Leichtathletik
Zurück in ein neues altes Umfeld: Brahian Peña trainiert wieder unter Werner Dietrich

Hürdensprinter Brahian Peña nimmt am Samstag in Magglingen Anlauf auf die Limite für die Hallen-EM vom März. Beim Meeting vom vergangenen Wochenende in St. Gallen hat er eine wichtige Erkenntnis gewonnen.

Jörg Greb
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Brahian Peña startet seit 2017 für die GG Bern.

Brahian Peña startet seit 2017 für die GG Bern.

Ulf Schiller/Beautiful Sports/Imago (St. Gallen 24. Januar 2021)

Mässig war der Saisonauftakt am vergangenen Sonntag in St.Gallen ausgefallen. Brahian Peña lief die 60-m-Hürden in 8,13 (Vorlauf) und 7,97 Sekunden (Final). Hinter Zehnkämpfer Simon Ehammer (7,84) resultierte so Rang zwei. Doch Peña sieht darin kein Problem. «Simon ist ein Tophürdensprinter, und mir ging es um eine Standortbestimmung und darum, zu schauen, ob alles hält.» Der Körper spielte mit. Und für den 26-jährigen Sulgener steht fest: «Jetzt kann es in grossen Schritten vorwärtsgehen.» Bereits am Samstag will er in Magglingen die Limite für die Hallen-Europameisterschaften vom ersten März-Wochenende in Polen angreifen – und somit Planungssicherheit erhalten. 7,88 Sekunden sind im Minimum gefordert. Die EM 2021 wäre Peñas fünfte internationale Meisterschaft auf Elitestufe.

Mit Nick Rüegg einen Sparringpartner gefunden

So selbstsicher und bestimmt sich der filigrane Techniker gibt, so verletzlich ist er: Peña ist ein einfühlsamer, feiner Mensch. Werner Dietrich, die Thurgauer Trainerlegende, die Peña neu wieder fördert, sagt: «Brahian wollte zu viel.» Die aufgrund von Corona wieder aufgelebte Zusammenarbeit passt dennoch. In Dietrichs kleiner Gruppe fühlt sich Peña gut aufgehoben. Und der Trainer betont: «Brahian tut der Ambiance gut.» Er kennt die Disziplin und sorgt für Inputs von Athletenseite. «Er sieht Details, korrigiert und hilft so den anderen», sagt Dietrich.

Der Körper spielte mit: Brahian Peña (ganz vorne) nutzte das Hallenmeeting vom vergangenen Wochenende in St. Gallen als Standortbestimmung.

Der Körper spielte mit: Brahian Peña (ganz vorne) nutzte das Hallenmeeting vom vergangenen Wochenende in St. Gallen als Standortbestimmung.

Ulf Schiller/Beautiful Sports/Imago (St. Gallen 24. Januar 2021)

Peñas Offenheit und Hilfsbereitschaft sind wertvolle Elemente für den Trainingsbetrieb. Vor allem der 19-jährige Hürdensprinter Nick Rüegg (U18-EM-Dritter) profitiert. «Beide Athleten kommen weiter», sagt Dietrich. Und Peña betont: «Nick hat grosse Fortschritte erzielt, wir können uns jetzt richtig pushen.» Rüegg lief beim Auftaktmeeting bei seinem Début über die hohen Hürden in 8,02 Sekunden über die Ziellinie – nur fünf Hundertstel nach Peña.

Derzeit beschränkt sich die Zusammenarbeit im Thurgau allerdings aufs Wochenende. Zu tun hat dies damit, dass Peña derzeit als Sportsoldat seinen Wiederholungskurs in Magglingen absolviert. Das hat vor allem Vorteile. Die Anlagen sind offen und benutzbar. Und mit dem früheren Schweizer Hürdensprint-Rekordhalter Raphael Monachon steht ihm auch ein kompetenter Trainer vor Ort zur Verfügung. Die Pläne schreibt aber Dietrich.

Schwieriges Profileben

Herausgefordert ist Peña nicht nur sportlich. Seine Situation als Berufssportler (mit daneben laufender Ausbildung zum Finanzberater) hat sich in der Pandemie verkompliziert. «Wie verdiene ich meinen Lebensunterhalt?», fragt er sich. Sein Leben hat sich grundlegend verändert. Sich Trainingsgruppen im Ausland anzuschliessen, ist nicht möglich. Das Wettkampfangebot ist ausgedünnt. Startgagen und Preisgelder sind selten geworden. Das belastet, zumal die ganze Familie davon betroffen ist. Für den Thurgauer gilt es, «den Kopf frei zu halten und positiv zu denken». Das Militär sorgt dabei für eine Entlastung.

Trotzdem bleiben Peña und Trainer Dietrich zuversichtlich. «7,88 Sekunden – das muss und wird Brahian laufen», sagt Dietrich. Er hatte ihn einst entdeckt, auf internationales Level geführt und dann ziehen lassen. Jetzt ist er zurück.