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Lea Zimmermann erhielt für ihre Maturaarbeit über die Arboner Firma Saurer AG die Bestnote.

In ihrer Abschlussarbeit untersucht Lea Zimmermann, wie der Zweite Weltkrieg die Firma Saurer und die Arboner Bevölkerung geprägt hat. Sie schreibt sowohl über Nationalsozialisten in der Stadt als auch über die Höhen und Tiefen des Betriebes.
Natascha Arsic
Lea Zimmermann vor einem der früheren Saurer-Werk-Gebäude. (Bild: Reto Martin)

Lea Zimmermann vor einem der früheren Saurer-Werk-Gebäude. (Bild: Reto Martin)

Wie wirkte sich der Zweite Weltkrieg auf die Arboner Bevölkerung und die Firma Saurer AG aus? Mit dieser Frage beschäftigte sich Lea Zimmermann in ihrer 49-seitigen Maturaarbeit, die mit der Bestnote ausgezeichnet wurde.

Zuerst wollte die Schülerin der pädagogischen Maturitätsschule Kreuzlingen etwas im Bereich der Biologie machen, konnte sich jedoch für kein Thema entscheiden. Deshalb schlug ihr Vater vor, über ihre Heimatstadt Arbon zu schreiben. Sofort kam der 19-Jährigen die Firma Saurer in den Sinn.

«Diese war sozusagen jahrhundertelang ein Wahrzeichen der Stadt.»

Kombiniert mit ihrem Interesse für Geschichte und den Zweiten Weltkrieg kam ihr die Idee für ihre Arbeit mit dem Namen «Saurer – eine Firma in der Grenzstadt Arbon zur Zeit des 2. Weltkrieges».

Nationalsozialisten sorgten für Unruhe

«Ein prägendes Ereignis war der sogenannte Arboner Radau», sagt Zimmermann. Sie fand heraus, dass Nationalsozialisten 1938 in der Stadt Versammlungen abhielten. Dagegen protestierten zahlreiche Arbeiter der Firma sowie Bürger vor dem damaligen Gasthaus Post auf dem Kronenplatz. Der Eingang zum Saurer Werk 1 befand sich gleich daneben.

Aufgrund von Auseinandersetzungen löste die Polizei die Demonstration auf. Das Ereignis sorgte für ein breites Medienecho. Die Berliner Börsenzeitung verlangte, dass die Schweizer Regierung den Fall untersucht. Letztlich wurden 12 Arboner wegen geringer Hausfriedensstörung zu Geldbussen verurteilt. Andere Anschuldigungen wie Sachbeschädigung oder Ungehorsam wurden fallen gelassen. Gegen das Urteil protestierten die Mitarbeiter wieder. Zimmermann sagt:

«An den Geldstrafen änderte dies nichts, jedoch am Zusammenhalt der Arboner.»

Sie sammelten nämlich alle Geld, um die Busse zu bezahlen. Viele der damaligen Saurer-Mitarbeiter kamen aus dem Ausland, vor allem aus Italien und Deutschland. Darunter befanden sich auch Nationalsozialisten und Faschisten, die innerhalb der Firma für Unruhe sorgten. Es gingen Gerüchte um, dass sie heimlich Kopien von Plänen für Flugzeuge oder Maschinenteile machten.

Ausserdem wurden deutsche Mitarbeiter während des Radaus gesichtet und so als Sympathisanten der Nationalsozialisten identifiziert. «Es herrschte ständige Angst, dass wichtige Firmeninformationen nach aussen gelangen.»

Geschäfte mit beiden Seiten

Für die Bewohner der Stadt bedeutete der Krieg grosses Leid, Rohstoff- und Nahrungsmittelknappheit. Die Saurer AG profitierte hingegen und steigerte ihren Umsatz zwischen 1936 und 1942 stetig. Sie belieferte nicht nur die Schweizer Armee mit Fahrzeugen, Flugzeugmotoren, Gewehr- und Munitionsteilen, sondern auch das Ausland – sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte.

In den Jahren 1943 und 1944 stellte sich eine Stagnation ein. Das lag womöglich daran, dass auch ein Teil der Belegschaft an die Front mussten. 1944 fehlten rund 20 Prozent der insgesamt 2841 Beschäftigten. Nach dem Ende des Krieges brach der Markt aufgrund der fehlenden Nachfrage zusammen.

Der Betrieb fing an, einzelne Teile wie die Motorenforschung oder Produktionsbereiche zu verkaufen. Heute existiert die Saurer AG in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr. Lediglich ein Teil der Firma in chinesischem Besitz produziert noch Textilmaschinen in Arbon.

«Arbon und Saurer kann man nicht trennen»

Viele Informationen hat Zimmermann aus Archiven oder alten Büchern, nur wenige aus dem Internet. «Ich durfte die Mini-Bibliothek von Ruedi Baer, Präsident des Oldtimer Club Saurer, durchstöbern.» Dort fand sie unter anderem ein Buch, das Adolf Saurer zu seinem 70. Geburtstag geschenkt bekam. Mithilfe dieses Firmenalbums rekonstruierte sie die Geschichte der Saurer AG.

Um die originalen Zeitungsartikel aus der Kriegszeit zu lesen, ging Zimmermann ins Archiv des Historischen Museums Arbon. Der Vizepräsident des Historischen Museums Albert Kehl unterstütze sie bei den Recherchen. Faszinierend am berühmten Unternehmen findet die 19-Jährige, dass Saurer lange Zeit einen Weg gefunden hat, sich weiterzuentwickeln.

«Im Falle einer Krise legte die Firma ihre Schwerpunkte neu aus.»

Abschliessend zieht Zimmermann folgendes Fazit: Arbon und Saurer könne man nicht voneinander trennen. Es gäbe kein Arbon ohne Saurer und vice versa.

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