Literatur
Weinfelderin gründet Buchpreis für noch unbekannte Schweizer Autoren

Katharina Alder führt dieses Jahr zum fünften Mal die Weinfelder Buchpreise durch. Zum ersten Mal gibt es eine Preisverleihung. Der Weinfelder Buchpreis gibt es für Schweizer Autoren, die ihr erstes Buch veröffentlichen. Er ist mit 4000 Franken dotiert.

Sabrina Bächi
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Katharina Alder und die fünf für den Buchpreis nominierten Bücher.

Katharina Alder und die fünf für den Buchpreis nominierten Bücher.

Bild: Ralph Ribi

Bei Katharina Alder dreht sich alles um das Wort. Oder besser um Wörter. Um Wörter in Büchern. Wörter, die Passagen oder packende Absätze bilden. Wörter, die interessante Ideen und neue Blickwinkel kreieren. Kurz gesagt: Katharina Alders Leben ist bestimmt von Literatur. Zum einen durch ihren Arbeitsalltag im Klappentext und zum anderen durch ihr Studium. Derzeit absolviert sie den Master in Deutscher Literaturwissenschaft sowie Theorie, Analyse, Vermittlung (TAV). Dabei geht es darum, wie man die Brücke von der akademischen Literaturwissenschaft in den öffentlichen Literaturbetrieb schlägt.

Ausserdem hat sie die Weinfelder Buchtage gegründet. Dabei kommen Autorinnen und Autoren nach Weinfelden und lesen aus ihren Neuerscheinungen. Bereits zum fünften Mal findet der Event statt. Diesmal jedoch nicht im Frühling, sondern im Herbst. «Das ist eigentlich noch fast besser als im März», sagt Katharina Alder. Im Frühling sei immer so viel los und im September sei ihrer Meinung nach der Beginn der Kultursaison.

Erstmals einen Buchpreis

Doch nach fünf Jahren lässt sich Alder auch mal was Neues einfallen. Deshalb wird dieses Jahr erstmals der Weinfelder Buchpreis vergeben. Ins Leben gerufen hat ihn Alder selbst. «Ich habe alle Ersterscheinungen von Schweizer Autorinnen und Autoren im vergangenen Jahr angeschaut. Etwa 15 habe ich ganz gelesen und am Ende fünf davon ausgesucht.»

Die fünf nominierten Bücher.

Die fünf nominierten Bücher.

Bild: Ralph Ribi

Das sind nun die Nominierten für den Buchpreis. Sie werden ihre Werke am Samstag vorstellen. Eine Jury, bestehend aus fünf Studenten des Studiengangs Theorie, Analyse und Vermittlung beschäftigen sich derzeit damit, die Bücher nach literarischen Aspekten zu beurteilen.

Ihre Entscheidung wird die Jury an den Buchtagen bekanntgeben. «Interessanterweise sind vier der fünf Autoren Frauen. Eine Person lässt sich nicht in binäre Strukturen zuordnen. Das Spiel mit Geschlechtlichkeit zeigt sich auch im Buch von X Schneeberger», sagt Alder.

Hohe Qualität aber keine Mainstream Bestseller

Wenn sie über die Bücher spricht, wird klar: Klassische Bestseller sind das nicht. Trotz hoher Qualität der Texte taugten sie nicht für Mainstream Bestseller. Das müssen sie auch nicht sein.

Katharina Alder.

Katharina Alder.

Bild: Ralph Ribi
«Manchmal ist es einfach die Sprache, einzelne Passagen oder Herangehensweisen, die ich sehr vielversprechend und interessant finde», begründet Alder ihre Auswahl.

Es soll bewusst Autorinnen und Autoren fördern, die noch nicht im grossen Rampenlicht stehen. Das, so hofft Alder, gebe ihnen vielleicht einen kleinen Schub, Bekanntheit und sicher sei es auch toll, wenn man sagen kann, dass man einen Preis gewonnen hat. Entstanden sei die Idee wegen Corona. «Wir mussten unseren Laden schliessen, aber die Treue der Kunden hat uns finanziell über die Runden geholfen. Dafür bin ich sehr dankbar», sagt sie.

4000 Franken für den Sieger

Daneben sehe sie, wie mühsam und schwierig das Coronajahr für Künstler war. Sie möchte deshalb etwas zurückgeben. Der Preis ist mit 4000 Franken dotiert. Einen Monatslohn, wie sie sagt. «Es gibt dem Gewinner vielleicht auch die Zeit, einen Monat auszukommen und sich neue Ideen einfallen lassen für ein weiteres Buch.» Wie der Preis physisch aussehen soll, also ob es eine Statue oder einen Pokal gibt, das weiss sie noch nicht. «Aber ich bin offen für Ideen», sagt sie lachend.

Usama Al Shahmani kommt erstmals an die Buchtage.

Usama Al Shahmani kommt erstmals an die Buchtage.

Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE

Der Buchpreis ist aber nur ein kleiner Teil der Weinfelder Buchtage. An vier, nicht wie bisher drei Tagen stellen bekannte Autorinnen und Autoren ihre Werke mittels Lesung vor. «Normalerweise hatten wir sieben oder acht Autoren, dieses Jahr sind es 15», sagt Alder. Unter anderem auch deshalb, weil sie etwa auf Facebook fragte, wer man den gerne an den Buchtagen sehen beziehungsweise hören möchte. «Usama Al Shahmani und Max Küng habe ich beispielsweise auch auf Wunsch der Community eingeladen», sagt Alder.

Evergreens oder bekannte Gesichter

Peter Stamm kommt auch wieder an die Buchtage.

Peter Stamm kommt auch wieder an die Buchtage.

Bild: Claudia Below

Bekannte Gesichter, die bereits mehrfach an den Buchtagen waren, kommen ebenfalls erneut. «Peter Stamm hat als Weinfelder immer sehr viel Publikum.» Auch Arno Camenisch kommt nach Weinfelden. «Er sagte mir, sein neues Buch sei sein persönlichstes und er ist sehr beliebt, seine Lesungen immer gut besucht», sagt Alder. Sie habe ihn daher noch einmal eingeladen. Er sei schon fast ein Evergreen. «Den Film ‹Drei Nüsse für Aschenbrödel› sieht man sich ja auch jedes Weihnachten an. Mit Arno Camenisch ist es etwa gleich. Ein Besuch seiner Lesung ist immer noch gut», sagt Alder und lacht.

Immer wieder betont sie, wie sehr sie sich auf die Buchtage freut. Aus dem Schwärmen kommt sie fast nicht raus. Doch eines bedauert sie: «Wir bekommen viel öfters Absagen von Frauen. Deshalb gibt es mehr Lesungen mit Männern.» Das sei sehr schade, da sich die vielen Anfragen an weibliche Autoren nicht so auszahle. Dabei sei sie sehr bemüht, auch Frauen nach Weinfelden zu holen.

www.buchtage.ch

Programm der Buchtage

Zusammenarbeit mit dem Theaterhaus

Die Weinfelder Buchtage finden vom 9. bis 12. September in Weinfelden statt. Erstmals findet eine Zusammenarbeit mit dem Theaterhaus Thurgau statt, wo auch Lesungen sowie die Preisverleihung stattfinden. Weitere Standorte sind das Rathaus sowie die Buchhandlung Klappentext. Es gibt wiederum verschiedene Eintrittspässe. Alle Informationen auch zu den anwesenden Autoren gibt es auf der Website. (sba)

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