Nach Aus für Konstanzer Seenachtsfest: Gastronomen und Hoteliers üben harsche Kritik

Konstanz möchte 2019 zum letzten Mal das Seenachtfest in der jetzigen Form durchführen. Gastronomen und Hoteliers kritisieren den Entscheid der Stadt. Der Event sei wichtig für den Tourismus.

Benjamin Brumm
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Gastronomen und Hoteliers äussern Kritik am Seenachtfest. (Bild: Andrea Stalder)

Gastronomen und Hoteliers äussern Kritik am Seenachtfest. (Bild: Andrea Stalder)

Die Konstanzer Gastronomie hat keine Freude am Vorhaben der Stadt, das Seenachtfest abzuschaffen. Sie halten den Plan für ein grosses Risiko. Nicht, weil sie im August über mangelnde Kundschaft klagen müssten. Sondern, weil die Grossveranstaltung mit bis zu 50'000 Besuchern ein wichtiges Instrument sei, den Standort Konstanz nach aussen hin zu präsentieren. Tino Schumann, Vorsitzender des Konstanzer Wirtekreises, weiss:

«Wenn ich in München, Hamburg oder Berlin unterwegs bin, werde ich auf das Seenachtfest angesprochen, es besitzt eine Strahlkraft weit über die Grenzen des Bodensees hinweg.»

Bei Manfred Hölzl, Vorsitzender der Ortsstelle des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, stossen die gemeinsamen Pläne von Stadt und Veranstalter auf Unverständnis. Nach dem Wegfall von grossen Veranstaltungen wie Rock am See oder dem Zeltfestival sei das Seenachtfest «neben dem Flohmarkt und dem Weihnachtsmarkt eine der wenigen echten Marken für die Aussenwirkung von Konstanz gewesen», fasst Hölzl zusammen.

Er halte es daher wie Tino Schumann für nicht nachvollziehbar, dass sich Oberbürgermeister Uli Burchardt für ein kleines, konstanzerisches Seenachtfest einsetzen wolle. Manfred Hölzl geht noch weiter und bezeichnet das als «Gedanken der Abschottung, die grenzwertig bis rein populistisch sind». Von Burchardt erwarte er nun, echte Alternativen zum aktuellen Festkonzept zu präsentieren.

Kreuzlinger würden sich engeren Kontakt wünschen

Auch die Junge Union äusserte Kritik. In einer Mitteilung des Stadt- und Kreisverbands kritisiert sie die geteilte Meinung, das Seenachtfest sei kein Fest mehr für Konstanzer und eine Geldverschwendung. Laut den Vorsitzenden der Jungen Union sollte das Fest «mit etwas mehr Entspanntheit und als Werbeträger unserer Stadt» gesehen und als «Teil der Konstanzer Kultur» weitergeführt werden.

Der Oberbürgermeister sagte am Montag über das Seenachtfest: «Es passt nicht mehr nach Konstanz und es passt nicht mehr in die Zeit.»
Die Kreuzlinger, die das Seenachtfest synchron auf der Schweizer Seite feiern, wussten nichts von dem Entscheid der Konstanzer. «Ich würde mir auch einen engeren Kontakt wünschen, aber wenn wir nicht anklopfen, erfahren wir in der Regel gar nichts», sagt Markus Baiker, Präsident des Kreuzlinger Seenachtfests Fantastical.

Wegen Klimanotstand gerät Feuerwerk in Kritik

Am Montag wurde öffentlich, dass die Stadt Konstanz ein Ende des Seenachtsfests plant. Hauptgrund ist vor allem der ausgerufenen Klimanotstand von Anfang Mai. Die Stadt ist seither verpflichtet, alle politischen Handlungen auf ihre Auswirkung auf das Klima hin zu überprüfen. Dadurch geriet das Seenachtfest in die Kritik. Ein Dorn im Auge ist hauptsächlich das Feuerwerk. Da der Vertrag mit dem Veranstalter Full Moon nächstes Jahr ausläuft, stehen die Chancen für ein Weiterführen des Fests schlecht. Der Oberbürgermeister Uli Burchardt findet, dass das Fest sowieso nicht mehr in die Zeit und nach Konstanz passe. Er setzt sich für ein klimafreundlicheres und konstanzerisches Bürgerfest ein. Bereits dieses Jahr werde das Seenachtfest klimafreundlicher gehalten. So werden Alternativen zum Feuerwerk geprüft. (gbo)

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