«Manchmal sind sie wie die Gallier»: Der Steinacher Gemeindepräsident blickt auf die ersten 100 Tage im Amt zurück

Michael Aebisegger ist seit knapp 100 Tagen Steinacher Gemeindepräsident. Er bedauert, dass die Bürgerversammlung nicht stattfinden kann - und will sein Büro schon bald für die Bürgerinnen und Bürger wieder öffnen.

Martin Rechsteiner
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Michael Aebisegger in seinem Büro. Hier will er irgendwann wieder Bürgerinnen und Bürger empfangen können.

Michael Aebisegger in seinem Büro. Hier will er irgendwann wieder Bürgerinnen und Bürger empfangen können.

Bild: Martin Rechsteiner

Sein Weg könnte steiniger nicht sein: Als Michael Aebisegger am 1. Januar das Gemeindepräsidium Steinach übernimmt, ist er noch bei seinem vorherigen Arbeitgeber, den Helvetia Versicherungen, angestellt – für die er laut Vertrag noch bis Mitte Februar arbeiten muss. Zu Beginn stellt er sich im Steinacher Gemeindehaus seinem 100-Prozent-Amt also mit einem Pensum von zwei Tagen pro Woche.

Weiter verfügt Steinach, und das noch bis im August, über keinen gewählten Gemeindeschreiber. Zudem fehlt ein Bauverwalter. Wichtige Stützen für die Arbeit im Präsidentenalltag fallen für Aebisegger somit vorerst weg. Und wäre das nicht schon genug, stellt das Coronavirus derzeit die Welt auf den Kopf – auch im Gemeindehaus Steinach.

Ein Absperrband hält potenzielle Besucher ab

Wer zu Michael Aebisegger ins Büro will, muss erst über ein Absperrband klettern, das Besucher vom Stock mit den Büros fernhalten soll.

«Eigentlich will ich meine Tür für die Bürger ja immer offen halten. Aber derzeit geht Sicherheit vor.»

Es habe seit seinem Amtsantritt vor rund 100 Tagen bereits ein paar Überstunden für ihn gegeben, sagt Aebisegger mit einem Augenzwinkern und lacht. «Die Umstände zu Arbeitsbeginn hätten besser sein können. Aber die Herausforderung macht es spannend und vielseitig.»

An Weihnachten gezügelt

Aebisegger sitzt am Konferenztisch in seinem Büro, am Revers seines Anzugs heftet ein gelber Anstecker mit dem blauen Steinacher Wolf. Der Raum ist spärlich eingerichtet. «Ich habe über Weihnachten gezügelt. Einige Wandbilder konnten wegen des Coronavirus bis jetzt nicht geliefert werden.»

Das Virus bereitet dem Gemeindepräsidenten jedoch gerade andere Sorgen: «Seit meinem Amtsantritt haben wir auf die Bürgerversammlung hingearbeitet, die jetzt nicht stattfindet.» Ein grosser Teil des Aufwands sei damit für die Katz gewesen.

«Es fällt der wichtigste Kommunikationskanal zu den Bürgern weg.»

Aebisegger gewinnt dem aber auch Positives ab. Die Wahlbeteiligung werde dank der Urnenabstimmung höher sein und somit die Resultate objektiver abbilden. Aus seiner Zeit als Steinacher Gemeinderat weiss er: «Manchmal schwelt der Unmut über ein Thema über lange Zeit still vor sich hin und entlädt sich dann an der Bürgerversammlung.» Dann sei es für eine konstruktive Diskussion meistens zu spät, womöglich sei bereits Geld geflossen.

Wer mit einem Projekt oder einer Finanzierung nicht einverstanden sei, soll sich frühzeitig einbringen. «So können Dinge allenfalls noch angepasst oder berücksichtigt werden.» Manchmal seien sie eben ein wenig wie die Gallier, die Steinacher, sagt Aebisegger und meint das positiv: «Ich spüre ein grosses Engagement hier im Dorf. Das ist von unschätzbarem Wert.»

Gutes Verhältnis mit den Nachbarn

In seinem neuen Job habe er sich inzwischen eingefunden, sagt Aebisegger. Der Austausch mit den Nachbargemeinden und deren Präsidenten sei gut. Nebst der Bürgerversammlung, die jetzt zur Urnenabstimmung wird, hat er noch andere Vorhaben auf seiner Agenda. «Ich hinterfrage die Organisation und Abläufe auf der Gemeindeverwaltung kritisch. In einem ersten Schritt will ich die beiden Abteilungen Finanzen und Kanzlei wieder zusammenführen.»

Gerade jetzt beschäftigt ihn zudem die Umsetzung des neuen Steinacher Parkraumkonzepts. «Es geht die Steuerung der Parkplatznutzung, weshalb Parkuhren beschafft, Bodenmarkierungen erneuert und Signalisationen ergänzt werden müssen.»

Zu tun gebe auch die geplante Sanierung der Bleichestrasse, über die abgestimmt wird. Und dann wäre da noch das Heim Betreutes Wohnen Gartenhof, in dessen Bau die Gemeinde 15 Millionen Franken gesteckt hat. «Anfangs 2021 wollen wir den Betrieb langsam hochfahren, ohne in die roten Zahlen zu rutschen. Das will sorgfältig geplant sein.» Bis dahin wird Aebisegger seine Tür bestimmt wieder für die Bürger offen halten können.