Kreuzlinger Maturaarbeiten: Von der Skulptur bis zur digitalen Demenz

An der Kanti präesntierten am Samstag über 80 Schüler die Ergebnisse ihrer Forschungen und Analysen.

Inka Grabowsky
Drucken
Teilen
Jana Caramaschi mit ihrer «Träumenden Nana in Action».

Jana Caramaschi mit ihrer «Träumenden Nana in Action».

«Die Maturaarbeit nimmt die Freiheit vorweg, die man im Studium haben wird», beschreibt Prorektor Marcello Indino in seinem Grusswort. Zwar müsse man eine grosse Verantwortungsbereitschaft und Selbstdisziplin aufbringen, aber hinsichtlich Themenauswahl und Methodik gäbe es kaum Einschränkungen. Ein Blick ins Programmheft bestätigt das. Sport, Geschichte, Mathematik, Politik, Informatik, Wirtschaft, Biologie: Jedes erdenkliche Fachgebiet findet sich wieder. Tim Müller beispielsweise hat die griechische Sagenwelt analysiert und danach in satirischer Form eigene Sagen geschrieben.

«Die Pointen basieren auf Kanti-Insider-Wissen»,

warnt er bei seiner Lesung. Lehrer werden bei ihm zu fehlbaren Göttern, das trojanische Pferd wird zum trojanischen Aussenschulzimmer, in dem sich die verfeindeten Rivalen von der PMS im pädagogischen Krieg verbergen. Die Brutalität der Originale findet sich in der Adaption wieder. Der karikierende Ton hilft, sie zu ertragen.

Auf dem Gebiet der bildenden Kunst schuf Jana Caramaschi nach Vorbildern von Salvador Dali, Jackson Pollock und Niki de Saint Phalle drei Werke im Stil des Surrealismus, des Action Paintings und der bekannten Nanas. Auch sie wollte nach der Analyse nicht nur kopieren, sondern kreativ mit den Erkenntnissen umgehen.

Soziologische Forschung zu Internet und Asylwesen

Auf eine andere Adaption hat sich Laura Leone konzentriert. Sie suchte Spuren von Nietzsches Nihilismus in der Serie «Rick and Morty» und fand die Abenteuer eines zynischen Wissenschaftlers und seines naiven Enkels unerwartet philosophisch. Ob ihre Mitschüler nihilistische Anwandlungen haben oder ob sich das durch das Betrachten der Serie verstärkt, untersuchte sie mit einer Umfrage.

Marleen van der Linden befragte ihre Mitschüler ebenfalls. Sie wollte herausfinden, ob diese anfällig sind für «digitale Demenz», eine Internet-Sucht, die zu Konzentrationsschwächen und Angststörungen führt. «Gut drei Viertel der Befragten starrt vier Stunden am Tag auf das Smartphone und wird panisch, wenn es verlegt ist», sagt sie.

Ein sozial brisantes Thema hatte sich Carina Keller vorgenommen: Sie stellte fest, dass schweizweit 36 Prozent der Flüchtlinge einer Erwerbsarbeit nachgehen. Im Thurgau seien es sogar 49 Prozent. Sie schliesst: «Um Geflüchtete besser zu integrieren, muss man Arbeitgeber motivieren, ihnen eine Chance zu geben.»