Der Verein Bibliothek und Ludothek Amriswil feiert seinen 40. Geburtstag mit Lara Stoll

Die Thurgauer Slam-Poetin verhilft der gut besuchten Jubiläumsfeier im Amriswiler Kulturforum mit ihrem Soloprogramm zu einem Höhepunkt der besonderen Art.

Sheila Eggmann
Drucken
Teilen
Lara Stoll bei ihrem Auftritt im Amriswiler Kulturforum.

Lara Stoll bei ihrem Auftritt im Amriswiler Kulturforum.

Bild: Reto Martin (Amriswil, 23. Oktober 2020)

Da steht sie auf der Bühne, ein mit Wasser gefülltes Blasinstrument in den Händen haltend, und vertont ihre Magen-Darm-Grippe. Slam-Poetin Lara Stoll gratuliert der Bibliothek und Ludothek Amriswil auf ihre eigene Art zum 40-jährigen Bestehen. Am Freitag, 23. Oktober, zeigte sie im Kulturforum ihr Soloprogramm «Gipfel der Freude».

Gekommen sind rund 80 Besucher. Als Ehrengast bringt Lara Stoll einen Buttergipfel mit. Er liegt neben Wodka und Kerze als Requisit auf dem Tisch und wird am Ende des Abends zeremoniell in das Publikum geworfen. Selbstverständlich, nachdem er desinfiziert wurde. «Für mich ist es der Gipfel, dass dieser Anlass überhaupt stattfinden kann», sagt die 33-Jährige Exil-Thurgauerin.

Stoll schwärmt für Daniel Koch

In den folgenden anderthalb Stunden beichtet Stoll ihre Verliebtheit in Daniel Koch. Sie nervt sich über die Unart, dass man Grümpelkammern irgendwann in «Reduits» umgetauft hat. Und sie zerstückelt in ihrer Fantasie eine Pizza, die trotz Bestellung nie bei ihr ankam.

Nebst Magen-Darm-Grippe, Pizza und Einsamkeit thematisiert Stoll auch Corona, «aber nur es bitzeli». Hinsichtlich der momentanen Situation habe sie ihren Sauerteigklumpen wieder ausgebuddelt und reanimiert und ihre Blockflöte erneut vom Estrich geholt. Mit dem Satz «Gesund sein ist auch nur die langsamste Art zu sterben», holt sie sich besonders viele Lacher vom Publikum.

Schöne Geste des Kulturforums

Renzo Tollardo, Präsident der Bibliothek und Ludothek, zeigt sich nach dem Jubiläumsanlass sehr zufrieden. «Der Abend mit Lara Stoll war ein Geschenk an uns selbst.» Er habe viele gute Rückmeldungen erhalten. Der Verein Kulturforum habe ihnen ein Geschenk gemacht und die Räumlichkeiten gratis zur Verfügung gestellt.

Seit dem Jahr 2000 ist die Bibliothek im Gebäude neben dem Kulturforum an der Bahnhofstrasse 22. Sechs Jahre später kam die Ludothek dazu. Heute bietet der Verein rund 19 700 Medien zum Ausleihen an und zählt 1300 Mitglieder.

Vor allem im digitalen Bereich erhält der Verein grossen Zuwachs. «Doch es gibt immer noch sehr viele Leute, die gerne ein Buch in den Händen halten», sagt Renzo Tollardo.