Kreuzlinger wehren sich gegen eine
5G-Antenne

Der Mobilfunkanbieter Salt möchte beim Viadukt einen 30 Meter hohen Antennenmast erstellen. Anwohner sammeln dagegen Unterschriften und wollen Einsprache einreichen. 

Nicole D'Orazio
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Anwohner des Quartiers Alp haben sich auf dem Viadukt zu einer kleinen Protesaktion gegen die geplante Antenne eingefunden. (Bild: PD)

Anwohner des Quartiers Alp haben sich auf dem Viadukt zu einer kleinen Protesaktion gegen die geplante Antenne eingefunden. (Bild: PD)

Die Anwohner im Gebiet Alp haben keine Freude. Am Ende der Tobelstrasse steht auf der Wiese hinter dem Viadukt ein etwa fünf Meter hohes Bauvisier. An diesem ist eine Tafel mit der Aufschrift «Gesamthöhe 30 Meter» angebracht. Der Mobilfunkanbieter Salt plant gleich neben dem Viadukt eine neue Handyantenne. Das Baugesuch liegt derzeit auf.

«Die Anwohner sind aufgebracht und organisieren eine Sammeleinsprache gegen das Baugesuch», heisst es in einer Mitteilung des Vereins Strahlungsfreies Kreuzlingen. Mit dem für ein Wohnquartier völlig überdimensionierten Antennenmast, solle ganz Kreuzlingen und die Nachbargemeinden versorgt werden. Es werde beabsichtigt, total 23'260 Watt in die Umwelt abzustrahlen, was zu einer sehr grossen Zahl Betroffener führen wird, heisst es.

«Es handelt sich um eine 5G-Antenne. Das heisst der fünften Generation Mobilfunk», sagt Experte Stefan Zbornik vom Verein strahlungsfreies Kreuzlingen auf Anfrage. «Der Hauptunterschied zu den heutigen Antennen ist die Technik. Es handelt sich um Radartechnik.» Die Antenne solle in drei Richtungen strahlen und sei viel stärker als die bisherigen.

«Man kann das mit einer Strobolampe, die sehr schnell in alle Richtungen strahlt, vergleichen. Das ist eine Strahlenkeule.»

Da diese dynamisch geregelt sei, seien die Auswirkungen biologisch aggressiv. «Das heisst, dass die Strahlung zu Problemen führen kann», ist Zbornik überzeugt. Er spricht von möglichen Effekten wie Kopfweh, Schlaf- oder Herzrhythmusstörungen. Die Langzeitbestrahlung sei das grösste Problem.

Auflage vor oder während der Ferien hat System

Vom angekündigten Bericht, den eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Bundesamtes für Umwelt zum Bereich Mobilfunk und Strahlung bis Mitte Jahr erstellt, erwartet er diesbezüglich wenig.  Zbornik ärgert sich, dass die Stadt Kreuzlingen das Baugesuch genau vor den Ferien publiziert hat. «Das hat meiner Erfahrung nach System. So sehen es weniger Leute und es gibt weniger Einsprachen.»

Die Anwohner des Quartiers sind jedoch alarmiert. «Es gibt eine Unterschriftensammlung und wir planen eine Sammeleinsprache.» Der berechnete Radius der Meistbestrahlten und damit zur Einsprache berechtigten Personen beträgt 1352 Meter. «Somit darf sich beinahe ganz Kreuzlingen und auch Bätershausen zur Wehr setzen.» Sammelbögen kann man auf der Website des Vereins www.strahlungsfrei.ch herunterladen. «Am 29. April müssen wir die Einsprache spätestens einreichen. Daher sammeln wir bis am 26. April.»

Der Bausekretär widerspricht

Den Vorwurf, die Stadt publiziere umstrittene Baugesuche absichtlich vor oder während der Ferien, weist Jean-Marc Vannier, Bausekretär der Stadt Kreuzlingen, zurück. «Also das stimmt nun wirklich nicht. Bei der Ortsplanung warten wir zum Beispiel extra bis nach den Ferien», sagt er. Das Baugesuch von Salt sei zuerst zum Kanton zur Vorprüfung. «Wir hatten keinen Einfluss darauf, wann es zurückkam, und haben es anschliessend aufgelegt.» Das sei Zufall.

KREUZLINGEN: Die Swisscom will auch aufs Dach

Zwei Mobilfunkbetreiber haben bereits ihre Antennen auf dem höchsten Haus der Stadt. Jetzt will der dritte ebenfalls hoch hinaus. Bei Strahlungskritiker Stefan Zbornik gingen bereits einige Anfragen von Anwohnern ein.
Urs Brüschweiler