Interview

Massenentlassung bei Saurer in Arbon: Die Stimmung bei der Belegschaft ist bedrückt

Die Traditionsfirma lagert Teile der Stickmaschinen-Produktion nach China aus. Bis zu 35 Stellen gehen verloren. Jacob Auer setzt sich für die Arbeitnehmer ein und nimmt Stellung zur Massenentlassung.

Natascha Arsic
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Der Firmensitz von Saurer: Rund 35 Angestellte verlieren hier bis Ende Jahr ihre Stelle. (Bild: Manuel Nagel)

Der Firmensitz von Saurer: Rund 35 Angestellte verlieren hier bis Ende Jahr ihre Stelle. (Bild: Manuel Nagel)

Gestern Mittag verkündete die Saurer AG in einer Mitteilung, dass sie eine Neuausrichtung plant. Davon ist rund ein Drittel der Belegschaft betroffen. Für die Mitarbeiter kommt der Entscheid überraschend.

Jacob Auer, wie ist derzeit die Stimmung im Betrieb?

Die Stimmung ist bei der ganzen Belegschaft bedrückt – sowohl bei den betroffenen Mitarbeitern als auch bei den nicht betroffenen Personen.

Wurden die Mitarbeiter schon vorher über den Stellenabbau informiert?

Nein, erst am Mittwochmorgen. Zuerst wurde die Arbeitnehmervertretung über das Ausmass informiert. Im Anschluss wurde die Nachricht den 104 Mitarbeitern verkündet.

Hat sich die Arbeitnehmervertretung bereits eingeschaltet und wie sieht das weitere Vorgehen aus?

Wir befinden uns derzeit in der Konsultationsfrist. Das heisst, wir haben 18 Tage Zeit, um der Geschäftsleitung Vorschläge zu unterbreiten, was man sonst noch machen könnte. Wir können uns für die Arbeitnehmer einsetzen und einen Sozialplan ausarbeiten. Dieser ist nötig, da es sich um eine Massenentlassung handelt. Erst danach wird entschieden, von welchen Mitarbeitern wir uns trennen müssen. Es besteht die Gefahr, dass die Leute einen anderen Job suchen und von sich aus kündigen.

Welche Chancen haben die Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt?

Diejenigen, die nicht im Pensionsalter sind, haben gute Chancen. Diese Leute sind auf ihrem Fachgebiet sehr gut qualifiziert. Es handelt sich dabei um Monteure, Speditionsmitarbeiter, Logistiker, Mitarbeiter in der Qualitätssicherung und im Einkauf.

Was sagen Sie persönlich zu dieser Situation?

Arbon verliert bis zu 35 qualifizierte Stellen. Der Markt der Stickmaschinen verlagert sich immer mehr nach Asien. Die Auslagerung nach China macht insofern Sinn, da Saurer in Suzhou ein Werk hat. Nun sollen die Stickmaschinen dort montiert werden. Die Produktion ist dort sicher günstiger, die Qualität darf aber auf keinen Fall darunter leiden.

Kam die Mitteilung für Sie überraschend oder haben Sie gespürt, dass etwas kommt?

Man hat in den letzten Monaten gemerkt, dass der Bestellungseingang zurückgegangen ist. Auch ist bekannt, dass die Textilindustrie einen Einbruch erlitten hat. Saurer ist dafür bekannt, immer eine Lösung zu finden. Letztes Jahr hatten wir beispielsweise bezahlte Absenzen statt Kurzarbeit. Daher hat es sich abgezeichnet, dass etwas kommt. Dass jetzt komplett ausgelagert wird, war für mich dennoch überraschend.

Erhielten Sie bereits Reaktionen aus politischen oder privaten Kreisen?

Aus politischen Kreisen kam bisher noch nichts. Privat erhielt ich ein paar Anrufe. Beispielsweise von der Ehefrau eines Mitarbeiters, die noch Fragen hatte. Es ist mir ein Anliegen, dass sich Arbeitgeber mit Personalbedarf mit mir in Verbindung setzen. Das würde viele Umwege ersparen.

Der Standort Arbon fokussiert sich künftig auf Forschung und Entwicklung. Was bedeutet das für die Saurer AG?

Mit diesen Plänen der Firma hat die Forschung und Entwicklung eine gute Zukunft. Durch die geänderte Nachfrage auf dem Markt will das Unternehmen einen neuen Maschinentyp entwickeln. Man möchte dem nun eine Chance geben

Jacob Auer, Präsident der Arbeitnehmervertretung Saurer. (Bild: PD)

Jacob Auer, Präsident der Arbeitnehmervertretung Saurer. (Bild: PD)