«Künstler können uns helfen, aus dieser Krise zu kommen»: Die Romanshorner Festrednerin glaubt an die Kraft der Kreativen

Katharina Ammann sprach an der Bundesfeier am Samstag über Kunst. Künstler seien die Seismografen der Gesellschaft. Sie würden aber keine einfachen Antworten liefern.

Markus Schoch
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Festrednerin Katharina Ammann und Stadtpräsident Roger Martin im Gespräch vor der Kirche.

Festrednerin Katharina Ammann und Stadtpräsident Roger Martin im Gespräch vor der Kirche.

(Bild: Reto Martin)

Es gab zwar am Schluss unter freiem Himmel wegen Corona keine Romishörnli wie sonst immer. Trotzdem besuchten 116 Personen die vom Musikverein umrahmte Bundesfeier in der katholischen Kirche. Platz wäre für 300 gewesen. Stadtpräsident Roger Martin sagte:

«Es gebe so vieles in Romanshorn und der ganzen Schweiz, um stolz und dankbar sein zu können. Wir sollten uns daran erinnern, wenn wir uns wieder einmal über eine Kleinigkeit aufregen.»

Denn dass alles funktioniere und dass es den meisten an nichts fehle in dieser Stadt und diesem Land, sei keine Selbstverständlichkeit. «Die Covid-19-Pandemie hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind.» Die Schweiz habe die Krise nicht zuletzt deshalb relativ gut gemeistert, «weil wir die beste Demokratie der Welt haben». Und die Bürger Vertrauen in die Verantwortungsträger hätten.

«Ich bin überzeugt, gemeinsam können wir jedes Problem lösen.»

Doch können wir einander wirklich noch vertrauen? Diese Frage hätten sich in den letzten Wochen und Monaten viele gestellt, sagte Katharina Ammann, die seit diesem Sommer das Aargauer Kunsthaus leitet und in Romanshorn aufgewachsen ist.

Thomas Hirschhorn habe genau zu dieser Frage eine neue Installation geschaffen. «Künstler stellen oft die richtigen Fragen», sagte Ammann. «Sie sind die Seismografen der Gesellschaft.» Sie würden aber keine einfachen Antworten liefern. Künstler könnten aber helfen, aus dieser und anderen Krisen zu kommen.

«Wenn jemand weiss, Unsicherheiten auszuhalten und trotz prekärer Lebensumstände kreative Lösungen zu finden, dann sind es sie.»

Es sei deshalb «nicht verkehrt, jetzt hinzuschauen, welche Themen sie unter welchen Bedingungen aufnehmen».

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