Langer Atem zahlt sich aus: Romanshorn kann nach viereinhalb Jahren Verhandlung strategisch wichtige Parzelle kaufen

Die Stadt erwirbt ein Grundstück auf dem Campus-Gelände für den Bau einer Mehrzweckhalle oder eines neuen Feuerwehrdepots. Teil des Preises ist ein Landabtausch.

Markus Schoch
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Stadtpräsident David H. Bon hatte viereinhalb Jahre und bis fast zur letzten Minute verhandelt, bevor er am vergangenen Freitag das Büro räumte. Der lange Atem machte sich bezahlt. Am Mittwoch letzter Woche konnte Bon die Unterschrift unter den Kaufvertrag für die Parzelle 824 setzen, nachdem er in den Tagen zuvor noch die letzten Details geklärt hatte.

Das Land ist von grosser strategischer Bedeutung für die Stadt, beziehungsweise die Schulen. Es befindet sich bestens erschlossen an der Kreuzlingerstrasse im Westen des Bildungs- und Bewegungscampus und ist seit langem im Gespräch als möglicher Standort einer Mehrzweckhalle beziehungsweise eines multifunktionalen Saals. Im behördenverbindlichen Richtplan ist das erweiterte Schulgelände sogar ausdrücklich als Bauplatz vorgesehen.

Stadt verschaffte sich mit Planungszone Luft

Damit ihm niemand mit eigenen Projekten in die Quere kommt, erliess der Stadtrat im Frühling des letzten Jahres eine sogenannte Planungszone über praktisch die ganze Freifläche zwischen Kanti-Sportplatz und Kreuzlingerstrasse. So verschaffte sich die Behörde zwei Jahre lang Luft. Es gab zwar eine Beschwerde, die der Stadtrat aber abwies.

Seit letztem Dezember beschäftigt sich jetzt eine Kommission unter Führung der Primarschule intensiv mit dem Projekt einer Mehrzweckhalle, sagt Stadtschreiberin Bettina Beck. Die Parzelle 824 eröffnet aber auch der Feuerwehr neue Perspektiven.

Das Feuerwehrdepot befindet sich im bestehenden Mehrzweckgebäude der Stadt, das sanierungsbedürftig ist. Eine im letzten Herbst eingesetzte Spezialkommission prüft derzeit verschiedene Möglichkeiten – eine davon ist offenbar auch der Bau eines neuen Feuerwehrdepots an einem anderen Ort. Denkbar wäre die Parzelle 824, lässt die Stadt in einer Mitteilung durchblicken. «Es bestehen noch keine konkreten Varianten, aber auch hier muss in verschiedenen Optionen gedacht und diese überprüft werden», sagt Beck.

Stadt gibt eigenes Land ab

Für 5,5 Millionen Franken kauft die Stadt die Parzelle 824. Sie überweist den Vorbesitzern aber tatsächlich nur 2,981 Millionen Franken. Den Rest der Schuld begleicht sie mit Land, das sie als Gegenwert einbringt. Es geht zum einen um die 2914 Quadratmeter grosse Parzelle 1661 am Rande der Industriezone im Gebiet Hotterdingen, über das der Stadtrat vor zwei Jahren im Rahmen der Ortsplanungsrevision in Teilen ebenfalls eine Planungszone erlassen hatte, sodass dort die bauliche Entwicklung blockiert war.

Als eine seiner letzten Amtshandlungen bracht Stadtpräsident David H. Bon den Landhandel über die Bühne. (Bild: Donato Caspari).

Als eine seiner letzten Amtshandlungen bracht Stadtpräsident David H. Bon den Landhandel über die Bühne. (Bild: Donato Caspari).

Zum anderen tritt die Stadt 1458 Quadratmeter der Parzelle 824 an den Eigentümer der Nachbarparzelle 827 ab, der zu einem Viertel auch Miteigentümer der ursprünglich 12135 Quadratmeter grossen Parzelle 824 war.  Bon ist zufrieden mit der Lösung.

«Wir sind nach intensiven Verhandlungen dankbar, dass wir das Geschäft nun zu für alle Seiten fairen Bedingungen abschliessen konnten.»   

Ursprünglich war im Rahmen der laufenden Zonenplanrevision vorgesehen, die Parzelle 824 der Zone für öffentliche Nutzungen zuzuschlagen.

Land wird noch nicht umgezont

Der Stadtrat hat sich jetzt aber für ein anderes Vorgehen entschieden. «Aufgrund des nun zu Marktpreisen abgeschlossenen Handels wird die Parzelle 824 vorläufig in der bisherigen Zonierung (WG3/W3) belassen und eine Anpassung erst mit einem zukünftigen Projekt erfolgen», heisst es in der Mitteilung. Es bestehe zudem ein limitiertes Vorkaufsrecht für die Vorbesitzer für die Dauer von sechs Jahren.