Kreuzlinger Pfarramt zeigt sich modern

Im Stefanshaus startet diesen Herbst eine neue Veranstaltungsreihe. In ungezwungenem Rahmen sollen grundlegende Glaubensinhalte zugänglich gemacht werden.

Hannah Engeler
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Religionspädagoge Daniel Schneider lädt zu offenen Gesprächen im Stefanshaus ein. (Bild: Hannah Engeler)

Religionspädagoge Daniel Schneider lädt zu offenen Gesprächen im Stefanshaus ein. (Bild: Hannah Engeler)

«Die Pfarreiarbeit beschränkt sich oft auf Leute, bei denen der Glaube bereits tief verwurzelt ist. Diejenigen, die nur einen kleinen oder gar keinen Bezug dazu haben, werden ignoriert», sagt Daniel Schneider, Religionspädagoge des katholischen Pfarramts Sankt Stefan. Dies verstärke das Vorurteil, dass die Katholische Kirche weltfremd sei und nicht viel mit den Menschen und ihren aktuellen Anliegen zu tun habe.

«Heute ist das spirituelle Bedürfnis gross, aber die meisten finden nichts, was sie anspricht», sagt Schneider. Dies soll durch eine Reihe sogenannter Alphalive-Abende geändert werden. Alphalive ist ein bereits vorgefertigtes Konzept, welches die anglikanische Gemeinschaft in England in den 70er-Jahren entwarf. Weltweit heisst die Organisation heute Alpha, einzig in der Schweiz musste der Name leicht abgeändert werden, da Alpha bereits von einer Firma markenrechtlich geschützt ist.

Jeder Meinung ist gleich viel wert

Die Alpha-Kurse finden in über 100 Ländern an unterschiedlichsten Standorten, so zum Beispiel in Gefängnissen, Bars oder Universitäten, statt. Der Grundgedanke von Alpha sei, dass jede Meinung gleich zählt, unabhängig von der Konfession, dem Alter oder der Herkunft der Teilnehmenden, erzählt Schneider. Der Inhalt sei entsprechend auch nicht katholisch geprägt. Das Konzept wird vor allem in Freikirchen angewandt, die Katholiken benutzen es am wenigsten.

Die Treffen laufen alle nach demselben Prinzip ab. Zuerst essen die Anwesenden zusammen und lernen sich kennen. Während des Abendessens soll bewusst noch nicht über Religion gesprochen werden. Anschliessend folgt ein Input in Form eines Films. Schneider hat sich gewollt für dieses Format entschieden. «Wenn jemand etwas vorträgt, erhöht das die Hemmschwelle, in der darauffolgenden Diskussion teilzunehmen», sagt er.

«Kritische Stimmen machen das Ganze erst richtig interessant»

Die 20- bis 30-minütigen Filme seien für jeden verständlich und bieten einen einfachen Zugang zu grundlegenden Glaubensinhalten. So wird gewährleistet, dass in Kleingruppen offen über die in den Videos präsentierten Themen gesprochen werden kann. Die Diskussionsgruppen werden von Schneider und seinem Team von Ehrenamtlichen geleitet. «Das Ganze ist kein Unterricht; wir wollen nichts vermitteln», sagt der seit zwei Jahren in Kreuzlingen tätige Religionspädagoge.

Die Menschen sollen die Möglichkeit haben, ihre Gedanken mit anderen zu teilen. Schneider begrüsst es auch, wenn sich mal nicht alle einig sind. «Kritische Stimmen machen das Ganze erst richtig interessant», sagt er. Ein Bekannter von Schneider hat ihm von einem Zürcher Alphalive-Kurs erzählt, bei dem die jüngste Teilnehmerin 19 Jahre und der älteste Teilnehmer 75 Jahre alt waren. «So können echte Gespräche entstehen».

Das erste Treffen der Reihe findet am 23. Oktober im Stefanshaus statt. Die Abende sind kostenlos und nicht verpflichtend. «Es soll jeder kommen und Alphalive ausprobieren können», sagt Schneider. Auch wenn erfahrungsgemäss nur wenig Leute an der ersten Sitzung teilnehmen, hofft Schneider auf eine positive Entwicklung über die Zeit. «Ich weiss nicht, was mich erwartet, bin aber offen für alles», sagt er lachend.