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Märstetter feiern am Hiläri ohne Frauen

Am Alten Silvester feiern die Männer der Bürgergemeinde den Bürgertrunk. Da die Frauen nicht eingeladen sind, vergnügen diese sich in kleinen Gruppen, am sogenannten Frauen-Hiläri.
Sabrina Bächi
Frauen dürfen am traditionellen Bürgertrunk am Hiläri dann doch nicht fehlen – auch wenn es nur verkleidete Männer sind, die Salziss und Brot servieren. (Bild: Werner Lenzin, 13. Januar 2018)

Frauen dürfen am traditionellen Bürgertrunk am Hiläri dann doch nicht fehlen – auch wenn es nur verkleidete Männer sind, die Salziss und Brot servieren. (Bild: Werner Lenzin, 13. Januar 2018)

Der Hiläri ist für viele Märstetter besser als Weihnachten, Geburtstag und Ostern zusammen. Denn am Alten Silvester, dem 13. Januar, feiert die Bürgergemeinde den Bürgertrunk mit Salzissen, Wein und in reiner Männergesellschaft. Freinacht in den Beizen und Freiheit im Herzen – denn weder Ehefrau, Kinder noch der Beruf zwingen einem, früh den Nachhauseweg anzutreten.

Dieses Wochenende ist es nun wieder soweit. Allerdings, weil der 13. ein Sonntag ist, wird bereits am Samstag gefeiert. Bürgerpräsident Adrian Heer erklärt, woher der Brauch des Bürgertunkes stammt: «1860 hat die Gemeinde einen Schuhhändler eingebürgert. Aus Dankbarkeit hat er Wurst und Wein bezahlt. Das Fest muss lustig gewesen sein, denn in der Folge hat die Bürgergemeinde die Organisation und Finanzierung dieses Anlasses übernommen.»

Männer mit Bezug zum Dorf

Zum 159. Mal feiern die Märstetter Männer in der Weitsichthalle den Brauch. Eingeladen sind alle Bürger. Des Weiteren entscheidet die Bürgerverwaltung, wer der «Ansässigen» teilnehmen darf. «Diese Männer müssen einen Bezug zum Dorf haben, beispielsweise in einem Verein tätig sein», sagt Heer. Rund 300 bis 350 Männer sind jeweils zugegen. «Dieses Jahr haben sich nicht viele abgemeldet, ich rechne mit zahlreichen Besuchern.» Der Abend verläuft nach dem immer gleichen Programm (siehe Kasten).

Bürgerpräsident Adrian Heer (Bild: Werner Lenzin)

Bürgerpräsident Adrian Heer (Bild: Werner Lenzin)

Kurz vor Mitternacht, und damit dem offiziellen Abschluss des Trunks, gibt es die Rede des Ehrengastes. «Wer es ist, bleibt bis zum Abend geheim», sagt Heer. Ebenso ein fester Bestandteil des Abends sind die Sketche, welche Vereine oder Gruppen aufführen. «Da werden Themen witzig verpackt, die uns unter dem Jahr beschäftigten», erklärt er.

Die Damen sind unerwünscht

Insgesamt 12000 Franken lässt sich die Bürgergemeinde den Abend kosten. Finanziert wird er aus den Einnahmen des Pachtlandertrags, Zinserträgen, dem Holzverkauf oder der Fischpacht. Dass an diesem Abend nur Männer zugegen sind, ist der Anfangszeit des Brauchs geschuldet. «Damals hatten die Frauen noch kein Stimmrecht, deshalb waren sie nicht eingeladen.»

Ein Stimmrecht für die Frauen gibt es heute wohl, eine Einladung aber nicht. «Wenn wir die Frauen auch einladen würden, hätten wir ein Platzproblem, zudem wäre es dann kein Bürgertrunk, sondern mehr eine Abendunterhaltung. Es ist halt Tradition und das ist gut so», sagt Heer. Er ist überzeugt, dürften die Frauen dabei sein, dann gäbe es den Hiläri in zehn Jahren nicht mehr.

Mit Frauen gäbe es den Bürgertrunk nicht mehr

«Die Frauen wollen halt meist auch früher nach Hause und die Männer getrauen sich dann nicht Nein zu sagen, dann wäre der Trunk bereits um elf Uhr fertig und das ist dann wirklich nicht mehr dasselbe.»

Zudem sei er überzeugt, dass ein Antrag für die Partizipation der Frauen abgelehnt werden würde. «Unsere Bürgerfrauen wollen gar nicht dabei sein», sagt er. Nächstes Jahr wird der Hiläri erstmals ohne Gemeindepräsident gefeiert. Denn dieser ist 2020 eine Frau und wird deshalb nicht eingeladen.

Susanne Vaccari, zukünftige Gemeindepräsidentin in Märstetten (Bild: PD)

Susanne Vaccari, zukünftige Gemeindepräsidentin in Märstetten (Bild: PD)

Susanne Vaccari, die künftige Präsidentin der politischen Gemeinde sieht das locker. «Ich bin in Märstetten aufgewachsen, kenne das nicht anders und finde es gut, dass es diesen Brauch gibt», sagt sie. Zudem glaube sie nicht, etwas zu verpassen «ausser vielleicht das Kopfweh», sagt sie lachend.

Gute Gespräche und feines Essen

Auch unter Bürgerinnen scheint der teure Spass kein Problem zu sein. Bürgerin Marlies Nater fühlt sich nicht unfair behandelt. «Mir ist der Brauch wichtig und ich finde das gut so», sagt sie. Nater und sieben weitere Frauen feiern jedes Jahr den Frauen-Hiläri.

«Eine von uns kocht für alle, wir führen gute Gespräche und haben es lustig. Es ist eine tolle Truppe.»

Es gäbe einige Frauengruppen, die sich an diesem Abend treffen. «In unserem Quartier gibt es noch den Frauenkafi.» Sie habe nicht das Gefühl, dass eine Märstetterin diesen Brauch abschaffen wolle. «Ich amüsiere mich dann oft, wenn ich am Morgen einkaufen gehe und im Dorf die Männer sehe, die immer noch unterwegs sind», sagt sie.

Der Märstetter Hiläri – die heilige Kuh. Oder wie man traditionsgerecht sagen muss: der heilige Muni. Ein Brauch, der wohl den Männern vorbehalten bleibt, aber trotzdem Amüsement für die Frauen mit sich bringt.

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