Masken transportieren und positiv Getestete abtelefonieren: Der Kreuzlinger Zivilschutz im Ernstfalleinsatz gegen Corona

Sie sind die Helfer im Hintergrund: Der Zivilschutz übernimmt im Auftrag des regionalen Führungsstabs Aufgaben in der Logistik und der Patienten-Betreuung. Ein Augenschein im Stützpunkt. 

Urs Brüschweiler
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Ein Zivilschützer lädt Kisten mit Atemmasken aus.

Ein Zivilschützer lädt Kisten mit Atemmasken aus.

(Bild: Reto Martin)

Vor den Toren des Feuerwehrdepots Ost in Kreuzlingen hält ein Kleinbus. Zwei Zivilschützer laden Kisten aus und tragen sie ins Gebäude. In den Boxen befinden sich Schutzmasken. Später am Tag werden sie wieder verteilt. Leutnant Matthias Ganz ist für die Disposition verantwortlich. Er berichtet: 

«Knapp 70000 Stück haben wir in den letzten drei Wochen abgeholt und dorthin gebracht, wo sie im Gesundheitswesen dringend benötigt werden.»

Die meisten Masken stammen aus den Beständen des Kantons, aber man sammelt auch jene ein, die beispielsweise von Lackierbetrieben oder Schreinereien zur Verfügung gestellt werden. Zivilschutzkommandant Jethro Fehlmann sagt: 

«Der Kanton ist sehr zurückhaltend in der Vergabe. Aber mit der Kontingentierung haben wir es gut unter Kontrolle.»

Monitoring von positiv getesteten Personen

Covid-19-Patienten erhalten täglich einen Anruf in die Selbstisolation vom Zivilschutz.

Covid-19-Patienten erhalten täglich einen Anruf in die Selbstisolation vom Zivilschutz. 

(Bild: Reto Martin)

Im Feuerwehrdepot haben 14 Männer ihren Stützpunkt eingerichtet. «Seit dem 6. März sind wir hier im Einsatz», sagt Simon Hofmann. Er ist zweiter Stabschef des Regionalen Führungsstabes für den Bezirk Kreuzlingen. In dessen Auftrag sind die aufgebotenen Zivilschützer täglich im Einsatz gegen das Coronavirus. «Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist das Monitoring von positiv getesteten Personen», sagt Hofmann. Derzeit sind es 14 Menschen, die sich in der Region Kreuzlingen in einer Selbstisolation befinden. Täglich rufen die Zivilschützer bei ihnen an, fragen im Auftrag des kantonsärztlichen Dienstes nach Symptomen wie Husten, Temperatur, Gliederschmerzen und Fieber. Simon Hofmann erklärt: 

«Es ist aber mehr als nur das Abfragen von Symptomen.»

Natürlich gebe es bei den Patienten auch Emotionen und Ängste. Gerade bei den Älteren müsse man manchmal auch einfach zuhören und vielleicht ein bisschen Plaudern.

Paket vor die Haustür legen, weg gehen und anrufen

Neuinfizierte erhalten von den Zivilschützern zudem ein Päckli geliefert. Darin befindet sich unter anderem eine Schutzmaske. «Wir legen es vor die Tür, gehen weg und rufen den Adressaten sofort an», erklärt Hofmann. Es sei schon vorgekommen, dass in der Zwischenzeit ein Paket gestohlen worden sei. Kommandant Fehlmann sagt: 

«Den von uns betreuten Personen geht es den Umständen entsprechend gut.»

Aktuell habe man im Thurgau mit weniger als 4 positiv Getesteten auf 10000 Einwohner die geringste Dichte der Schweiz. Doch es ist auch hier spürbar, dass man sich für schlimmere Szenarien rüstet. Weitere Aufgaben werden für den Zivilschutz hinzukommen, etwa der Betrieb von mobilen Teststationen, Einsätze für Altersheime oder den Mahlzeitendienst.

Was gefahrlos möglich ist, soll bald von freiwilligen Helfern erledigt werden. Im grossen Zimmer läuft eine Schulung für die sogenannten Dispatcher. Sie werden die Einsätze der Freiwilligen koordinieren und sie gemäss ihren Fähigkeiten und Kenntnissen dort einsetzen, wo sie gebraucht werden.

«Wir überwachen  auch die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren. Es darf nicht sein, dass in Einsatzelementen zu viele Personen zeitgleich ausfallen.»
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