Kreuzlinger Tatöwierer: «Für viele ist es eine Existenzfrage»

Der Kreuzlinger Tätowierer Alexander Nyaguy sieht selber gelassen in die Zukunft.

Stefan Böker
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Alexander Nyaguy vom Blue Dragon Tattoo Studio.

Alexander Nyaguy vom Blue Dragon Tattoo Studio.

(Bild: Stefan Böker)

«Ich widme meine Zeit der Kunst und meinen Hobbys», sagt Alexander Nyaguy vom Blue Dragon Tattoo Studio. Der Kreuzlinger Tätowierer träumt schon länger davon, eine Ausstellung mit Zeichnungen zu verwirklichen – nun scheint der Moment dafür gekommen. Seit 33 Jahren betreibt der Kreuzlinger die Kampfkunst Aikido und er schleift japanische Messer. Eine Auswahl des scharfen Stahls ist in seinem Studio zu sehen. «Langeweile sollte also nicht aufkommen», sagt der Japan-Fan.

«Nitshki», so sein Künstlername, ist seit zehn Jahren im Verband Schweizerischer Berufstätowierer (VST) aktiv, seit acht Jahren als Vorstandsmitglied. Auf seiner Website gibt der Verband Tipps für die Krisenzeit. Interessierte können beispielsweise eine Vorlage herunterladen, um ihren Vermieter wegen eines Mietzinserlasses zu kontaktieren. Zudem haben alle Mitglieder über den Verband Zugang zu einer Rechtsschutzversicherung. Aber nicht nur das:

«Wir haben die Studios auch dazu aufgerufen, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Schutzmasken aus ihren Lagern zu spenden.»

Ihn persönlich beunruhigt die erzwungene Schliessung noch nicht. «Ich bin gelernter Koch, könnte also easy irgendwo arbeiten, wenn es hart auf hart kommt. Ausserdem habe ich Reserven geschaffen.» An der Unterseestrasse 6 können sich Kundinnen und Kunden auch piercen lassen oder permanentes Make-up bekommen.

Die freie Zeit will Nyaguy nun nutzen, um die Geschäftsstruktur zu überprüfen. «Vielleicht kann man das Studio ausbauen. Da sehe ich mich als Unternehmer.» Eines wurmt ihn allerdings: Er musste den Jubiläumsanlass verschieben. Das Blue Dragon Tattoo Studio hätte Ende April sein 20-jähriges gefeiert. «Das ist natürlich schade», sagt er enttäuscht.

Hoffnung in die Hilfe vom Bund gesetzt

Wie in der Friseur- und Kosmetikbranche steht auch bei den Tätowierern bis mindestens 19. April alles still. Ob die Arbeit im Anschluss sofort wieder losgehen kann, ist ungewiss.

Dass sich die Nutzung bei vielen Studios überschneidet, ist indes üblich, so auch bei Rock A Bully Ink. An der Hauptstrasse 64 sind auch ein Coiffeurgeschäft und ein Nagelstudio beheimatet. Angesichts des hundertprozentigen Verdienstausfalls machen sich viele selbstständig Arbeitenden Sorgen um ihre Existenz. Hoffnung wird in die vom Bund in Aussicht gestellte Erwerbsersatzentschädigung gesetzt. Ob diese ausreicht, um mit heiler Haut aus der Krise zu kommen, weiss allerdings niemand.

Dabei sei die Nachfrage nach Tätowierungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, Nyaguy spricht sogar von einem regelrechten Boom. Es ist davon auszugehen, dass Bilder auf der Haut ihren Reiz nicht verlieren. Bestimmte Motive dürften allerdings tabu sein, wenn diese schwere Zeit überstanden ist: Wer Klopapierrollen oder Corona-Flaschen stechen lassen will, muss mit einer Absage rechnen.