möglichst viel von Max zu lernen», sagt Ott, der ein Befürworter der beim HCT vorhandenen Sportkommission ist. Mit seiner Erfahrung aus fast 800 Spielen in der Nationalliga (für Davos, Servette, Zug, Ambri und Thurgau) sowie aus fast sieben Jahren als Trainer in der 1. Liga (Frauenfeld/Wil) werde er sein sportliches Know-how sowie sein vorhandenes Beziehungsnetz ganz im Sinne des HCT einsetzen. «Das Ziel muss sein, die jetzige Strategie fortzuführen. Ich habe Hochachtung vor dem, was in den letzten Jahren beim HC Thurgau geleistet wurde.»

Simon Seiler verlässt Thurgau Richtung Kloten

Harter Schlag für den HC Thurgau vor dem Auswärtsspiel vom Donnerstag gegen Leader Ajoie: Die Ostschweizer müssen ab der kommenden Saison ohne Verteidiger Simon Seiler auskommen. Der 23-jährige Frauenfelder wechselt am Ende der laufenden Meisterschaft zum Ligakonkurrenten EHC Kloten, wo er einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Seiler war vor zwei Jahren von den GCK Lions zu Thurgau gestossen und entwickelte sich beim Swiss-League-Club aus Weinfelden in den vergangenen zwei Jahren zu dem unerschrockenen, soliden Verteidiger, der er heute ist. Nur neun Tage nach der 0:1-Niederlage reist der HCT am Donnerstag erneut in die Ajoie. Florian Niedermaier, der am Dienstag beim 2:1-Sieg gegen die EVZ Academy sein erstes Swiss-League-Tor erzielt hat, gibt die Devise vor: «Hinten wieder gut stehen und vorne endlich mal die Tore reinhauen.» (mat)

Janick Schwendeners Fanghand rettet dem HC Thurgau die drei Punkte

Nach einem Blitzstart bezwingt der HC Thurgau die EVZ Academy mit Hängen und Würgen 2:1. Dank des siebten Heimsiegs in Folge halten die Ostschweizer in der Swiss League den Anschluss an die Tabellenspitze. Am Donnerstag steht bereits das nächste Spiel an - auswärts gegen Leader Ajoie.
Matthias Hafen