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Kreuzlinger Kinderkrippenbetrug: Treuhänder hat 1,3 Millionen abgezweigt +++ Staatsanwalt fordert über 4 Jahre Haft, Verteidiger plädiert auf Geldstrafe +++ Urteil ist vertagt

Am Mittwoch wurde am Kreuzlinger Bezirksgericht gegen den Mann verhandelt, der bei der Kinderkrippe Felsenburg und als Beistand einer alten Frau Geld abzweigte. Die Gesamtschadensumme beläuft sich auf über eine Million Franken. Das Urteil wird erst am 14. November verkündete.
Urs Brüschweiler
Die Kinderkrippe Felsenburg an der Kreuzlinger Gaissbergstrasse. (Bild: Reto Martin, 10. Februar 2017)

Die Kinderkrippe Felsenburg an der Kreuzlinger Gaissbergstrasse. (Bild: Reto Martin, 10. Februar 2017)

«Ich möchte mich bei allen entschuldigen. Besonders bei meinen Eltern, dass sie sich so sehr für mich schämen müssen.» Dem Angeklagten zitterte die Stimme.

Mit seinen Schlussworten endete am Mittwochabend die ganztägige Verhandlung am Bezirksgericht Kreuzlingen. Ein Urteil haben die Richter aber noch nicht gefällt, sondern es auf den 14. November vertagt. Der Vorsitzende sagte:

«Es geht um viel. Es steht eine unbedingte Gefängnisstrafe im Raum. Der Aufwand für die rechtliche Würdigung der Vorwürfe ist grösser als erwartet.»

Viele Überweisungen auf die eigenen Konten

In der Tat wiegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft an die Adresse des 51-jährigen Treuhänders schwer.

  • Er soll als Rechnungsführer der Kreuzlinger Kinderkrippe Felsenburg zwischen 2003 und 2016 mit rund 150 Überweisungen illegal fast 700000 Franken abgezweigt haben.
  • Zudem habe er als Beistand einer alten Frau zwischen 2007 und 2014 rund 278 000 Franken auf seine eigenen Konti überwiesen.
  • Und er hat eine Firma um rund eine halbe Million geschädigt.

Der Mann ist geständig, wie er auch dem Richter noch einmal bestätigte. Er hat auch alle finanziellen Schäden beglichen, sprich das abgezweigte Geld vollumfänglich zurückgezahlt. Dazu musste er jedoch bei zwei Freunden Darlehen aufnehmen, eines über 350000 Franken und eines über 1,3 Millionen Franken.

«Ich bedauere, dass ich damals nicht die Kraft hatte, Bekannte nach dem Geld zu fragen.»

Dies sagte der Angeklagte, als ihn der Richter fragte, wie er überhaupt auf die Idee gekommen sei, Gelder zu veruntreuen. «Geplant hatte ich es nicht. Ich habe immer dann deliktisch gehandelt, wenn das Kontokorrent am Anschlag war.»

Auch sein Verteidiger betonte mehrfach, dass sein Klient das Geld für laufende Rechnungen und die Tilgung von Schulden verwendet hatte.

Porsches und Formel 1 in Abu Dhabi

Der Staatsanwalt sah die Sache ganz anders. Er warf dem Angeklagten vor, mit dem Geld ein Luxusleben finanziert zu haben. Er hielt ihm etwa vor, dass er und seine Frau je einen Porsche fuhren. Und wies auf eine Rechnung über 17'000 Franken hin, für eine 4-tägige Reise nach Abu Dhabi zu einem Formel-1-­Rennen.

Das Vorgehen zeugt von Unverfrorenheit

Der Staatsanwalt sprach von einem gravierenden Fall. «Er ist von Beruf Treuhänder. Schon dieser Name besagt, dass man ihm vertrauen können sollte.» Sein Vorgehen zeuge jedoch von Unverfrorenheit. Er sei berechnend und ausgeklügelt vorgegangen. Der Angeklagte habe erst aufgehört, als man ihn erwischt habe und habe auch immer erst etwas zugegeben, wenn man ihm auf die Schliche gekommen war. Der Staatanwalt betone:

«Ich erkenne auch keine Anzeichen von Reue oder eines inneren Wandels.»

Auf 51 Monate, also auf über vier Jahre Haftstrafe, stellte er dann auch seinen Strafantrag. Sollte das Gericht diesem Antrag folgen, wäre keine bedingte Ansetzung der Strafe mehr möglich. Der Beschuldigte müsste dann sicher ins Gefängnis.

Doch der Anwalt des Angeklagten legte sich bei der Verteidigung ins Zeug. Drei Stunden dauerte sein Vortrag und seine Sicht auf den Treuhänder sah komplett anders aus.

Sein Mandant sei von Anfang an geständig gewesen, zeige aufrichtig Reue, habe den Schaden unter grossem persönlichen Einsatz vollumfänglich ersetzt und habe mustergültig mit den Ermittlungsbehörden kooperiert. «Mein Mandant wurde medial vorverurteilt und musste harte Dinge erleiden. Etwa auf Facebook oder bei den Narren-Night-Shows.» Er trage für einen «Lebensrucksack» mit dieser Schuld mit sich.

Wenn er ins Gefängnis muss, stehen drei Leute auf der Strasse

Ausserdem würde eine Haftstrafe zur Folge haben, dass das heute gut laufende Treuhandbüro geschlossen werden müsste, drei Mitarbeiter auf der Strasse stünden und der Angeklagte seine Darlehen nicht zurückzahlen könnte.

Eine bedingte Geldstrafe von 45 000 Franken und eine Busse von 6000 Franken lautete der Antrag des Verteidigers an das Gericht. Die Straftatbestände der qualifizierten Veruntreuung und des gewerbsmässigen Betrugs sah er nicht als gegeben.

Es hat kaum jemand hingeschaut

Als weiteren Strafmilderungsgrund sah der Verteidiger, dass sein Mandant zu wenig bis gar nicht kontrolliert worden sei. In allen drei Fällen habe kaum jemand genau hingeschaut oder geprüft. Das habe die Hemmschwelle herabgesetzt. Dies wollten der Staatsanwalt und auch die Rechtsvertreterin der Kinderkrippe als Privatklägerin nicht auf sich sitzen lassen.

«Das ist ein Affront, wenn man um eine mildere Strafe ersucht, weil die Opfer eine Mitschuld hätten.»

Man hätte wenig kontrolliert, weil man dem Treuhänder eben vertraut habe.«Mit mangelnder Kontrolle und fehlender Aufsicht kann man nicht die Schuld auf andere abschieben. Das ist billig», sagte der Staatsanwalt.

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