Leiser die Glocken nie klingen: Nun müssen die Kreuzlinger Kirchbürger entscheiden

Die Evangelische Kirchgemeinde Kreuzlingen unterbreitet ihren Stimmbürgern an der Kirchgemeindeversammlung Anfang Dezember mehrere Varianten bezüglich des weiteren Vorgehens im Streit um die Kirchenglocken. Die Kosten betragen zwischen 12'000 und 134'000 Franken.

Rahel Haag
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Die Glocken im Turm der Evangelischen Stadtkirche läuten nach wie vor jede Viertelstunde – auch nachts. (Bild: Reto Martin (21. Juni 2018))

Die Glocken im Turm der Evangelischen Stadtkirche läuten nach wie vor jede Viertelstunde – auch nachts. (Bild: Reto Martin (21. Juni 2018))

«Stille Nacht», heisst es in einem Weihnachtslied und «Schlaf in himmlischer Ruh». Davon können einige Anwohner der evangelischen Stadtkirche Kreuzlingen nur träumen. Sie stören sich am nächtlichen Glockenschlag. Gut zwei Jahre dauert der Streit bereits.

Anfang Oktober hat der Stadtrat beschlossen, dass die Glocken zwischen 22 und 7 Uhr nur noch zur vollen Stunde läuten dürfen. Zuvor war mittels eines Lärmgutachtens festgestellt worden, dass das Geläut zu laut ist. Die Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde lässt nun an der Kirchgemeindeversammlung Anfang Dezember seine Stimmbürger über das weitere Vorgehen in dieser Sache abstimmen.

Hat die letzte Viertelstunde bald geschlagen?

«Uns ist es wichtig, bei den Kirchbürgern die Stimmung abzuholen», sagt Thomas Leuch, Präsident der Kirchgemeinde. Für die einen sei der nächtliche Glockenschlag störend, für andere bedeute er Heimat. Beide Seiten hätten ein Stück weit recht.

Thomas Leuch, Präsident Kirchgemeinde. (Bild: Rahel Haag)

Thomas Leuch, Präsident Kirchgemeinde. (Bild: Rahel Haag)

«Umso schwieriger ist es, eine Lösung zu finden.»

Zur Auswahl stehen gemäss Botschaft grundsätzlich zwei Varianten: Aufhebung der Viertelstundenschläge von 22 bis 7 Uhr und Festhalten am Stundenschlag oder Aufhebung der Viertelstunden- sowie Stundenschläge im selben Zeitraum.

Eine dritte Variante geht noch weiter. Sie sieht vor, dass zusätzlich zur gewählten Variante die Klöppel umgebaut werden, um damit das Klangbild und die Lautstärke der Glocken zu verändern. Dieses wird von den Gegnern als metallisch und aggressiv wahrgenommen.

Die ersten beiden Varianten würden je 12'000 Franken kosten, würden zusätzlich die Klöppel der Glocken ersetzt, beliefen sich die Kosten auf 134'000 Franken.

«Wir haben das ältestes Läutwerk in der Stadt»

sagt Leuch. Während die Katholiken lediglich einen Schalter umlegen mussten, um das Geläut zu verändern, sei im Fall der evangelischen Stadtkirche ein mechanischer Eingriff nötig. Zudem stehe das Geläut unter Denkmalschutz.

Mit leerem Portemonnaie Rechnungen bezahlen

Nebst dem nächtlichen Glockenschlag steht auch das Budget 2020 auf der Traktandenliste. Es schliesst bei einem Aufwand von rund 2,58 Millionen Franken mit einem Defizit von gut 129'000 Franken. Unter anderem müssen in zwei Liegenschaften die Heizungen ersetzt werden. Um künftige Erneuerungs- und Sanierungskosten decken zu können, will die Kirchgemeinde einen Erneuerungsfonds eröffnen.

«Mit einem leeren Portemonnaie ist es schwierig, Rechnungen zu bezahlen»

sagt Leuch. Zudem wird beantragt, den Steuerfuss um zwei Prozentpunkte auf 16 Prozent zu erhöhen.

Die Kirchbürger werden zudem über einen Nachtragskredit von gut 70'000 Franken befinden müssen. Hierbei handelt es sich um Mehrkosten, die bei der Planung für den Umbau des Kirchgemeindehauses angefallen sind. Das Projekt für 8,5 Millionen Franken war im Mai abgelehnt worden.

In der Botschaft heisst es, dass das Architekturbüro Lauener&Bär auf einen Teil des Honorars verzichtet. Zur konkreten Summe, will Leuch nichts sagen. Nur so viel:

«Es handelt sich um einen gut schweizerischen Kompromiss.»

Hinweis: Die Kirchgemeindeversammlung findet am Dienstag, 3. Dezember um 19.30 Uhr im Kirchgemeindehaus statt.