Landwirtschaft
Gemeinsam sind sie stärker: Wie zwei Landwirte sich gegenseitig das Leben einfacher machen

Ein Bauer aus Illhart baut bei einem Bauern in Salmsach dieses Jahr das erste Mal Süsskartoffeln an. Die beiden Biobetriebe arbeiten eng zusammen. Gemeinsam ist ihnen die Lust, Neues auszuprobieren.

Trudi Krieg
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Pflanzung von Süsskartoffeln.

Pflanzung von Süsskartoffeln.

Bild: Trudi Krieg

Hans Müller bewirtschaftet mit seinem Sohn Andreas in Salmsach den letzten Bauernhof im Dorf, auf dem noch Rindvieh gehalten wird. Mutterkühe sind es, die mit ihren Kälbchen auf der Wiese hinter dem Stall Auslauf haben. Ein zweites Standbein ist der Hochstammobstbau.

Peter Aschmann aus Illhart hat seinen Betrieb ganz auf Acker- und Gemüsebau ausgerichtet. Das Land bewirtschaftet er mit Familienangehörigen, Mitarbeitern und Saisoniers. Um den Boden nicht einseitig zu nutzen, muss Aschmann im Ackerbau nicht nur die Kulturen wechseln, sondern auch sporadisch Wiese ansäen. Und hier kommt Müller aus Salmsach ins Spiel. Er erntet dieses Gras als Futter für seine Tiere. Die Gülle und der Mist, den die Tiere produzieren, nutzt Aschmann als Dünger bei sich auf dem Hof.

Doch die Zusammenarbeit der beiden Landwirte geht darüber hinaus. Aschmann nutzt auch Land von Müller. Er baut in Salmsach Gemüse an. So werden die Felder dort intensiv gehackt und gejätet. Dadurch werden gewisse Unkräuter dezimiert, welche beim extensiven Bioackerbau gerne weiterspriessen. «Dies ist ein weiterer positiver Effekt dieser Zusammenarbeit», erklärt Peter Aschmann.

Spezialisierung und Austausch

Die Reduktion auf wenige Spezialzweige in einem Landwirtschaftsbetrieb habe den Vorteil, dass der Einzelne sich ganz auf sein Gebiet konzentriere und sich mit Know-how und Maschinen dafür ausrüste, sagt Hans Müller. Nicht jeder muss sich mit Hackmaschinen oder Maschinen für die Futterernte ausrüsten. Man hilft sich auch gegenseitig, wenn Not am Mann ist.

Auf der Suche nach neuen Produkten kam Aschmann vor vier Jahren auf die Süsskartoffel, die er heuer erstmals auch in Salmsach kultiviert. Er sieht darin ein neues Produkt mit mehr Potenzial. Er sagt:

Peter Aschmann.

Peter Aschmann.

Bild: PD
«Bei den Kartoffeln ist der Markt gesättigt, und die Preise lassen eine geringe Marge zu.»

In der eigenen Betriebswerkstätte konstruierte er eine Maschine für den Anbau. Die Pflanzung nach den Eisheiligen erfolgte etappenweise, sodass auch Ernte und Verkauf im Oktober gestaffelt erfolgen können. Die Vermarktung sei aber noch etwas unsicher. Es gebe inzwischen so viele Labels. Auch werden viele Süsskartoffeln importiert, da kein Grenzschutz auf diesem Produkt ist: «Wir Bioproduzenten können nicht darauf zählen, dass ein Abnehmer auf uns zukommt. Wir müssen selber ein interessantes Produkt anbieten können.»

Süsskartoffeln

Trendgemüse

Süsskartoffeln stammen ursprünglich aus subtropischen Gebieten und wurden bei uns erst in den letzten Jahren bekannter. Sie sind mit Kartoffeln nur entfernt verwandt. Kartoffeln sind Nachtschattengewächse, Süsskartoffeln gehören zu den Windenartigen. Im oberirdischen Teil entwickelt die Pflanze lange Blatttriebe. Die Süsskartoffeln bilden sich im Lauf mehrerer Wochen durch Verdickungen unterirdischer Speicherwurzeln. Für den Anbau in Salmsach wurden die Spross-Stecklinge aus Südspanien von einem Familienbetrieb bezogen, der sich auf die Vermehrung von Süsskartoffeln spezialisiert hat. Die Pflanzen sind robust und kaum krankheitsanfällig. In der Ernährung liegen Süsskartoffeln im Trend. Man kann vom Babybrei über Grillgemüse, Pommes, Stock, Suppen, Eintopf bis zu Salat damit zubereiten. Süsskartoffeln enthalten viele Mineralstoffe und Vitamine und annähernd so viel die Sehkraft stärkendes Beta Carotin wie Karotten. (tk)

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