Fruthwiler Künstlerpaar muss Abschied von Kreuzlingen nehmen

Kundry und Hans Niederhauser schliessen ihre Galerie «Bilder-Räume» in der ehemaligen Molkerei. Die Ceposa AG zieht ein.

Stefan Böker
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Für Kundry und Hans Niederhauser ist die Schliessung ihrer Galerie «Bilder-Räume» kein Weltuntergang. Sie stellen künftig vielleicht in ihrem Haus in Fruthwilen (Bild) aus.

Für Kundry und Hans Niederhauser ist die Schliessung ihrer Galerie «Bilder-Räume» kein Weltuntergang. Sie stellen künftig vielleicht in ihrem Haus in Fruthwilen (Bild) aus.

(Bild: Stefan Böker)

«Ich möchte das Wort ‹Krankheit› überhaupt nicht hören», sagt Hans Niederhauser.

«Ich will mich davon nicht bestimmen lassen. Sonst müsste ich mich ins Bett legen und krank sein.»

Der bald 90-jährige Maler mit dem eigenwilligen Stil, Erfinder der «Konvexen Malerei», will sich nicht in die Untätigkeit zwingen lassen. Dennoch beeinflusst ein zunehmendes Nervenleiden seinen Alltag immer stärker.

Das Ehepaar Niederhauser hat sein Haus in Fruthwilen 1976 gebaut. Beide haben hier ihr eigenes Atelier. Gegen Süden besteht das Haus fast nur aus Fenstern, der Blick auf Gnaden- und Untersee ist atemberaubend.

Deutlich sieht man die Reichenau, das Kloster Hegne oder zwischen den Baumwipfeln hindurch das Konstanzer Münster. Kundry sagt:

«Diese Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten ist unsere grösste Inspirationsquelle. Ich freue mich jeden Tag darüber und habe das nie als selbstverständlich wahrgenommen.»

Die Ceposa AG übernimmt die Räume

Seit 25 Jahren zeigt das Künstlerpaar seine Werke in einer grossen Jahresausstellung in der alten Molkerei an der Hafenstrasse 4 in Kreuzlingen – farbenfrohe Aquarelle zu wechselnden Themen von ihr, riesige Landschaftsbilder auf gewölbter Leinwand von ihm.

Ihr Vermieter hat ihnen jedoch gekündigt. Bald wird die Ceposa AG einziehen. Für Kundry und Hans kein Weltuntergang:

«Wir haben früher schon zuhause in den eigenen Räumen ausgestellt, diese Tradition werden wir vielleicht wiederbeleben.»

Auch gesundheitliche Gründe haben die Entscheidung beeinflusst. Schon länger hat er nicht mehr zum Pinsel gegriffen. «Aber diese Granitmauer, die habe ich noch selbst gebaut», sagt Niederhauser im Garten, wie um seine Kraft zu beweisen.

Der Abschied ist kein Weltuntergang

Den Abschied von Kreuzlingen nimmt das Paar pragmatisch. Die «Molki» war für beide schliesslich nur eine Station von mehreren in einem reichen Künstlerleben. Ausstellungen haben sie in den 70er und 80er Jahren in die Schlösser Mainau und Salem und bis ins Pressehaus nach Berlin geführt. Als Musiker wurden sie sogar nach Japan eingeladen, beim Eidgenössischen Musikfest für Zeitungen interviewt.

Hans Niederhauser bot einige Jahre die gut besuchten Sommerkurse «Malen am Bodensee» an. Neben ihren Aquarellen schuf Kundry bleiverglaste Fenster für private und öffentliche Räume – auch im eigenen Haus in Fruthwilen, wo es in jedem Eck einen Beweis dieser Kreativität zu entdecken gibt.

Bevor wir uns verabschieden, führt er noch sein Können auf dem Alphorn vor. Seine Sammlung dieser Traditionsinstrumente ist riesig, früher hat er sie selbst gebaut, auch darüber wurde bereits geschrieben. «Ich weiss nicht, was man da noch Neues hinzufügen kann», wundert er sich.

«Dass wir beide zusammenhalten und durch dick und dünn gehen, das vielleicht noch.»

Schluss-Austellung

Noch ein letztes Mal stellen Kundry und Hans Niederhauser in der Galerie «Bilder-Räume» aus. Die Türen an der Hafenstrasse 4 in Kreuzlingen sind am 8., 9., 15. und 16. Februar von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

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