Kreuzlinger und Konstanzer setzten ein Zeichen für den Frieden

Beim 13. Internationalen Bodensee-Friedensweg demonstrierten rund 500 Menschen für eine Welt ohne Waffen. Die Redner riefen dazu auf, die Rüstungsindustrie in der Schweiz zu stoppen.

Judith Schuck
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Die Teilnehmer des Friedensweges bilden auf Klein Vendedig ein Peace-Zeichen. (Bild: Judith Schuck)

Die Teilnehmer des Friedensweges bilden auf Klein Vendedig ein Peace-Zeichen. (Bild: Judith Schuck) 

Die heissen Temperaturen waren vielleicht mit ein Grund, dass nur halb so viele Teilnehmer kamen, als von den Organisatoren erwartet. Dennoch wehten gestern viele Peace-Flaggen im Friedenszug, und auf Plakaten mit Aufschriften wie «Grenzen öffnen für Menschen, Grenzen schliessen für Waffen» oder «Waffenexport = Völkermord» taten die Demonstranten ihre Anliegen kund.

Zwei Teilnehmerinnen gaben mit ihrem Banner zu bedenken, dass die Welt nicht nur von Waffen, sondern auch von Cyberkriegen bedroht sei; ein Aspekt, der beim diesjährigen Bodensee-Friedensweg nicht weiter thematisiert wurde.

Schweizer Waffen in Krisengebieten

Im Konstanzer Stadtgarten sprach Jürgen Grässlin, Deutschlands bekanntester Rüstungsgegner, und blickte auch über die nahe Grenze nach Kreuzlingen. Die Mowag (General Dynamics) sei ein Unternehmen, das Radpanzer herstelle. Es sei nachgewiesen, dass diese unter anderem in Nordnigeria landeten, wo sie von Terrororganisationen wie Boko Haram oder dem Islamischen Staat (IS) eingesetzt würden.

Jürgen Grässlin spricht im Konstanzer Stadtgarten. (Bild: Judith Schuck)

Jürgen Grässlin spricht im Konstanzer Stadtgarten. (Bild: Judith Schuck)

Der Gründer der «Aktion Aufschrei» gab zu bedenken, dass in Indien und Pakistan beide Konfliktparteien «bis an die Zähne» mit Schweizer Waffen hochgerüstet würden. Er rief seine Zuhörer auf, seine Botschaft nach Kreuzlingen zu tragen:

«Stoppt die Rüstungsindustrie in der Schweiz!»

Grässlin betonte die Einzigartigkeit der Bodenseeregion, die im Gegensatz dazu stünde, dass sie gleichzeitig die Region mit der grössten Dichte an Rüstungsfirmen in Europa sei. Der Prozess, die Rüstungsregion Bodensee in eine Friedensregion umzuwandeln, sei nicht von heute auf morgen zu schaffen. Die finanziellen Mittel, die in Verteidigung gesteckt würden, bräuchte man aber dringend für Bildung, Medizintechnik und die Energiewende.

Der Friedensweg-Tross überquert die deutsch-schweizerische Landesgrenze. (Bild: Judith Schuck)

Der Friedensweg-Tross überquert die deutsch-schweizerische Landesgrenze. (Bild: Judith Schuck) 

Rührende Reden und Friedenslieder

Über die Hafenstrasse zogen die Demonstranten weiter Richtung Kreuzlingen. In Klein Venedig bildeten sie ein menschliches Peace-Zeichen, bevor am Kreuzlinger Hafen die 86-jährige Friedensaktivistin Louise Schneider, die auch als «Sprayer Grosi» bekannt ist, sprach. Bei ihrer emotionalen Rede kullerten bei einigen Demonstranten ein paar Tränen.

«Sprayer Grosi» Louise Schneider spricht in Kreuzlingen. (Bild: Judith Schuck)

«Sprayer Grosi» Louise Schneider spricht in Kreuzlingen. (Bild: Judith Schuck) 

Schneiders Schlüsselerlebnis für ihren lebenslangen Friedenskampf war, als ihr Vater als Soldat in den Krieg ziehen sollte und in Uniform und Gewehr vor ihr stand: «Ich stand unter Schock und schrie», sagte Schneider. Als Kind erkannte sie bereits den Widerspruch, als es hiess, ihr Vater kämpfe für die Sicherheit im Land:

«Die Rede von Sicherheit mit Waffen ist die grösste Lüge aller Zeiten!»

Juso-Präsidentin Tamara Funiciello hatte ihre Teilnahme am Bodensee-Friedensweg hingegen kurzfristig abgesagt. Annette Willi, die Präsidentin von ICAN-Schweiz, dem Zweig der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, kam dafür aus Genf angereist und betonte, wie wichtig es sei, dass die Schweiz und Deutschland endlich den Atomwaffenverbotsvertrag ratifizierten. Zum Abschluss sang die Gruppe gemeinsam mit Musiklehrerin Manuela Eichenlaub Friedenslieder im Kanon.

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