Kunstwerk für die ewige Ruhe auf dem Friedhof in Romanshorn

Die evangelische Kirchgemeinde hat den Auftrag für ein aussergewöhnliches Gemeinschaftsgrab erteilt.

Markus Schoch
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So sieht das Gemeinschaftsgrab im Modell aus.

So sieht das Gemeinschaftsgrab im Modell aus.

Bild: Markus Schoch (Romanshorn, 18.6.2020)

Dieses Schiff nimmt die Menschen mit auf ihre letzte Reise. Auf dem Friedhof lässt die evangelische Kirchgemeinde ein Gemeinschaftsgrab der besonderen Art errichten. Es steht alleine da, ist auf Dauer angelegt und die beiden feuerverzinkten Stahlplatten mit einer Länge von je fünf Metern erinnern an die Silhouette eines Bootes, das auf dem Styx fährt - der Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten.

Nicht nur optisch habe das Projekt von Jan Kaeser aus St. Gallen die Jury am meisten überzeugt, die im Rahmen eines kleinen Wettbewerbs von drei Künstlern Vorschläge ausarbeiten liess, sagt Kirchenvorsteher Martin Nafzger. Auch das Konzept sei bestechend. In die Stahlplatten sind 308 Löcher gestanzt, die nach und nach mit Tafeln gefüllt werden, die 20 Jahre dort bleiben. Dabei handelt es sich um blaue Antikgläser mit weisser Musterung, die an Lichtflecken auf dem Wasser oder Wolken am Himmel erinnern soll.

Das neue Grab kostet 45'000 Franken

Solche Gläser werden in die Löcher der Stahlplatten eingesetzt.

Solche Gläser werden in die Löcher der Stahlplatten eingesetzt.

Bild: Markus Schoch (Romanshorn, 18.6.2020)

Auf diesen gläsernen Tafeln wird der Name des Verstorbenen sowie Geburts- und Todesjahr eingraviert. Es ist auch denkbar, dass blanke Tafeln eingesetzt werden, wenn jemand das wünscht. Beigesetzt werden die Urnen in der Wiese neben dem Gemeinschaftsgrab. Für Abdankungen vor Ort lässt die Kirchgemeinde einen Platz kiesen. Blumen oder Kerzen können Angehörige auf Platten stellen.

In der Ausschreibung hat die Kirchgemeinde ein Kostendach von 45'000 Franken für das Projekt festgelegt. Dazu kommen die Gärtnerarbeiten. Am 22. November, dem Ewigkeitssonntag, will die Kirchgemeinde das neue Gemeinschaftsgrab einweihen. Im neuen Jahr Soll soll es dann seiner Bestimmung übergeben werden. Der Bedarf ist gross. Mittlerweile würde die Hälfte der Verstorbenen ihre letzte Ruhe in einem Gemeinschaftsgrab finden, sagt Nafzger.

Besprechen die Situation vor Ort: Jan Kaeser, Martin Klauser und Martin Nafzger.

Besprechen die Situation vor Ort: Jan Kaeser, Martin Klauser und Martin Nafzger.

Bild: PD
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