Glosse

Leuchtende Funzeln oder warum die Stadt Weinfelden fünfzig Franken mehr versteuern muss

Räbeblatt: An der Bochselnacht wird das Licht gelöscht. Für den Umzug. Doch das gibt es dieses Jahr nicht. Also brennen alle Lampen und wer bezahlt's? Die Stadt natürlich.

Sabrina Bächi
Drucken
Teilen
Traditionsgemäss singen die Schülerinnen und Schüler auf dem Rathausplatz «Freut euch des Lebens». Wegen der Absage der Bochselnacht wird es dieses Jahr stumm bleiben am 17. Dezember. Hier zum Schwelgen: Ein Bild vom letzten Jahr.

Traditionsgemäss singen die Schülerinnen und Schüler auf dem Rathausplatz «Freut euch des Lebens». Wegen der Absage der Bochselnacht wird es dieses Jahr stumm bleiben am 17. Dezember. Hier zum Schwelgen: Ein Bild vom letzten Jahr.

Bild: Reto Martin (Weinfelden, 19. Dezember 2019)

Heilige Nacht, stille Nacht, alles schläft – spätestens ab 23 Uhr. Ach, die Absage der Bochselnacht trifft das Weinfelder Traditionsherz in seiner Mitte. Zuerst die Wega, jetzt die Bochselnacht – von all den vielen kleinen Anlässen, die nicht mehr sind, ganz zu schweigen. Blödes Coronavirus. Also wirklich!

Sabrina Bächi, Ressortleiterin Weinfelden.

Sabrina Bächi, Ressortleiterin Weinfelden.

Bild: Andrea Stalder

Doch die Stadt lässt sich nicht beirren. Sie ist weiter optimistisch, plant riesige Eventhallen (immerhin, der Abstand aller 50 erlaubten Besucher könnte eingehalten werden) und hängt die Weihnachtsbeleuchtung auf, als wenn die Vorfreude auf die besinnliche Zeit gleich wäre, wie immer.

Mit den Leuchtsternen am Weinfelder Strassenhimmel begibt sie sich immerhin nicht auf Glatteis. Weihnachten findet bestimmt statt. Auch wenn nicht gesungen werden darf und sich bis dahin auch niemand des Lebens erfreut. Und der Winter kann sowieso kommen, mit den neuen Salzstreuern schlipft auch keiner mehr auf den Strassen aus. Nicht alles ist also schlechter heuer.

Aber Finanzchef Wagner dürfte sich die Haare raufen: Wegen des Bochselnachtausfalls, werden auch die Strassenfunzeln nicht abgelöscht. Das kostet die Stadt sicher fünfzig Franken mehr Strom. Soviel wie ein Corona-Gutschein. Aber versteuern nicht vergessen, gäll.