Märstetten
Ein Aadorfer hält Märstetten am Laufen – weshalb der Kanton Thurgau dem Gemeinderat ein Mitglied von aussen aufzwingt

Aufgrund akuten Personalmangels hat das Departement für Inneres und Volkswirtschaft einen externen Gemeinderat eingesetzt. Er sorgt dafür, dass die Behörde beschlussfähig ist. Bruno Lüscher aus Aadorf soll der Exekutive mit seiner Erfahrung unter die Arme greifen.

Sabrina Bächi
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Nach einer turbulenten Zeit mit vielen Rücktritten soll in Märstetten wieder Ruhe einkehren.

Nach einer turbulenten Zeit mit vielen Rücktritten soll in Märstetten wieder Ruhe einkehren.

Bild: Mario Testa (Märstetten, 29. Januar, 2021)

Die gute Nachricht vorneweg: der Märstetter Gemeinderat ist wieder beschlussfähig. Doch der Weg dorthin ist ein steiniger gewesen. Innerhalb eines Jahres haben mehr als die Hälfte aller Behördenmitglieder ihren Rücktritt gegeben. Damit schrumpfte die siebenköpfige Exekutive auf drei Mitglieder zusammen.

Diana Manser gab als vierte kurz vor Weihnachten ihren Rücktritt. Weil damit der Gemeinderat nicht mehr beschlussfähig gewesen wäre, musste der Kanton als aufsichtsrechtliche Behörde über ihren Rücktritt entscheiden.

Walter Schönholzer, Chef des Departements für Inneres und Volkswirtschaft (DIV), sagt, dass die persönlichen Gründe von Frau Manser dazu führten, dass ihr Rücktritt genehmigt wurde. Entsprechend musste ein Ersatz eingesetzt werden, damit die Behörde weiter arbeiten kann. «Wir haben Bruno Lüscher als externen Gemeinderat bestimmt», sagt der Departementschef. Lüscher eigne sich gut, weil er grosse Erfahrung als Gemeindepräsident mitbringt.

Walter Schönholzer, Regierungsrat, Departement für Inneres und Volkswirtschaft.

Walter Schönholzer, Regierungsrat, Departement für Inneres und Volkswirtschaft.

Bild: Reto Martin
«Es ist wichtig, dass ein eingesetzter Gemeinderat die Behördenarbeit gut kennt, er muss sich ja sehr schnell einen Überblick in die Sachgeschäfte machen können.»

Denn als eingesetztes Mitglied ist Lüscher antrags- und stimmberechtigt. Es gehe nun darum, den Gemeinderat, aber auch die Präsidentin, zu unterstützen. Lüschers Mandat endet, sobald ein oder mehrere Mitglieder gewählt werden.

Gute Erfahrungen in Eschenz

Sollte dies nicht schon bei den angesetzten Ersatzwahlen vom 7. März sein, so findet ein zweiter Wahlgang Ende März statt. «Ich habe entschieden, dass der zweite Wahlgang so schnell als möglich erfolgen muss. Eigentlich wäre dieser für den 13. Juni angesetzt gewesen, aber angesichts der Situation kann das nicht so lange warten.»

Grundsätzlich sei es eine unerfreuliche Situation, dass das Department einen Ersatz bestimmen müsse, damit die Behörde beschlussfähig bleibt, findet Schönholzer. In der jüngeren Geschichte des Kantons ist das nach Eschenz erst das zweite Mal der Fall. «In Eschenz haben wir mit dem Interimsmitglied der Behörde gute Erfahrungen gemacht», sagt der Regierungsrat. Er hoffe allerdings, dass solche Situationen nicht Beispiel machen und sich die Wogen in Märstetten wieder glätten.

Von den sechs Gemeinderäten sind nur noch zwei übrig geblieben: Heinz Nater gab den Rücktritt an der Gemeindeversammlung, Guido Stadelmann ist noch dabei, Diana Manser gab den Rücktritt vor Weihnachten, Sabina Michel ist noch dabei, Indira Marazzi gab den Rücktritt im August, Beat Keck trat per 2. November aus der Behörde aus. Nicht auf dem Bild ist Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch.

