Kündigung
Thomas Imhof erklärt, weshalb er den HC Thurgau als Geschäftsführer verlässt: «Urban Leimbacher ist nicht der Grund»

Thomas Imhof schmeisst beim HC Thurgau den Bettel nach nur einem Jahr in leitender Stellung wieder hin. Die Geschichte lässt falsche Versprechen, Missverständnisse und unterschiedliche Strömungen auf der Teppichetage des Eishockeyklubs vermuten. Nun führt der 33-jährige Geschäftsführer aus, weshalb eine Co-Geschäftsführung mit dem vom EHC Winterthur verpflichteten Urban Leimbacher für ihn so nicht in Frage kam.

Matthias Hafen
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«Einige Leute sind mir gegenüber mit Vorbehalt aufgetreten», sagt Thomas Imhof, Geschäftsführer des HC Thurgau.

«Einige Leute sind mir gegenüber mit Vorbehalt aufgetreten», sagt Thomas Imhof, Geschäftsführer des HC Thurgau.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 20. Mai 2020)

Mit seiner Kündigung hat Thomas Imhof Ende April ein Erdbeben ausgelöst innerhalb des HC Thurgau. Der Eishockeyklub aus Weinfelden hatte eigentlich vorgehabt, mit Imhof und Urban Leimbacher in einer Co-Geschäftsführung in die Saison 2021/22 zu steigen. Nun kommt alles anders. Imhof verlässt den HCT Ende Juli nach nur einem Jahr als leitender Geschäftsführer aus freien Stücken. Leimbacher wird mit seiner Ankunft Anfang Oktober die Leitung alleine übernehmen. In der Übergangszeit hilft Präsident Thomas Müller auf der Geschäftsstelle ad interim aus.

Angenommen wird, dass Imhof den HC Thurgau wegen der Verpflichtung von Leimbacher verlässt. Der bisherige Geschäftsführer präzisiert:

«Mein Entscheid, den HCT zu verlassen, hat nichts mit der Person Urban Leimbacher zu tun.»

Und Imhof fährt fort: «Wir pflegten vorher schon einen freundschaftlichen Umgang, sassen an den Ligaversammlungen oft nebeneinander. Ich als Vertreter des HC Thurgau, er als Vertreter des EHC Winterthur.» Zusammen haben die beiden denn auch die zukünftige Aufgabenteilung ausgearbeitet. Eine, die jetzt teilweise obsolet geworden ist. Und das, weil Imhof spürte, dass er innerhalb des Gesamtverwaltungsrats an Unterstützung verlor.

Eine Einheit auf dem Eis, aber nicht überall

Zwar stimmt es, dass Imhof den Wunsch geäussert hat, dass der HC Thurgau auf operativer Ebene breiter aufgestellt wird, sprich zusätzlich jemanden für die Geschäftsstelle engagiert. Und der Klub hat diesem Wunsch grundsätzlich entsprochen. Dass der HCT mit Leimbacher aber einen zusätzlichen Geschäftsführer holte, der in den internen Organigrammen erst noch über Imhof steht, kann man aus der Optik des bisherigen Geschäftsführers durchaus als Affront verstehen. Thomas Imhof sagt:

«So sehr der HC Thurgau in dieser Saison auf dem Eis eine verschworene Einheit war, so sehr hat mir dieser Zusammenhalt in der Gesamtorganisation gefehlt.»

Ob er damit die Tatsache meint, dass Leimbacher vor allem von neuen Kräften im Verwaltungsrat portiert wird, die Leimbacher auch von Anfang an als neuen, leitenden Geschäftsführer angesehen haben, bleibt offen. Abseits des Eises stünden zu viele Einzelinteressen im Vordergrund, sagt Imhof. «Am Ende des Tages lässt mir das als Geschäftsführer keine gewinnbringende Arbeit zu.»

Seit dem Viertelfinal-Aus gegen Langenthal macht der HC Thurgau vor allem hinter den Kulissen von sich reden.

