Kritik bei Versammlungs-Premiere der Märstetter Gemeindepräsidentin 

Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch bemängelt die Zusammenarbeit im Gemeinderat von Märstetten. Die Rechnungsprüfer werfen dem Gemeinderat dazu auch eine unseriöse Budgetierung vor. 

Werner Lenzin
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Präsidentin Susanne Vaccari-Ruch, Gemeindeschreiber Christian Baumann und die Gemeinderäte Beat Keck und Sabina Michel. (Bild: Werner Lenzin)

Präsidentin Susanne Vaccari-Ruch, Gemeindeschreiber Christian Baumann und die Gemeinderäte Beat Keck und Sabina Michel. (Bild: Werner Lenzin)

Für die neue Gemeindepräsidentin war es eine Feuertaufe: Erstmals führte Susanne Vaccari-Ruch im Singsaal der Weitsicht durch die Versammlung der Politischen Gemeinde Märstetten. 105 von den 1973 Stimmbürgern fanden den Weg an die Versammlung.

Im Anschluss an die traktandierten Geschäfte gab Vaccari den Versammelten zu verstehen, dass sie sich zwar gut in ihr Amt eingelebt habe und dieses mit Freude und Begeisterung ausübe. Aber da sei eben auch die Kehrseite:

«Für mich gab es kein Einarbeiten. Es war für mich ein Sprung ins kalte Wasser ohne eine richtige Amtsübergabe, mit vielen unerledigten Akten und Ordnern»

Nebst dieser Kritik an der Arbeit ihres Vorgängers Jürg Schumacher bezeichnet sie auch den Start im Gemeinderat als schwierig: «Die Situation ist immer noch schwierig. Wir mussten eine externe Vermittlung beiziehen. Weiter dazu äussern darf ich mich nicht.» Vaccari-Ruch war vor ihrer Wahl zur Gemeindepräsidentin im Frühling noch Gemeinderätin.

Rechnungsprüfer sind unzufrieden mit Budget

Kritisch äusserten sich im Verlauf des Abends auch die beiden Rechnungsprüfer Emanuel Greminger und Hermann Grünig. Entgegen den Äusserungen der Gemeindepräsidentin bezeichnen die beiden das Jahr 2018 nicht als ausserordentlich hinsichtlich den Steuereinnahmen, sondern als normal. Grünig sagt:

«Wir hätten die im Frühling an der Rechnungsgemeindeversammlung beschlossene Steuersenkung von acht Prozent sonst nicht unterstützt»

«Zudem ist der Ertrag im laufenden Budget deutlich zu tief budgetiert.» Er bezeichnet das vorliegende Budget als unseriös. Trotz dieser Kritik bewilligten die Anwesenden das Budget.

Budget mit grossem Defizit

Der Gemeinderat von Märstetten rechnet für das kommende Jahr bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 51 Prozent mit einem Defizit in der Höhe von 799'300 Franken. Der Gesamtaufwand steigt gegenüber dem Budget 2019 um 134'000 Franken auf insgesamt 5,94 Millionen Franken an. Der Gemeinderat hat an der Versammlung beantragt, den Steuerfuss für das Jahr 2020 unverändert auf 51 Prozent zu belassen. Die Stimmberechtigten haben diesem Wunsch am Donnerstagabend entsprochen und auch das Budget 2020 einstimmig gutgeheissen. Auch die Erfolgsrechnung der Technischen Gemeindewerke mit einem Aufwandüberschuss von 273'300 Franken und die Investitionsrechnung der Technischen Gemeindewerke mit einer Nettoinvestition von rund 1,66 Millionen Franken genehmigten sie ohne eine Gegenstimme.

Gesundheitsversorgung wird teurer

Einen happigen Anstieg zeigt das Budget im Bereich der Gesundheitskosten: Bei der Pflegefinanzierung um 11'000 auf 220'000 Franken, bei der Spitex um 32'000 auf 252'000 Franken und bei den individuellen Prämienverbilligungen um 50'000 auf 280'000 Franken.
Ungewiss ist gemäss Susanne Vaccari-Ruch die Sanierung der Bahnhofstrasse im kommenden Jahr seitens des Kantons.

Sollte diese 2020 nicht realisiert werden, so plant man die Sanierung der beiden Gemeindestrassen Höhenweg (250'000 Franken) und Alte Gillhofstrasse (250'000 Franken). Sollte es doch klappen mit der Bahnhofstrasse, würde man stattdessen den Radweg (220'000 Franken) und die Feldhofstrasse (280'000 Franken) realisieren.