Von den sechs Gemeinderäten sind nur noch zwei übrig geblieben: Heinz Nater gab den Rücktritt an der Gemeindeversammlung, Guido Stadelmann ist noch dabei, Diana Manser gab den Rücktritt vor Weihnachten, Sabina Michel ist noch dabei, Indira Marazzi gab den Rücktritt im August, Beat Keck trat per 2. November aus der Behörde aus. Nicht auf dem Bild ist Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch.

Bild: Mario Testa (Märstetten, 25. November, 2018)

Erstes Gespräch mit positivem Eindruck

Bruno Lüscher ist also seit Freitag vor einer Woche Mitglied der Märstetter Exekutive. Alle seine Gemeindratskollegen hat er noch nicht kennen gelernt. «Ich war diese Woche in Märstetten und hatte ein langes Gespräch mit der Präsidentin und dem Gemeindeschreiber», sagt Lüscher. Es sei ein guter erster Eindruck gewesen und er freue sich, am Montag die restliche Behörde kennen zu lernen.

Er wurde bereits im vergangenen Jahr von Walter Schönholzer angefragt, ob er es sich ganz generell vorstellen könne, anderen Gemeinden seine Unterstützung anzubieten. In welcher Form dann eben gefragt sei. Er habe zugesagt und Anfang Januar kam dann die konkrete Anfrage für den Gemeinderat in Märstetten.

Bruno Lüscher, externer Gemeinderat in Märstetten.

Bruno Lüscher, externer Gemeinderat in Märstetten.

Bild: PD
«Ich habe vielleicht zwei, drei Tage überlegt und dann zugesagt.»

Er wolle helfen und glaubt, dass er für die Märstetter Situation das nötige Rüstzeug mitbringe. Er wolle mit seiner Erfahrung dazu beitragen, dass die Bevölkerung wieder Vertrauen in die Behörde fasst und die Exekutive auch schwierige Sachgeschäfte gemeinsam anpacken kann. «Ich will helfen und Tipps geben», sagt Lüscher.

Auch was etwa die Kommunikation anbelangt. Er arbeite transparent und offen. «Ich habe in den 24 Jahren als Gemeindepräsident gute Erfahrungen mit dieser Strategie gemacht – auch wenn manche sagten, ich habe fast zu viel informiert», sagt Lüscher und lacht. Offen sei er auch gegenüber der Märstetter Bevölkerung, die den Aadorfer vielleicht vereinzelt oder vom Hörensagen her kennt.

Sofern die Bevölkerung ihn in dieser kurzen Zeit überhaupt wahrnehme oder spüre, wolle er nicht nur offen sein, sondern auch Zuhören, auch das sei eine seine Stärken, mit der er für eine ruhigere Märstetter Zukunft sorgen will. «Es ist eine schöne Gemeinde und man kann von mir erwarten, dass ich mithelfe, damit sie eine positive Zukunft haben», sagt Lüscher. Vergangenheitsbewältigung sei jetzt nicht angesagt, sondern der Blick nach vorn.

Start mit Kennenlernrunde

Enge Zusammenarbeit mit Kanton

Märstettens Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch berichtet von einer Phase, die geprägt war von der guten Zusammenarbeit mit dem DIV. «Wir standen in engem Kontakt und wurden immer informiert, wie es nun weitergeht, was die nächsten Schritte sind», sagt Vaccari. Auch das erste Gespräch mit Bruno Lüscher sei mit den beiden anderen Behördenmitgliedern abgesprochen worden. Entsprechend wird sich der Gemeinderat am Montag an seiner ersten gemeinsamen Sitzung auch die Zeit nehmen, sich kennen zu lernen. «Wir starten nicht einfach grad mit den Traktanden, sondern mit einer kurzen Kennenlernrunde», sagt Vaccari. Diana Manser hat seit ihrem eingereichten Rücktritt an keiner Sitzung oder Zusammenkunft mehr teilgenommen. «Die Treffen ohne sie verliefen reibungslos und konstruktiv», sagt Vaccari. Mit Bruno Lüscher habe sie ein gutes Gefühl, man sei sich sympathisch. «Es ist toll, dass es auf Anhieb auch menschlich gut gepasst hat», sagt die Gemeindepräsidentin.