Seit dem Viertelfinal-Aus gegen Langenthal macht der HC Thurgau vor allem hinter den Kulissen von sich reden.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 28. März 2021)

Er habe seit seinem Beginn im Oktober 2019 gerne für den HC Thurgau gearbeitet. Zuerst als Geschäftsführer der Nachwuchsorganisation Young Lions und als Stellvertreter des damaligen HCT-Geschäftsführers Martin Büsser, nach Büssers Abgang dann als leitender Geschäftsführer des Swiss-League-Klubs. Er verlasse den HC Thurgau überhaupt nicht im Groll und werde auch künftig an den Spielen anzutreffen sein, so Imhof. «Doch im Geschäftsalltag hat zu viel nicht gestimmt, was die menschliche Komponente anbelangt.»

Mit 33 Jahren und ohne eigene Familie hat Imhof das Privileg, in diesem Fall von sich aus einen Schlussstrich unter die Angelegenheit zu ziehen. Eine neue Stelle hat der diplomierte Betriebswirtschafter und Bankfachmann nicht in Aussicht. «Ich würde äusserst gerne im Sport tätig bleiben. Es ist ein sehr lebendiges Umfeld. Wenn es damit nicht klappt, finde ich mich aber auch in einer anderen Branche zurecht», sagt er.

Die Kündigung hat eine Vorgeschichte

Dass er gedenke, den HC Thurgau zu verlassen, hat Imhof dem Verwaltungsrat schon im Januar ein erstes Mal unterbreitet. «Es war vertraglich so festgehalten, dass ich immer auf Ende Januar hätte kündigen können.» Im Januar, mitten während der Saison, schien dem Geschäftsführer der Zeitpunkt dafür allerdings nicht richtig. Imhof sagt:

«Ich wollte auf keinen Fall Unruhe in den Klub bringen. Das Produkt auf dem Eis sollte durch diese Personalie nicht beeinträchtigt werden.»

So kam es zu einer Vertragsanpassung, die ihm auch eine Kündigung Ende April erlaubte. «Ich wollte noch drei Monate schauen, wie sich das Ganze entwickelt», so Imhof. «Am Grundproblem hat sich aus meiner Optik nichts geändert.»

Thomas Imhof legt Wert darauf, die Geschäftsleitung ordentlich übergeben zu können. Allerdings fängt sein designierter Nachfolger Urban Leimbacher erst im Oktober an.

Thomas Imhof legt Wert darauf, die Geschäftsleitung ordentlich übergeben zu können. Allerdings fängt sein designierter Nachfolger Urban Leimbacher erst im Oktober an.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 20. Mai 2020)

Um einen möglichst geregelten Übergang zu ermöglichen, hat sich Imhof dazu bereit erklärt, den HC Thurgau bis auf weiteres in einem kleinen Pensum zu unterstützen – hauptsächlich im Personalwesen. Und sollte Imhof den HCT aufgrund einer neuen Anstellung doch schon bald verlassen, würde mit Verwaltungsrat und Finanzchef Urs Rindlisbacher eine weitere Interimslösung angestrebt. Die Geschäfte des Ostschweizer Swiss-League-Klubs sind trotz turbulenter Zeiten gesichert.

Einer der Letzten der «alten Garde»

Mit Imhof verlässt auf Thurgaus Teppichetage eine weitere Person den Klub, die schon für den oder im ehemaligen Verwaltungsrat tätig waren. Als Letzter verbleibt noch Präsident Thomas Müller, der zuvor Vize von Hansjörg Stahel gewesen war. Dass Imhof immer wieder als einer der «alten Garde» betrachtet worden war, ging nicht spurlos am Geschäftsführer vorbei. «Ich habe gespürt, dass einige mir gegenüber deswegen mit Vorbehalt aufgetreten sind.» Dazu sagt er:

«Ich habe mich stets in den Dienst des HC Thurgau gestellt und mich nicht an Stimmen orientiert, die früher im Klub tätig waren.»

Es helfe niemandem, wenn man immer über die Vergangenheit rede. «Ich wünsche dem HC Thurgau, dass in Zukunft alle Involvierten am gleichen Strick ziehen.»