Langes Warten auf sauberes Wasser: Die Diskussion um die Umlegung der Salmsacher Aach zieht sich hin

Vor sechs Jahren hat die Gemeinde Salmsach eine Studie realisieren lassen die Antwort auf die Frage geben sollte, wie der Fluss sauberer wird. Der Kanton hat aber seitdem keine Zeit gehabt, sich damit zu befassen.

Rosa Schmitz
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Die Aach - hier bei der Salmsacher Bucht - ist oft ziemlich verschmutzt.

Die Aach - hier bei der Salmsacher Bucht - ist oft ziemlich verschmutzt.

Reto Martin

Im Moment ist alles gut. «Die Aach, die in den Bodensee fliesst, ist aktuell in einem erträglichen Zustand», sagt Gemeindepräsident Martin Haas. Das war in den letzten Jahren öfter nicht der Fall. Immer wieder wird das Gewässer auf Verunreinigungen kontrolliert. Zuletzt ist allerdings nichts Alarmierendes festgestellt worden.

«Es ist bereits ein paar Jahre her, dass wir ein grösseres Problem zu berichten hatten.»

Damals waren Tausende Fische wegen ausgelaufener Gülle qualvoll verendet. Und 2019 zeigten Abklärungen des kantonalen Amts für Umwelt, dass Öl in eine defekte Regenwasserleitung gesickert war. In diesem Zusammenhang offenbar Altlasten im Boden einer ehemaligen Giesserei. «Die Leitung wurde nach Auffinden der Ursache abgehängt, was das Problem soweit bekannt beseitigt hat», sagt Rolf Müller, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Romanshorn.

Immer wieder neue Probleme

«Leider treten immer wieder neue Probleme auf», sagt Haas. Zum Beispiel Littering. Fussgänger und Velofahrer würden ihren Müll ins Wasser werfen. PET-Flaschen. Aluminiumdosen. Plastiktüten. Glasflaschen:

«All das landet in der Aach.»

Die Gemeinde versucht, Gegensteuer zu geben, indem sie Mülleimer montiert.

Es gibt aber auch Gewässerverunreinigungen, die niemand sieht. Das Wasserforschungsinstitut Eawag hat 2014 einen Cocktail an Pestiziden in der Aach gefunden. Von rund 300 analytisch nachweisbaren Wirkstoffen wurden Dutzende in dem Fluss nachgewiesen.

Betriebe beteiligen sich an Projekt Aquasan

Gemäss Haas beteiligen sich einige Landwirtschaftsbetriebe entlang der Aach an einem gross angelegten Versuch mit Namen Aquasan. Ziel ist, die Stoffe zu kontrollieren, die in den Pflanzenkulturen ausgebracht werden. Weitere Massnahmen sind offen. Die Gemeinde selber ist auch aktiv geworden. In der Ortsplanrevision, über die dieses Jahr abgestimmt wird, würden die Gewässerräume gemäss den Vorgaben des Kantons festgelegt.

Zum Schutz des Grund- und Trinkwassers besteht in der Schweiz zudem seit 2001 ein generelles Anwendungsverbot für Herbizide bei Strassen, Wegen und Pflanzen. «Die Gemeinde hält sich daran und hofft, dass dies auch die Bewohner tun», sagt Haas.

Schlechte Wasserqualität im Mündungsgebiet

Vor sechs Jahren hat die Gemeinde eine Studie realisieren lassen, die Antwort auf die Frage geben sollte, wie der Fluss sauberer wird. Hintergrund ist die schlechte Wasserqualität im Sommer im Mündungsgebiet, was regelmässig zur Folge hat, dass die Salmsacher im Sommer nicht gefahrlos zum Baden ins Wasser in der Bucht steigen können.

Ergebnis der Abklärungen: Es wäre vielleicht gut, den Fluss durch das Naturschutzgebiet auf Romanshorner Seite zu führen, um so die Selbstreinigungskräfte des Gewässers zu verbessern. «Damit wollten wir vor allem zum Nachdenken anregen», sagt Haas. «Das ist uns gelungen.» Auf Basis der Studie, die der Stadt Romanshorn und dem Amt für Umwelt vorgestellt wurde, hätten Gespräche stattgefunden. «Eine Projektleitung liegt beim Kanton – von dort werden die nächsten Schritte vorgegeben.»

Tim Wepf, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie, sagt:

«Bis anhin wurde aufgrund fehlender personeller Ressourcen das Projekt nicht weiterverfolgt.»
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