Liebling sucht neues Publikum – wie Niki Altorfer auch beim HC Thurgau brillieren will

Thurgaus Zuzug Niki Altorfer hatte eine grosse Karriere vor Augen. Doch ein Grosser wurde der heute 29-Jährige erst in der NLB.

Matthias Hafen
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Niki Altorfer betrachtet den Wechsel von Visp zu Thurgau nicht als Abstieg. (Bild: Mario Gaccioli)

Niki Altorfer betrachtet den Wechsel von Visp zu Thurgau nicht als Abstieg. (Bild: Mario Gaccioli)

Nicht viele beim HC Thurgau konnten Roman Josi, Luca Sbisa und Nino Niederreiter je ihre Teamkollegen nennen: Niki ­Altorfer aber gehörte 2007/08 ­jener Schweizer U18-Nationalmannschaft an, mit der die drei NHL-Profis gross geworden sind. Es war eine Zeit, in der auch Altorfer eine steile Karriere vor Augen hatte. Von den ZSC Lions war der Zürcher als 17-Jähriger mit einem Profivertrag ausgestattet worden. Sein Talent galt in jungen Jahren als unbestritten. Zum Durchbruch in der NLA kam es aber bis heute nicht.

«Heute würde ich es wohl schaffen», sagt der mittlerweile 29-jährige Altorfer nicht ohne Wehmut. Damals aber waren im Schweizer Eishockey vor allem grosse, athletische Spieler gefragt. Eine Einstellung, die heute manch ein Sportchef revidiert hat. Mit seinen 1,74 Metern und nicht einmal 90 Kilogramm ist Altorfer kein Modellathlet fürs Eishockey, schon gar nicht für die höchste Liga. Seine spielerische Klasse aber stellte Altorfer fortan eine Liga tiefer unter Beweis, beim ZSC-Farmteam GCK Lions.

Mit Eiszeit holt sich Altorfer Selbstvertrauen

Die NLB, heute Swiss League, wurde für ihn vom Fluch zum Segen. Hier wuchs Altorfer zum spielbestimmenden Flügelstürmer heran, wechselte bald einmal zum EHC Visp ins Wallis, wo er sich mit starken Auftritten sowie regelmässig über 30 Skorerpunkten pro Saison einen Namen machte. Mit etwas Abstand sagt der Urdorfer heute: «Ich bin in der Swiss League genau so glücklich wie in der NLA. Ich wüsste nicht, ob ich heute noch ein Angebot aus der höchsten Liga annehmen würde.» Wichtig sei ihm, dass er viel spielen kann. «Ich habe mehr Freude daran, eine Liga tiefer eine spielbestimmende Persönlichkeit zu sein als in der höchsten Klasse ein Viertlinienspieler mit nur wenig Eiszeit.» Auch beim HC Thurgau wolle er Einfluss aufs Spiel nehmen. «Deshalb hat mich der Club auch geholt», sagt Altorfer, der beeindruckt war, wie sehr sich der HCT um seine Dienste bemühte. «Das gibt einem von Anfang an ein gutes Gefühl.»

Die Thurgauer verpflichteten den Flügelstürmer mit der Nummer 13 als Vollprofi, den er seit seinen Jugendjahren ist. Seit Mai besucht der Familienvater auch noch die Handelsschule, will sich für die Zeit nach dem Eishockey rüsten. «Aber ich werde deswegen nicht gleich aufhören, Eishockey zu spielen», sagt er. Nach insgesamt sechs Jahren beim Ligakonkurrenten Visp und einem Zwischenjahr bei Rapperswil-Jona in der NLB hat sich ­Altorfer im Thurgau nur für ein Jahr verpflichtet. «Mir ist wichtig, dass es meiner Familie wohl ist», sagt er. Deshalb wollte er zuerst schauen, wie sich die Zeit beim HCT entwickelt. «Aber bislang gefällt’s uns sehr gut.» Der Zürcher wohnt mit seiner Frau Charlyne und seinem zweijährigen Sohn Jay in Kloten.

Ein ehemaliger Heisssporn mit Spielwitz

Die Geburt seines Sohnes habe ihn zu einem ruhigeren Typen gemacht, sagt Altorfer. Früher galt der bissige Flügelstürmer als Heisssporn, machte sich damit beim Gegner oft unbeliebt. «Ich gebe halt nie auf und bin ein Kämpfer. Daran hat sich bis heute nichts geändert.» Der 29-Jährige ist ein Beispiel dafür, wie man Intensität und Spielwitz unter einen Hut bringt. Trotz seiner Aggressivität auf dem Eis bleibt er stets torgefährlich.

Dass er den EHC Visp nach sechs Jahren just zum Zeitpunkt verliess, als der Club in sein neues Stadion zog, bereut Altorfer nicht. «Mit der Weinfelder Güttingersreuti habe ich ja auch ein neues Stadion. Und die ist auch besser als die alte Litternahalle.» Bei Visp habe es zuletzt einfach nicht mehr gestimmt, sagt der Zürcher. «Die ersten vier Jahre im Wallis waren aber extrem schön.» Es war jene Zeit, als Altorfer als Nicht-Walliser im Oberwallis zum Publikumsliebling geworden war. Nicht auszuschliessen, dass dies auch im Thurgau so weit kommt.

Kehrichtsäcke bringen die neuen Kanadier des HC Thurgau an ihre Grenzen

Die kanadischen Zwillinge Connor und Kellen Jones können mehr, als das Spiel des HC Thurgau bereichern. Der eine schreibt bereits an seinem ersten Roman, der andere jongliert gerne mit Zahlen. Im Alltag stellen sie sich den Herausforderungen in der Ostschweiz mit Humor. In ihrem ersten Spiel mit dem HCT bleiben die zwei Canucks noch torlos.
Matthias Hafen