Mattwil ist seit 1976 verbunden mit dem Friaul

Über tausend Personen waren am Wochenende mit dabei am Udinesefest in Mattwil

Werner Lenzin
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Sorgfältig legt Mario Bertoli seine goldgelben Polenta-Schnitten auf den Plattengrill. (Bild: Werner Lenzin)

Sorgfältig legt Mario Bertoli seine goldgelben Polenta-Schnitten auf den Plattengrill. (Bild: Werner Lenzin)


Es gibt «Prosciutto di San Daniele», der Prosecco und der Wein aus dem Friaul fliessen und man versucht das Glück mit einem Los aus den roten Holzkistchen, um einen der attraktiven Preisen zu gewinnen. Beim Eintreten in die Festhütte beim Schulhaus werden kräftig gewürzte Sardellen-Brötchen angeboten. Man spürt das italienische Ambiente. Trotz regnerischen Wetters herrscht eine fröhliche Stimmung am vom Verein «Aria di Festa Mattwil» zum 35. Mal veranstalteten Fest. Mit diesem dreitägigen Anlass dokumentiert man die Verbundenheit mit der Provinz Friaul, der nordöstlichsten Region Italiens, die nach einer Erdbebenkatastrophe im Jahr 1976 die Hilfe aus der Schweiz widerspiegelt. Tolle Musik, ein vielfältiges kulinarisches Rahmenprogramm und verschiedene Aktivitäten begeistern das zahlreich erschienene Publikum.

Das Fest gehört zum Leben

«Ich bin in Klarsreuti aufgewachsen und fuhr schon als Knabe mit dem Velo an dieses Fest, denn dann war etwas los im Dorf», sagt Präsident Johannes Koloska, der zum fünften Mal mit seinen sechs Kollegen des Organisationskomitees mit viel Herzblut und Elan das Fest auf die Beine gestellt hat. Alle kommen zusammen mit den 70 Helferinnen und Helfern aus den umliegenden Dörfern und für sie lautet das Motto: «Geniessen und Gutes tun». Ursprünglich hat der Fanclub des FC Udinese das Fest ins Leben gerufen. Es wurde anfänglich hinter dem Restaurant Waage abgehalten. OK-Mitglied Barbara Meijerink war auch schon als Mädchen dabei, sie kann sich ihr Leben ohne das Udinesefest nicht vorstellen.

Sorgfältig legt Mario Bertoli die goldgelben Polenta-Schnitten auf den Plattengrill und beginnt in gebrochenem Deutsch zu erzählen: «Ich bin in San Mauro im Friaul aufgewachsen, bin 1960 in die Schweiz gekommen und gehöre zu den Gründern des Festes.» Er erinnert sich, dass seine Mama und seine Geschwister am Erdbeben vom Mai 1976 zu den 45000 Menschen gehörten, die damals ihr Obdach verloren, und auch beim Elternhaus kein Stein auf dem andern blieb.

«Anstelle von Brot assen wir daheim dreimal täglich Polenta»

sagt er und ist dankbar, dass damals ein Kässeli aufgestellt und im Dorf und Umgebung gesammelt wurde. Neben der Polenta brutzeln Domenico Maisans Costine und Salsicce. Er ist der neue Küchenchef des Anlasses und seit 25 Jahren in der Schweiz. Wie in den vergangenen Jahren ist der Erlös des Festes für einen guten Zweck bestimmt, dieses Jahr für das Haus Miranda, ein Behindertenheim in Leimbach, für die Anschaffung eines dreirädrigen E-Bikes mit Rollstuhl. «Obwohl es schwieriger wird, Helfer zu finden, setzen wir alles daran, das Fest auch den kommenden Generationen zu erhalten», sagen alle unisono.