Kundenpflege statt Kontrolle

Die Oberthurgauer Pferdeversicherung feiert dieses Jahr ihr 150-Jahr-Jubiläum. Anlässlich dazu lud die Genossenschaft ihre Mitglieder zu einem Abendessen mit Rahmenprogramm ins Pentorama.

Daniela Ebinger
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Präsident Max Akermann feiert mit Willi Stacher. (Bild: Daniela Ebinger)

Präsident Max Akermann feiert mit Willi Stacher. (Bild: Daniela Ebinger)

Was einst vor 150 Jahren aus dem Bedürfnis bäuerlicher Kreise für ihre Kühe und Pferde entstand, wird heute hauptsächlich von privaten Pferdebesitzern in Anspruch genommen. Die Genossenschaft Oberthurgauer Pferdeversicherung (OTGPV) feierte im Pentorama mit ihren Mitgliedern das grosse Jubiläum mit einem Nachtessen und buntem Rahmenprogramm. Das Duo Die Muntermacher mit ihren Liedern und Zauberer Robert Ganahl mit seinen Tricks sorgten bereits beim Apéro für Unterhaltung – wobei sich die jungen bis älteren Mitglieder untereinander gut zu unterhalten wussten.

Willi Stacher ist eines der älteren Mitglieder der Genossenschaft. «In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges geändert», sagt der 79-Jährige und erzählt, wie dazumal noch viele Arbeiten mit dem Pferd ausgeführt wurden. Er war 28 Jahre im Vorstand tätig und weiss, dass nebst den Landwirten viele «Eidgenossen» bei der OTGPV versichert waren.

Drei Jubiläen miterlebt

«Die Abschaffung der Schweizer Kavallerie hat in der Genossenschaft ein Tief verursacht», sagt Stacher. Doch blickt der Mann aus Neukirch gerne in die Zeit vor 1972 zurück. «Da waren an den Concours noch viele Dragoner mit dabei und es ging militärisch zu und her», sagt der Pferdebesitzer und schwärmt vom kameradschaftlichen Zusammenhalt. «Wir haben nach den sportlichen Einsätzen noch Stunden in gemütlicher Runde miteinander verbracht und es war nicht wie heute alles nur auf Leistung ausgerichtet.»

Willi Stacher erlebte bereits das 100-Jahr- sowie das 125-Jahr-Jubiläum der Genossenschaft. An den alle zwei Jahre stattfindenden Reisen für die Mitglieder hat er bis auf einmal immer teilgenommen. «Das sind interessante Ausflüge und man trifft viele bekannte Gesichter.»

Auch Präsident Max Akermann schwärmt von den Reisen. Ihm bleibt der zweitägige Ausflug mit dem Besuch am CSI Genf mit anschliessendem Abstecher an den Weihnachtsmarkt nach Murten vor drei Jahren in besonderer Erinnerung. Für ihn sei jedoch das diesjährige Jubiläum das Highlight in seiner achtjährigen Amtszeit. «Aber auch die Kontakte mit unseren Mitgliedern, bei denen wir mit unseren Diensten behilflich sein können, sind für mich immer sehr wertvoll», sagt der Mann aus Mörschwil. Wobei er seine Arbeit als Präsident mit der Führung der Genossenschaft zusammen mit dem Vorstand als eher im Hintergrund bezeichne.

250 Mitglieder und 350 versicherte Tiere

Mehr an der Front bei den Mitglieder steht der Schönholzerswiler Walter Müller mit der Funktion der Pferde-Meldestelle. Bei ihm gehen unter anderem Neuanträge sowie Abgänge über den Tisch. «Bei Neuanträgen muss ein gültiges Tierarztzeugnis vorliegen und dann gehen wir im Stall persönlich vorbei», sagt er.

Das Einzugsgebiet der Versicherung umfasst mittlerweile die ganze Region von Wil über Weinfelden, Münsterlingen bis Thal und St. Gallen. Tiere zwischen drei Monaten und 14 Jahren können versichert werden. Doch Müller bezeichnet seine Arbeit mehr als Kundenpflege anstatt Kontrolle. Kontrolle über die Zahlen der OTGPV hat Geschäftsführer Jürg Fatzer aus Neukirch. Bei einer Mitgliederzahl von 250 und 350 versicherten Tieren bearbeitet die Versicherung jährlich im Schnitt 25 bis 30 Fälle. Wobei Fatzer mit den Jahren bei den Meldungen ein Wandel feststellt. Was früher vermehrt oder hauptsächlich Probleme mit Arthrose in den Beinen der Fall war, sei heute zusätzlich die gesamte Wirbelsäule und der Rücken bei den Pferden mitbetroffen. «Man lässt den jungen Pferden heute keine Zeit mehr und die Sporteinsätze sind zu früh zu ehrgeizig», sagt Fatzer.