Leitartikel
Damit die Kreuzlinger Vereine nicht auf der Strasse stehen: Deshalb sollen die Stimmberechtigten Ja sagen zum Kult-X

Am 26. September entscheiden die Kreuzlinger Stimmberechtigten über die Zukunft des Kulturzentrums Kult-X. Selbst wer sich nicht für Kultur interessiert, sollte ein Ja in die Urne legen, findet TZ-Redaktorin Rahel Haag.

Rahel Haag
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Ein Wegweiser vor dem Kreuzlinger Kulturzentrum Kult-X.

Ein Wegweiser vor dem Kreuzlinger Kulturzentrum Kult-X.

Bild: Tobias Garcia

«Kult-X ist ein Glücksfall» – mit diesem Slogan wirbt das Pro-Komitee des Kreuzlinger Kulturzentrums für ein Ja an der Urne am 26. September. Dann entscheiden die Stimmberechtigten einerseits über einen städtischen Beitrag an den Kulturbetrieb für drei Jahre in Höhe von insgesamt 750’000 Franken und andererseits über die Überführung der Liegenschaft Schiesser aus dem Landkreditkonto in das Verwaltungsvermögen in Höhe von 4,87 Millionen Franken.

Das hört sich im ersten Moment nach viel Geld an. Insbesondere die Überführung der Liegenschaft Schiesser.

Davon sollten sich die Stimmberechtigten aber nicht irritieren lassen, denn Fakt ist, dass es sich hierbei um einen rein buchhalterischen Akt handelt, bei dem nicht ein einziger Franken fliesst.
Rahel Haag, Redaktorin «Thurgauer Zeitung», Ressort Kreuzlingen.

Rahel Haag, Redaktorin «Thurgauer Zeitung», Ressort Kreuzlingen.

Bild: Reto Martin

Das Schiesser-Areal gehört seit 2008 der Stadt. Damals hat sie dafür rund 1,73 Millionen Franken bezahlt. Seither wurden insgesamt rund 3 Millionen Franken in die Liegenschaft an der Hafenstrasse 8 investiert. Daraus ergibt sich der Wert von knapp 5 Millionen Franken. Dass dieser Umstand den Stimmberechtigten im laufenden Abstimmungskampf erklärt werden muss, war für alle, die sich für das Kult-X einsetzen, ein Klotz am Bein.

Sie haben sich trotz Corona nicht unterkriegen lassen

Erschwerend hinzu kam die Coronapandemie, die Veranstaltungen auf einen Schlag unmöglich machte. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Betreiber und Unterstützer des Kult-X dadurch beweisen konnten, dass sie sich voll für das Kreuzlinger Kulturzentrum einsetzen.

Sie haben sich nicht unterkriegen lassen, sondern sind kreativ geworden. Zuerst verlegten sie ihr Programm mittels Stream, sprich Video, ins Internet, später setzten sie auf Schutzkonzepte und konnten der Bevölkerung doch noch ihre Türen öffnen.

Mit ihren Konzerten, Lesungen, Tanzanlässen, Spielnachmittagen, Filmvorführungen, veganen Brunchs, Ausstellungen, Theatern und Workshops haben sie dem ausgehungerten Publikum bewiesen, dass im Kult-X grundsätzlich für alle Kulturinteressierten etwas dabei ist – und wichtiger noch, dass alle willkommen sind. Dabei spielen weder Alter und Geschlecht noch Herkunft oder Religion eine Rolle.

Das Co-Präsidium des Pro-Komitees für das Kreuzlinger Kulturzentrum Kult-X: Mitte-Nationalrat Christian Lohr, FDP-Gemeinderätin Pia Donati, Gemeinderat Beni Merk von der Freien Liste, SP-Gemeinderat Ruedi Herzog und FDP-Kantonsrätin Cornelia Zecchinel.

Das Co-Präsidium des Pro-Komitees für das Kreuzlinger Kulturzentrum Kult-X: Mitte-Nationalrat Christian Lohr, FDP-Gemeinderätin Pia Donati, Gemeinderat Beni Merk von der Freien Liste, SP-Gemeinderat Ruedi Herzog und FDP-Kantonsrätin Cornelia Zecchinel.

Bild: Tobias Garcia

Kult-X bietet Kreuzlinger Vereinen ein Dach über dem Kopf

Mag sein, dass es in Kreuzlingen Menschen gibt, die sich selber als Kulturbanausinnen und -banausen bezeichnen und die 750'000 Franken deshalb lieber anders investieren würden. Das ist allerdings noch kein Grund, in zweieinhalb Wochen ein Nein in die Urne zu legen. Denn hier geht es um Gemeinsinn. Und darum, dass eine Stadt in der Grösse von Kreuzlingen unter anderem die Aufgabe hat, Kultur zu fördern.

Davon abgesehen, bietet das Kult-X nicht nur kulturelle Veranstaltungen, sondern auch Kreuzlinger Vereinen ein Dach über dem Kopf. Insgesamt 20 haben sich dem Kulturzentrum bereits angeschlossen. Sie brauchen einen Platz, denn nur so können sie ihren gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Die Stadt hat das Schiesser-Areal vor rund 13 Jahren mit dem klaren Ziel gekauft, hier ein Kulturzentrum aufzubauen. Seither wurde viel Geld, Schweiss und Herzblut in das Projekt investiert. Der Start ist geglückt, das Haus wurde mit Leben gefüllt. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man sagt Nein oder Ja. Im ersten Fall würde die Entwicklung abgeklemmt. Im zweiten könnte sich das Kult-X weiterentwickeln – zu einem Glücksfall für die ganze Stadt.

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