Kreuzlinger Schulbehörde wird für ihr Vorgehen kritisiert

Die Parteivertreter sind nicht alle einverstanden mit der vorgeschlagenen Strategie zur Aufklärung der Affäre Zweifel. Auch der frühe Ersatzwahl-Termin erscheint unrealistisch.

Martina Eggenberger Lenz
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René Zweifel signalisiert ebenfalls Bereitschaft für eine Untersuchung. (Bild: Andrea Stalder)

René Zweifel signalisiert ebenfalls Bereitschaft für eine Untersuchung. (Bild: Andrea Stalder)

Am Mittwoch haben die beiden Vizepräsidenten der Kreuzlinger Schulen bekanntgegeben, dass ihre Behörden Hand bieten wollen für eine Untersuchungskommission in Sachen Rücktritt des Schulpräsidenten. Bekanntlich hatte die Freie Liste eine solche Aufklärung gefordert. Die Schulen wollen aber nicht selbst eine Untersuchungskommission in Auftrag geben, sondern erst einen runden Tisch einberufen. An diesem sollen involvierte Personen, Parteien und Gremien teilnehmen, unter anderem Ex-Schulpräsident René Zweifel.

Zweifel fordert Einbezug einer neutralen Person

Zweifel hat gestern mit einer Stellungnahme reagiert. In dieser schreibt er, dass die Medienorientierung ohne Rücksprache mit ihm erfolgt sei. Er werde sich weiterhin an die Abmachung halten, keine Einzelheiten zu seinem Rücktritt zu kommunizieren. Er erwarte, dass die Schulbehörden das weitere Vorgehen unter Beizug einer neutralen Person zusammen mit ihm definieren. Es sei in seinem Sinne, wenn die Sache untersucht werde und er sei grundsätzlich bereit, seinen Teil beizutragen.

Harte Kritik zum Vorgehen der Schulbehörden äussert SP-Präsident Cyrill Huber. Es sei «völlig falsch», jetzt einen runden Tisch einzuberufen, denn die Untersuchung müsse von extern, sprich dem Kanton, eingeleitet werden. Eine entsprechende Kommission müsse dieser einberufen, die Parteien hätten dazu nichts zu sagen. Auch sei eine Konfrontation der Hauptbeteiligten vor so vielen Anwesenden nicht zielführend. Jost Rüegg von der Freien Liste sagt, die Zwischenschaltung des runden Tisches sei «suspekt». Die Schulbehörde hätte seiner Ansicht nach gleich die Kantonsregierung einschalten müssen. Am runden Tisch seien ja fast alle befangen. Die Freie Liste überlege sich noch, wie sie auf das Schreiben der Behörden reagieren wolle.

CVP, SVP und FDP befürworten Untersuchung

Stephan Marty, Präsident der CVP, meint zum Thema Untersuchung: «Besser spät als nie.» Er bedauert, dass die Behörden sich nicht schon viel früher externe Hilfe geholt haben. «Es ist gut, dass Jost Rüegg und Dani Moos aktiv geworden sind.» Vom runden Tisch erhoffe er sich einen vertieften Einblick in die Situation. Der Informationsbedarf sei nach wie vor gross. Fabian Neuweiler, SVP, findet es grundsätzlich gut, wenn eine Untersuchung durchgeführt wird. Ihm ist es wichtig, dass in der Kommission «keine Personen aus Kreuzlingen» Einsitz haben. Dass die Parteien in den Prozess eingebunden werden, findet Neuweiler aber gut.

Barbara Jäggi, FDP, steht vollumfänglich hinter der Strategie der Behörden. «Es ist der richtige Schritt.» Eine Untersuchungskommission sei zu begrüssen, denn sie könne eine gewisse Transparenz schaffen. Dass alles der Öffentlichkeit dargelegt werden könne, sei aber eher unwahrscheinlich. «Ein gewisser Persönlichkeitsschutz ist zwingend.»

Wahl ist schon in drei Monaten

Parteien müssen Kandidaten aus dem Hut zaubern Der Wahltermin, der auf den 25. November festgelegt wurde, stellt die Parteien vor eine grosse Herausforderung. Unisono sagen die Präsidenten, es sei äusserst schwierig, innert drei Monaten eine geeignete Person aus dem Hut zu zaubern. Gleichzeitig äussern sie Verständnis für die Vizepräsidenten, die extrem gefordert seien. Stephan Marty und Jost Rüegg sind der Ansicht, die Wahl dürfte erst nach der Aufarbeitung der Affäre erfolgen. Barbara Jäggi hingegen hofft, dass «keine Bauernopfer» gefordert werden. «Das wäre zu viel Know-how-Verlust. Dann hätten wir echt ein Problem.»