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«May the fourth» lockt Fans nach Kreuzlingen

Im Bodensee Planetarium setzten sich die Besucher am Star Wars-Tag für einmal mit fiktionalen fernen Galaxien auseinander.
Nicole D'Orazio
Ulrich Büttner verweist auf Lao-Tse, Konfuzius und Buddha, deren Lehren ebenfalls in Star Wars anklingen. (Bild: Inka Grabowsky)

Ulrich Büttner verweist auf Lao-Tse, Konfuzius und Buddha, deren Lehren ebenfalls in Star Wars anklingen. (Bild: Inka Grabowsky)

Am 4. Mai – auf Englisch «May the fourth» und damit dicht am Satzanfang «Möge die Macht ...» – zog der Vortrag von Ulrich Büttner über die Star Wars-Filme viele Besucher ins Planetarium. Büttner ist nicht nur Buchautor und Nachtwächter in Konstanz, sondern auch Lehrer für Deutsch, Geschichte, Philosophie und Ethik. Genau dieses Wissen hilft ihm, alle Bezüge im Weltraummärchen zu erkennen. «Star Wars ist ein Crossover-Thema», sagt er. «Man kann anhand der Filme vieles erklären.»

Luke Skywalker steht demnach in einer Reihe mit Helden wie Achilles oder König Arthus. Seit über 3000 Jahren erzählen sich die Menschen immer wieder die gleiche Geschichte. Sie ändern nur die Accessoires. Diese Erkenntnis hat der US-Literaturwissenschafter Joseph Campell 1949 in seinem Buch «Der Heros in tausend Gestalten» festgehalten.

Der Held folgt immer dem gleichen Schema

Stark verkürzt läuft folgendes Schema ab: Der Held hört den Ruf des Abenteuers, er zögert, doch eine Katastrophe bewegt ihn, aufzubrechen. Er hat das Gefühl des Scheiterns, stirbt fast, wird mehrfach geprüft, dabei aber von Mentoren unterstützt. Schliesslich stellt er sich der finalen Aufgabe, siegt und wird Mentor für den nächsten jugendlichen Helden.

«Seit George Lucas sich 1975 von diesem Buch zu Star Wars inspirieren liess und so grossen Erfolg hatte, ist es zur Pflichtlektüre in Hollywood geworden»

referiert Büttner. «Seit Jahrzehnten gleichen sich deshalb alle Blockbuster.»

Für das friedliche Zusammenleben

Der Star-Wars-Schöpfer George Lucas verband mit seiner Geschichte eine politische Botschaft. Erklärtermassen tritt er für das friedliche Zusammenleben der Völker, eine plurikulturelle Welt und für klassische Freiheitsideale ein. «Zentrales Moment im Film ist das Scheitern der Demokratie, das die Diktatur des Imperators ermöglicht», erklärt der Star Wars-Kenner. «Blaupause dafür war das Zerbrechen der Weimarer Republik in den Jahren 1930 bis 1933 in Deutschland.»

Folgerichtig lehne Georg Lucas seine Bösewichte den Nazis an – bis hin zur Wortwahl, die in Teilen eine Rede Hitlers zitiere. Die Sturmtruppen erinnerten selbstverständlich an die SS oder SA (Sturmabteilung), und die imperiale Propaganda sei ebenfalls bei den Nationalsozialisten abgeschrieben. Luftschlachten im 2. Weltkrieg dienten als Vorbild für die Schlachtszenen im Film.

Von Platon übernommen

Ohne die mystische «Macht» wären die guten oder bösen Star Wars-Protagonisten nur ganz normale Kämpfer. Dieses Konzept des alles umfliessenden Energiefelds hat Georg Lukas nicht selbst erfunden, wie Büttner ausführt. «Er hat es vom griechischen Philosophen Platon übernommen. Wir finden die Idee im Pantheismus wieder, der bis heute weit verbreitet ist. Und eigentlich nimmt es die Ideen der Quantenphysik vorweg, weil auch dort alles mit allem verbunden ist.»

Für die Jedi gibt es ebenfalls geistige Väter in der realen Welt. «Das Wort leitet sich von Niederländisch ‹iets› ab und heisst ‹etwas›. Dem Ietismus hängen Menschen an, die sagen, ‹ich glaube an etwas, aber nicht an eine bestimmte Kirche›» Die Jedi sind ansonsten leidenschaftslose Stoiker, leben also die 2000 Jahre alten Ideale von Zenon von Kition, Marc Aurel oder Seneca, den Meister Yoda direkt zitiert.

Die helle und die dunkle Seite der Macht dagegen verweist auf den Taoismus. Das helle Yin kann nicht sein ohne das dunkle Yang. Sie bedingen einander.

Fundgrube im Popcornkino

Ulrich Büttner ist selbst mit der Weltraumsaga gross geworden und hat Anfang der 1980er-Jahre die ersten Filme gesehen. «Natürlich ist Star Wars auch eine turbokapitalistische Verwertungsmaschine», räumt er ein.

«Aber insbesondere die ältesten Teile beinhalten noch viele Gedanken von George Lukas und sind faszinierend. Die jüngsten drei Teile finde ich eher flach.»

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