Interview
In Waidhofen an der Ybbs, einer Partnerstadt Bischofszells, ist das Maskentragen beim Einkaufen Pflicht

Coronapandemie: Günther Pöchhacker, Obmann des Vereins für Städtepartnerschaften, beschreibt die Situation in Bischofszells niederösterreichischer Partnerstadt.

Georg Stelzner
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Blick auf die Altstadt von Waidhofen an der Ybbs im niederösterreichischen Mostviertel.

Blick auf die Altstadt von Waidhofen an der Ybbs im niederösterreichischen Mostviertel.

Bild: PD

Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung von Waidhofen an der Ybbs?

Günther Pöchhacker: Sie ist der Situation angepasst, sehr diszipliniert. Unmut macht sich nirgends bemerkbar. Alle haben volles Verständnis für die angeordneten und auch selbst auferlegten Aktionen.

Wie gut wird das von der Regierung erbetene Daheimbleiben befolgt?

Schon im eigenen Interesse wird die «Kasernierung» eingehalten. Die öffentlichen Plätze werden nur von Menschen benutzt, die nicht anders können. Die privaten, professionellen und von den Hilfsorganisationen durchgeführten Zustelldienste funktionieren bestens. Ich bin mit den rechtzeitig angeordneten Massnahmen der Bundesregierung sehr zufrieden. Ich glaube, es wird alles nur Mögliche für die Eindämmung der Coronapandemie getan.

Gibt es in Ihrer Stadt infizierte Einwohner oder gar Tote?

Es gibt einige wenige infizierte Personen und zwei Todesfälle. Bei den Verstorbenen handelt es sich um über 80-jährige Leute mit starker Vorerkrankung.

Günther Pöchhacker, Obmann des Vereins für Städtepartnerschaften in Waidhofen an der Ybbs.

Günther Pöchhacker, Obmann des Vereins für Städtepartnerschaften in Waidhofen an der Ybbs.

Bild: Georg Stelzner

Welche Branchen leiden in Waidhofen am meisten unter dem Lockdown?

Betroffen sind in erster Linie die Gastronomie und der Tourismus. Bei den sonstigen Betrieben gibt es teilweise Kurzarbeit. Die Auftragsbücher sind aber so weit voll. In den öffentlichen Verkehrsmitteln und Lebensmittelgeschäften besteht eine strikte Maskenpflicht, deren Einhaltung auch kontrolliert wird. Die Einkaufswagen werden nach jeder Benützung behandelt, die Kunden müssen ihre Hände desinfizieren.

Welche Wirkung zeigen die nach Ostern in Kraft getretenen Lockerungen?

Die Lockerungen werden von der Bevölkerung Waidhofens mit Freude, aber doch mit grosser Zurückhaltung und Vorsicht angenommen.

Gab es in Ihrer Stadt Veranstaltungen, die der Coronapandemie zum Opfer gefallen sind oder die wegen der ungewissen Situation jetzt auf der Kippe stehen?

Abgesagt werden musste der 36. Stadtlauf, der diesen Monat stattgefunden hätte. Im Juni kann das 175-Jahr-Jubiläum der Stadtmusikkapelle nicht gefeiert werden und im Juli fallen die Schlosshofspiele aus. Auch auf das Aufstellen des Maibaums müssen wir verzichten. Ausserdem finden keine Fussballspiele mehr statt, was insofern sehr schade ist, als wir in unserer Liga heuer Chancen auf den Meistertitel gehabt hätten.

Türme prägen das Bild der Altstadt Waidhofens; rechts der in die Donau mündende Fluss Ybbs.

Türme prägen das Bild der Altstadt Waidhofens; rechts der in die Donau mündende Fluss Ybbs.

Bild: PD

Existiert in Waidhofen noch in irgendeiner Form ein lokales kulturelles Leben?

Ja, das allgemeine kulturelle Geschehen und Sitzungen der Vereine werden jetzt über das Internet abgewickelt.

Wie wird das zum Teil verpflichtende Tragen einer Maske aufgenommen?

Das Maskentragen ist mittlerweile ins Bewusstsein der Leute übergegangen. Es gibt überhaupt keine Probleme damit. Viele Einwohner haben wieder ihre Nähkunst entdeckt und fertigen sich ihre Masken selber an. Die mit viel Fantasie, aber streng nach Vorschrift hergestellten Masken der Marke Eigenbau sind billiger als die industriell hergestellten Exemplare und sehen ausserdem noch gut aus.

Günther Pöchhacker: «Negative Auswirkungen auf unsere Kontakte
mit Bischofszell befürchte ich nicht.»

In Bischofszell haben die Einwohner weiterhin Zutritt zum Rathaus. Welche Regelung kommt in Waidhofen zur Anwendung?

Der Zutritt zum Rathaus ist bei uns sehr inzwischen stark eingeschränkt. Ersatzweise wird nun vieles online erledigt.

In der Schweiz gibt es derzeit mehr Infizierte und Tote als in Österreich. Informieren Sie sich auch über die Situation im Nachbarland?

Ja, ich verfolge die Entwicklung in der Schweiz und den anderen Nachbarländern mit Interesse und bedaure jeden einzelnen Coronafall.

Eingebettet zwischen sanften Hügeln im westlichen Niederösterreich liegt Waidhofen an der Ybbs; links oben im Hintergrund ist die Wallfahrtsbasilika in der Gemeinde Sonntagberg zu erkennen.

Eingebettet zwischen sanften Hügeln im westlichen Niederösterreich liegt Waidhofen an der Ybbs; links oben im Hintergrund ist die Wallfahrtsbasilika in der Gemeinde Sonntagberg zu erkennen.

Bild: PD

Derzeit sind Auslandreisen praktisch unmöglich. Befürchten Sie negative Folgen für die Partnerschaft mit Bischofszell, Möhringen (D) und Battaglia Terme (I), wenn die Krise noch länger andauern sollte?

Negative Auswirkungen auf die Kontakte mit den Partnerstädten befürchte ich in keiner Weise. Es gibt momentan eine Pause, die von allen respektiert und eingesehen wird. Mit grosser Disziplin wird sich in einiger Zeit wieder alles regeln und wir werden die gewohnten Kontakte weiter pflegen können.

Was vermissen Sie persönlich am meisten? Worauf freuen Sie sich, wenn diese Krise überstanden ist?

Mir fehlen die gemeinsamen Tätigkeiten mit Kolleginnen und Kollegen, sei es in der Freizeit oder im Verein und überhaupt die als selbstverständlich angenommene Freiheit. Worauf ich mich freue? Vorerst, dass bald wieder alle gesund sind und wir zum normalen Alltag zurückkehren können. Dies mit dem Bewusstsein, dass die derzeitige Situation jederzeit wieder eintreten kann. Man merkt jetzt auf einmal, wie viele Arbeiten in der Wohnung, im Haus oder im Garten erledigt werden können. Wichtig ist, dass wir das «Zeichen der Natur» verstehen, mehr auf die Umwelt achten und uns etwas entschleunigen.

Das Interview mit Günther Pöchhacker wurde am Wochenende vom 18./19. April geführt.