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Der Erfolg wird zur Herausforderung: Nach 35 Jahren stösst die Gemeindebibliothek Romanshorn an räumliche und finanzielle Grenzen

Eine Erweiterung sei wünschenswert und nötig, sagen die Verantwortlichen. Sie wollen einen Ort der Begegnung schaffen, vielleicht sogar mit einem Café.

Markus Bösch
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Sie sind als Team und als Verein für den reibungslosen Betrieb der Gemeindebibliothek verantwortlich: Susanne Gross, Eveline Campregher, Silvia Bolliger, Tanja Bühler, Sandra Randegger und Angela Zeidler.

Sie sind als Team und als Verein für den reibungslosen Betrieb der Gemeindebibliothek verantwortlich: Susanne Gross, Eveline Campregher, Silvia Bolliger, Tanja Bühler, Sandra Randegger und Angela Zeidler.

Bild: Markus Bösch

«Wir stossen mit unserem jetzigen Raumangebot an Grenzen. Auch wenn der Standort ideal, weil zentral, gelegen ist, ist eine Erweiterung wünschbar – und nötig», erklärt Sandra Randegger. Sie ist Präsidentin des Trägervereins. So müssten für Veranstaltungen die Räumlichkeiten sehr oft mit viel Aufwand umgestellt werden, und einige Anlässe seien gar nicht durchführbar. «In den Anfängen hatten wir 3000 Medien, jetzt sind es rund fünfmal mehr.» In diesem Zeitraum hat sich auch die Zahl der Mitglieder vervielfacht.

Damit die Bibliothek zu einem Ort der Begegnungen werden könne, sei für die Zukunft die Standortfrage zu stellen. Randegger sagt:

«Es braucht einen barrierefreien Zugang und ebensolche Bewegungsmöglichkeiten innerhalb der Bibliothek.»

Der Raum für die Jugendlichen sei definitiv zu klein. Da brauche es auch bequeme Sitzgelegenheiten. Und ein Ruheraum für Arbeitsplätze, zum Beispiel für Studierende, ist ebenfalls angedacht. «Wünschenswert sind auch Verpflegungsmöglichkeiten, vielleicht mit einem Café», sagt Randegger. Und nicht zuletzt könnten mit einem grösseren Raumangebot auch vermehrt gemeinsame Projekte (Erzählnacht, Vorlesetag) mit den Schulen angeboten und durchgeführt werden. Was für Randegger und Bibliotheksleiterin Tanja Bühler ebenfalls klar ist: «Wenn wir Visionen für die Zukunft entwickeln, gehören finanzielle Überlegungen ebenfalls dazu, also Fragen wie: Wer trägt die Bibliothek, wer beteiligt sich daran und wie viel ist uns diese Institution wert?»

Fast 1000 Mitglieder

1500 Kundenkonten gilt es zu verwalten: 950 zahlende Mitglieder zählt die Gemeindebibliothek Romanshorn, dazu kommen 550 Kinderkonten, die es den Betroffenen erlauben, Bücher gratis auszuleihen. Bühler sagt:

«Während 17 Stunden pro Woche haben wir geöffnet. Meistens sind wir zu zweit, leihen Bücher aus und nehmen sie zurück und reihen sie wieder ein.»

Sehr oft würden sich auch Gespräche ergeben, an der Theke und bei den Gestellen. «Und diese Gespräche drehen sich um Recherchen, Erklärungen für die digitale Bibliothek – und oft erzählen unsere Kundinnen und Kunden auch von ihren Alltagssorgen», sagt Bühler.

Auch hinter den Kulissen gibt es einiges zu tun: Um eine aktuelle und attraktive Bibliothek anbieten zu können, gilt es, Wünsche und Bedürfnisse der Leserschaft zu berücksichtigen. Der Einkauf und die Ausrüstung der Bücher und Medien gehören genauso dazu wie etwa die Dekoration der Schaufenster und Innenräume, diverse Büroarbeiten und das nötige Aussortieren der nicht mehr brauchbaren Medien. Jedes Jahr werden etwa 1000 Medien eingekauft sowie ausgemustert. Der Zeitaufwand für all das ist so gross wie für die Präsenz in der Bibliothek während der Öffnungszeiten.

Bibliothek outdoor

In einer breiteren Öffentlichkeit präsent ist das Ausleihteam (und der Vorstand des Trägervereins) mit zahlreichen Veranstaltungen: So wird die Jahresversammlung jeweils von einer Autorenlesung begleitet, immer wieder erzählen Romanshornerinnen und Romanshorner von ihren Leseerfahrungen. Die Buchstartanlässe für die Jüngsten und Panini-Tauschbörsen gehören ebenfalls dazu. Bühler sagt:

«Darüber hinaus betreuen wir den unterdessen beliebten Bücherschrank im Seebad und sind in Alters- und Pflegeheimen unterwegs: Von deren Bewohnerinnen und Bewohnern hören wir immer wieder schöne und positive Rückmeldungen.»

Bewährt habe sich auch die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen: «Wir beteiligen uns an der Spielstrasse, am Lenz und am Ferienpass», sagt Bühler.

Bibliothekswochenende

Nach den Sternen greifen

Vom 25. bis 27. März 2022 findet ein erstmals schweizweit durchgeführtes Bibliothekswochenende statt. Unter dem Motto «Nach den Sternen greifen» wird auch die Romanshorner Gemeindebibliothek im Rampenlicht stehen. An den drei Tagen hat sie ausserhalb der üblichen Zeiten geöffnet. Vor Ort finden auch spezielle Anlässe statt: Am Freitag, 25. März, gibt es gruselige Gutenachtgeschichten für Unterstufenschülerinnen und Unterstufenschüler. Am Samstag ist eine Krimitour unter den Sternen angesagt. Und am 27. März heisst es «Buchstart für die Kleinsten». (mb)

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