Langrickenbacher sind sauer: Polizeiposten zügelt nach Altnau

Die Landgemeinde zieht gegenüber der Zentrumsgemeinde einmal mehr den Kürzeren. Nun braucht es für das ganze Obergeschoss des Verwaltungsgebäudes neue Mieter.

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Die Gemeindeverwaltung in Langrickenbach. Auch die Kantonspolizei ist hier untergebracht. (Bild: Reto Martin)

Die Gemeindeverwaltung in Langrickenbach. Auch die Kantonspolizei ist hier untergebracht. (Bild: Reto Martin)

Der Kanton kehrt Langrickenbach den Rücken. Letzte Woche wurde bekannt, dass der Posten der Kantonspolizei wie geplant mit der Fertigstellung des Neubaus der Raiffeisenbank wieder nach Altnau verlegt wird. Das Grundbuch- und Betreibungsamt ist bereits im Sommer 2016 wegen der kantonalen Reorganisation aus dem Verwaltungsgebäude ausgezogen. Weil der Mietvertrag aber erst im April 2019 endet und der Polizeiposten Altnau für die Bauzeit eine Übergangslösung benötigte, wich man auf die freien Räume in der Nachbargemeinde aus. Diese machte sich offensichtlich Hoffnungen, die Polizei auch längerfristig im Haus halten zu können. «Wir haben aktiv das Gespräch mit den Vertretern des Kantons gesucht», sagt Gemeindepräsidentin Fabienne Schnyder. «Wir sahen das Potenzial, in unserem Gebäude einen grösseren Posten zu realisieren.»

Mieteinnahmen für Private statt öffentliche Hand

Gefruchtet haben die Bemühungen allerdings nicht. «Trotz zahlreicher Argumente und Vorteile, die für Langrickenbach sprechen, hat die Führung der Kantonspolizei nun entschieden, den Polizeiposten wieder zurück nach Altnau zu bringen», schreibt der Gemeinderat in seiner Stellungnahme zum neuen Postennetz. Gemeindepräsidentin Fabienne Schnyder sagt dazu:

«Das tut weh. Einmal mehr nimmt man uns etwas weg.»

Wäre die Polizei in Langrickenbach geblieben, dann wären Steuergelder im öffentlichen Kreislauf geblieben. Mit dem Umzug nach Altnau zahle der Kanton Miete an eine private Eigentümerschaft. «Wir wissen, dass die Altnauer Lösung um einiges teurer ist, als unser Angebot es war», ärgert sich die SVP-Frau weiter. Bei der Kantonspolizei heisst es, Langrickenbach sei immer als Übergangslösung vorgesehen gewesen. Der Grund: Altnau habe eine Zentrumsfunktion. Es gebe Läden, Gewerbe, Banken und Schulen. Ausserdem würden die vom Posten betreuten Seegemeinden Altnau, Münsterlingen und besonders auch Güttingen einen grossen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. Beim Entscheid für Altnau sei die Effizienzsteigerung im Vordergrund gestanden – und nicht die Kosten, sagt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, auf Anfrage. Vier Polizisten würden in Zukunft in Altnau tätig sein.

Die Langrickenbacher müssen sich nun nach neuen Mietern für das Obergeschoss ihres Gemeindehauses umsehen. «Wir haben schon Ideen für die künftige Nutzung. Es soll etwas nachhaltiges sein und etwas, das zu einer Gemeindeverwaltung passt.» Rund 60000 Franken hat der Kanton für die Bürofläche jährlich bezahlt. Wann genau der Auszug erfolgt, ist noch nicht klar.

Auch das Kemmental ist betroffen

Nebst Langrickenbach ist auch die Gemeinde Kemmental von der Neuorganisation des Postennetztes der Kantonspolizei Thurgau betroffen. Auch dort belegt die Polizei aktuell einen bedeutenden Teil des Verwaltungsgebäudes der Gemeinde. «Wir sind natürlich nicht erfreut darüber, auch wenn ich die Reorganisation nachvollziehen kann. Wir haben vermutet, dass dieser Entscheid so kommt», sagt Gemeindepräsident Walter Marty auf Anfrage. Die Polizei beansprucht heute drei Büros und vier Parkplätze. Wie die Räume zukünftig genutzt werden sollen, sei offen. (meg)

Aktuelle Nachrichten