KRITIK
«Das können wir so nicht im Raum stehen lassen»: Kreuzlinger Stadtrat ärgert sich über Aussagen der Stadthaus- und Rekadorf-Gegner

Ein Zeitungsbericht über die IG Seezelg und zwei Inserate zur Volksinitiative zur Freihaltung der Festwiese veranlassen den Stadtrat zu Richtigstellungen.

Urs Brüschweiler
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Stadtrat Ernst Zülle, Stadtpräsident Thomas Niederberger mit einem ausgedruckten Zeitungsartikel und der städtische Finanzchef Thomas Knupp wollen Aussagen richtig stellen.

Stadtrat Ernst Zülle, Stadtpräsident Thomas Niederberger mit einem ausgedruckten Zeitungsartikel und der städtische Finanzchef Thomas Knupp wollen Aussagen richtig stellen.

(Bild: Kevin Roth)

«Gewisse Aussagen stimmen schlicht und einfach nicht», betont Stadtpräsident Thomas Niederberger. Zusammen mit seinem Vize, Ernst Zülle, hat er am Mittwochnachmittag kurzfristig eine Pressekonferenz anberaumt. Auslöser war die IG Seezelg, welche in dieser Zeitung heftig gegen den Gestaltungsplan Seezelg II beziehungsweise das geplante Rekadorf schoss. Stadtrat Zülle ärgerte besonders, dass dabei von «Wild-West-Methoden» die Rede war.

«Das hat uns doch sehr verwundert. Vor nicht allzu langer Zeit sind wird mit den entsprechenden Personen noch im Gespräch gestanden.»

Und es habe auch öffentliche Informationsveranstaltungen gegeben.

Gestaltungsplan bringt Verbesserungen gegenüber dem Status quo

Am wichtigsten zu betonen für den Stadtrat, ist die Tatsache, dass das Gebiet Seezelg seit Jahrzehnten im Baugebiet, nämlich in der Erholungs- und Freizeitzone, liegt. Ein seit 2002 rechtskräftiger Gestaltungsplan (GP) erlaubt den privaten Eigentümern heute bereits den Bau von grossvolumigen Sport- und Freizeiteinrichtungen. Das Ziel des Stadtrats mit dem neuen GP Seezelg II sei es genau, auf dieses sensible Gebiet Rücksicht zu nehmen. Mit den hier nun genau definierten Gebäudehöhen beim Rekadorf – 14 Meter, 12,5 Meter und 9,5 Meter – liege man deutlich unter den Möglichkeiten, welche eine Regelbauweise zulasse und verbessere sich auch gegenüber dem alten Gestaltungsplan. Der Stadtrat hält fest:

«Die Personen, die die neue Planung verhindern wollen, verkennen, dass mit einem Gestaltungsplan Abweichungen von der Regelbauweise bewusst ermöglicht werden, um eine insgesamt bessere Siedlungsgestaltung zu erzielen.»

Eine Grün-Oase zwischen Ufer und Rekadorf

Bau-Stadtrat Ernst Zülle sagt: «Das Seeufer bleibt auch in Zukunft frei von jeglicher Bebauung.» Der Fussweg am See werde lediglich etwas vom Wasser weg verlegt, damit das Ufer naturnaher gestaltet werden kann, ein Projekt, welches seit langem kommuniziert wurde.

«Mit absoluter Sicherheit wird die Aufenthaltsqualität gegenüber heute deutlich aufgewertet.»

Die Fläche zwischen dem Rekadorf und dem Seeufer werde künftig nicht mehr landwirtschaftlich genutzt, sondern naturnah gestaltet. Und überdies blieben die Wege auch auf privatem Grund öffentlich zugänglich, was keine Selbstverständlichkeit sei.

Fussballplätze: Erst die nächste Generation

Der Stadtrat geht zudem auf die von der IG Seezelg harsch kritisierten Fussballplätze in dem Gebiet ein. Erstens seien diese bereits seit 19 Jahren dort in der Planung vorgesehen. Und zweitens sei dies auch in einem Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren zu verstehen. Stadtpräsident Niederberger sagt:

«Wir halten den Platz frei für die nächste Generation.»

Von einem Stadion zu reden, sei überdies total übertrieben. Es gehe, wenn überhaupt Fussballplätze gebaut werden, lediglich um eine Tribüne mit Garderoben. Abschliessend hält Niederberger fest, dass der Gestaltungsplan Seezelg II, ebenso wie die Einsprachen dazu, derzeit beim Kanton zur Entscheidung liegen und dies «keine Laune vom Stadtrat» sei.

Inserate ärgern den Stadtrat

Mit einem Kostenvergleich zwischen dem geplanten Kreuzlinger Stadthaus und dem Regierungsgebäude in Frauenfeld machen «Vernünftige Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger» Stimmung für die «Volksinitiative zur Freihaltung der Festwiese», die am 7. März zur Abstimmung gelangt. «Das ist Äpfel mit Birnen verglichen», sagt Stadtpräsident Niederberger.  Der Wert Baukosten pro Arbeitsplatz sei an sich schon untauglich. Das Stadthaus sei ein eigenständiger Neubau, der viele Kunden- und Schalterbereiche sowie die gesamte Infrastruktur, wie etwa Archive, Räume für die Informatik, die Post, Sitzungszimmer und vieles mehr benötige. Ausserdem seien in Frauenfeld keine Reserveflächen vorgesehen. 

Das zweite Inserat, zu dem der Stadtrat Stellung nehmen möchte, trägt den Titel: «149 Millionen Franken Schulden?». Diese Zahl für 2027 stammt aus dem städtischen Finanzplan. Dieser sei jedoch als rollende Planung zu sehen und darin inbegriffen seien auch viele höchst unsichere Projekte, wie etwa die Spange Bätershausen. «Die Stadt hat heute ein stattliches freies Eigenkapital von rund 50 Millionen Franken. Und es war immer klar, dass, wenn das Hallenbad und das Stadthaus gebaut werden, eine Verschuldung entsteht.» Das sei aber kein Problem, sagt der Stadtpräsident. Im Gegenteil: Man müsse jetzt in ein Generationenprojekt investieren und erhalte dafür einen grossen Gegenwert. (ubr)