Literarischer Wettkampf um die "Goldene Schreibfeder von Bischofszell"

Der schon zweimal erfolgreich durchgeführte Wettbewerb «schreibLust» erfährt eine Neuauflage. Zum Auftakt finden im November in der Rosenstadt diverse Impulsveranstaltungen statt.

Georg Stelzner
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Mitglied der Jury: Michèle Minelli, Schriftstellerin aus Uesslingen. (Bild: PD)

Mitglied der Jury: Michèle Minelli, Schriftstellerin aus Uesslingen. (Bild: PD)

Geschrieben wird nach wie vor. Im Zeitalter von WhatsApp und SMS wahrscheinlich mehr denn je. Nur: Was wird geschrieben und wie? Der Titel des Bischofszeller Schreibwettbewerbs ist Programm. Die Veranstaltung will die Freude am ästhetischen Formulieren und originellen Erzählen wecken – mit einem gewissen literarischen Anspruch zwar, aber ohne elitäre Attitüde.

Zum Mitmachen eingeladen sind Erwachsene, Jugendliche und Kinder (ab Mittelstufe). Sie müssen nicht in Bischofszell wohnen. Teilnehmen dürfen auch Interessierte aus dem ganzen Oberthurgau sowie aus grenznahen Gebieten des Kantons St. Gallen.

Den ersten Satz liefert ein bestehendes Werk

Buchhändlerin Charlotte Kehl hat den Wettbewerb vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Letztmals fand er 2016 statt. Der Erfolg der beiden ersten Austragungen hat sie bewogen, «schreibLust» ein weiteres Mal durchzuführen. Egal, ob fiktive oder dokumentierte Geschichten, Tagebuchaufzeichnungen, Theaterstücke, Gedichte oder Songtexte – alles ist zugelassen.

Die einzige inhaltliche Bedingung besteht darin, dass der Text mit einem Satz aus einem bestehenden literarischen Werk beginnen muss. Dieser Satz kann in der Buchhandlung «Bücher zum Turm» ausgewählt werden. Die Textlänge ist mit 10000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) limitiert.

Publikum und Jury vergeben Preise

Publikum und Jury vergeben Preise «Die spielerische Art, sich von einem Anfangssatz führen zu lassen, fordert die Spontanität und Kreativität heraus», begründet Kehl die erstmals zum Einsatz kommende Vorgabe. Vom tieferen Sinn des Wettbewerbs ist sie überzeugt. Das Schreiben setze auf der geistigen Ebene viel Energie frei und fördere die Eigenständigkeit, sagt die Initiatorin und fügt ein noch weiteres wichtiges Argument hinzu: «Mit jeder schöpferischen Tätigkeit gestalten wir unser Leben und unsere Umwelt mit, anstatt alles passiv über uns ergehen zu lassen.»

In jeder Kategorie wird ein Publikumspreis, die Goldene Schreibfeder, verliehen. Zusätzlich vergibt eine fünfköpfige Jury ein Gewinnerzertifikat und weitere Preise. Als Preisrichterin wird auch die Thurgauer Schriftstellerin Michèle Minelli fungieren. Sie ist in Bischofszell vor allem durch ihren in der Rosenstadt spielenden Roman «Die Verlorene» bekannt geworden. Minelli begrüsst die Durchführung des Schreibwettbewerbs: «Solche Veranstaltungen sind geeignet, das Lesen und Schreiben zu fördern.»

Minelli bezeichnet sich als leidenschaftliche Jurorin, die aber offen für andere Einschätzungen sei und gerne über Texte diskutiere. Hinsichtlich der Qualität eines Werks hat die gebürtige Zürcherin klare Vorstellungen: «Ich muss das Gefühl haben, dass mir eine Geschichte etwas sagen will, und dass die Autorin oder der Autor geeignete Mittel eingesetzt.» Die Dringlichkeit des Anliegens müsse spürbar und der Text «in sich stimmig» sein. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um einen ernsten oder humorvollen Stoff handelt.

Szenische Lesung und Workshops

Lanciert wird der Schreibwettbewerb diesen Herbst mit mehreren Anlässen. Am Freitag, 9. November, 19.30 Uhr, findet in der Aula Sandbänkli eine szenische Lesung mit Michèle Minelli und Schauspieler Peter Höner statt.

Am gleichen Wochenende werden auch zwei Workshops zum Thema «Kreatives Schreiben» angeboten: Am Freitag, 9. November, 10 bis 15.30 Uhr, im Sitterdorfer Sekundarschulzentrum Bruggfeld für Jugendliche sowie am Sonntag, 11. November, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 16 Uhr, im Bistro zu Tisch an der Marktgasse 5 für Erwachsene. Beide Workshops wird Michèle Minelli leiten.

Abgabefrist bis Anfang 2019

Frist bis Anfang 2019 Der Jury gehören folgende Personen an: Michèle Minelli, Schriftstellerin; Richi Küttel, Kulturvermittler und Slam-Poet; David Lendenmann, Deutschlehrer an der PMS Kreuzlingen; Marion Herzog, Buchhändlerin; Georg Stelzner, Redaktor der "Thurgauer Zeitung». Texte zum Thema «Anfangen» können als Word-Dokument an buecherzumturm@bluewin.ch gesendet oder direkt in der Buchhandlung «Bücher zum Turm» an der Marktgasse 2 hinterlegt werden. Abgabetermin ist der 4. Januar 2019. Die Präsentation der besten Beiträge und die Preisverleihung finden am Samstag, 16. März, im Bistro zu Tisch statt. Weitere Informationen: Telefon 071 420 02 40 und im Internet unter www.buecherzumturm.ch. (st)