Kreuzlinger Narren sorgen im Saubachsaal für nachhaltige Lacher

Zum 50. Mal feierte die Narrengesellschaft Emmishofen am Freitag die Premiere ihrer Show – mit viel Hype um die grüne Welle.

Judith Schuck
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Greta Thunberg kuschelt mit einer CO2-Wolke.

Greta Thunberg kuschelt mit einer CO2-Wolke.

(Bild: Reto Martin)

Die Narren steckten wieder viel Herzblut in das abendfüllende Programm. In drei Themenblöcken ging es um Ökologie, die Schweizer Bahn und den Sport, mit Blick auf die Olympischen Spiele in Japan. Greta Thunberg eröffnete die Show. Dass der jungen schwedischen Klima-Aktivistin ein Plätzchen eingeräumt werden wird, war zu erwarten. Die Narren verbandeln sie mit einer CO2-Wolke, denn die Publicity der beiden hänge stark voneinander ab: «Je mehr es von mir gibt, desto grösser ist dein Ruhm», flüstert die Wolke dem Mädchen mit den Zöpfen zu.

Die Narren springen auf den grünen Zug auf

Der rasante Aufstieg der Grünen Partei sowie die Klimademos boten den Narren eine wunderbare Vorlage, sie griffen zum Motto «nachhaltige Narrenfreiheit». In kurzen Videosequenzen veranschaulichten sie dem Publikum im vollen Saal, wie nachhaltig sie ihre Jubiläumsshow vorbereitet hatten: Neben Kostümen recycelten sie selbst die Farben des Bühnenbildes, indem sie den alten Lack vom Vorjahr abkratzten und mit einem «besonders ökologischen Wässerchen», dem Narrenurin, wieder verflüssigten, um so die Farbe für den neuen Anstrich brauchbar zu machen. Das so hergestellte Grün bot die Basis für das Thema «Bio-di-Versität».

In aufwendigen Kostümen verkörperten die Interpreten Figuren aus der Serie Biene Maja, welche die Westwiese am Bärenplatz bevölkerten: Flip, das Heupferd, schimpfte, weil er sich immer wieder den Zeh an den Visieren fürs neue Stadthaus anschlug, die Ameisen patrouillierten als neue City-Watch von Stefan Braun, dem Umweltbeauftragten.

Ob der störende Geruch zwischen den Grashalmen nun vom Ökodiesel der Stadtbusse oder von den Kiffern im Dreispitzpark stammte, darüber waren sich die Insekten uneins. Ausserdem ­bemerkten sie, hätte der Stadtrat lieber in eine Zahnarztpraxis investiert, als ins neue Stadthaus:

«Sie werden sich noch ­Jahre die Zähne an ihren Gegnern ausbeissen!»

Ausführlich liessen sich die Narren über überfüllte Züge aus. Witzig stellten sie smartphone-­süchtige Fahrgäste nach. Nicht goutiert wurde eine Szene, in der ein deutscher Besserwisser am Automaten ein Billett nach Berlin und zurück lösen möchte. Der Kommentar des sprechenden Automaten: «Für söttigi wie dich gibt’s nur ein One-Way-Ticket, auf dem steht ‹heim ins Reich›».

Dieser Satz löste im Publikum unbehagliches Raunen aus, auch wenn sonst nicht mit Ausländerbashing gespart wurde: Bei der Olympiade waren die afrikanischen Ruderer im Vorteil, weil sie auf dem Mittelmeer geübt hatten. Nicht ganz klar war auch, warum die Disziplin «200-Meter-Handy-Gehen» von tuntig auftretenden männlichen Homosexuellen bestritten wurde.

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