Kreuzlinger Planetarium ermöglicht die Sicht durchs Mega-Teleskop

Der neue Film im Programm gibt Einblicke in die Arbeit und die Technik in einem Observatorium.

Inka Grabowsky
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Der neue Film nimmt die Besucher mit auf eine Reise in ferne Welten.

Der neue Film nimmt die Besucher mit auf eine Reise in ferne Welten.

(Bild: Inka Grabowsky)

Es wird dunkel im Kuppelsaal des Planetariums. Die Besucher lehnen sich in den Sesseln zurück. Dann fliegen sie los. Ein neuer Film versetzt die Besucher für vierzig Minuten in die Observatorien der Europäischen Südsternwarte ESO in der chilenischen Atacama Wüste. Der Nebel über Kreuzlingen ist vergessen, die Sicht auf die Sterne der südlichen Hemisphäre ist frei.

Der Standort ist deshalb so ideal, weil er nicht nur in sehr grosser Höhe zwischen 2400 und 5000 Metern liegt, sondern auch ohne jede Lichtverschmutzung und vor allem überaus trocken ist.

Bruno Leitz, Präsident Astronomische Vereinigung Kreuzlingen.

Bruno Leitz, Präsident Astronomische Vereinigung Kreuzlingen.

(Bild: Inka Grabowsky)
«Die Luftfeuchtigkeit bei uns macht die Beobachtung viel schwieriger»,

erklärt Bruno Leitz, Präsident der Astronomischen Vereinigung Kreuzlingen. Im Film wird erklärt, durch welche Tricks die Forscher den Blick auf weit entfernte Galaxien noch erweitern. Sie können mehrere Teleskope zusammenschliessen, Turbulenzen mit Hilfe des Computers herausrechnen oder die Spiegel der Teleskope auf den Nanomillimeter genau ausrichten. So entstehen faszinierende Bilder und viele wissenschaftliche Erkenntnisse. «Vielleicht wird bald die Frage beantwortet, ob wir alleine im All sind», sagt Leitz.

Im Gespräch räumt er ein, dass er die Observatorien in Chile zu gern in Wirklichkeit sehen würde statt nur im Rundumkino. Gleichzeitig sieht er auch die Vorteile der eigenen kleinen Anlage in Kreuzlingen. «Dort erscheinen die errechneten Bilder auf dem Monitor, mit unserem Astrografen und dem Linsenteleskop in der Sternwarte sieht man Planeten wie den Saturn mit blossem Auge. Das ist immer wieder ein eindrückliches Erlebnis.»

Schweiz finanziert Europäische Südsternwarte mit

Im Planetarium zeigen die Mitglieder des astronomischen Vereins abwechselnd 15 Programme, einige aufwendig selbst zusammengestellt, andere gegen Lizenzgebühr erworben. «Den heutigen Film hat die ESO produziert und gratis zur Verfügung gestellt», sagt Robert Testa, der durch den Abend führt. «Man darf ja nicht vergessen, dass die Europäische Südsternwarte von Steuergeldern aus 16 Ländern finanziert ist – auch aus der Schweiz», sagt Bruno Leitz.

«Sie muss der Öffentlichkeit erklären, dass ihre Arbeit sinnvoll ist, sonst werden die Gelder irgendwann nicht mehr gesprochen.»

Wie nach jedem Programm erklärt der Vorführer Robert Testa auch am Premierenabend den nächtlichen Sternenhimmel über Kreuzlingen, den der Zeiss-Sternenprojektor an die Kuppel wirft. Unter anderem für diese Aufgabe sucht der Verein noch ehrenamtliche Helfer. Wem das zu anspruchsvoll ist, der darf sich aber auch für Gartenarbeiten oder den Kassendienst melden. «Im Augenblick sind wir rund 25 Aktive», sagt Robert Testa. «Es dürfte gerne ein Dutzend mehr sein.»

www.bodensee-planetarium.ch