Kreuzlinger Floristin hängt Thurgauer Apfelbaumäste in den paradiesischen Wald

Franziska Bürgi Rey ist eine von 14 Floristen, die bei «Blumen für die Kunst» im Kunsthaus Aarau ein Werk floral interpretieren durften. Sie hat ein Bild des Lausanners Didier Rittener mit Blumen ergänzt.

Nicole D'Orazio
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Das Bild «Les Pommiers» und die florale Interpretation von Franziska Bürgi Rey. (Bild: Inge Staub)

Das Bild «Les Pommiers» und die florale Interpretation von Franziska Bürgi Rey. (Bild: Inge Staub)

Es ist eine Ehre dabei zu sein. Für die Ausstellung «Blumen für die Kunst» werden jährlich 14 Floristen aus der ganzen Schweiz eingeladen, ein klassisches oder zeitgemässes Werk des Kunstmuseums Aarau floral zu interpretieren. Franzsika Bürgi Rey vom Blumenraum in Kreuzlingen gehört in diesem Jahr dazu.

«Das ist eine Ehre, wenn man eingeladen wird», sagt sie. «Es war jedoch auch eine grosse Herausforderung.» Die Organisatoren hätten 20 Werke im Kunsthaus ausgewählt. Von diesen durfte jeder Florist drei bestimmen, die er gerne interpretieren würde. Eines wurde ihm oder ihr dann zugeteilt. «Nach einem Rundgang mit einem Kunsthistoriker mussten wir innerhalb einer halben Stunde unsere Auswahl treffen. Das war natürlich etwas ganz anderes als der Alltag im Blumenladen und ich hatte so etwas noch nie gemacht», sagt Bürgi Rey.

Franzsika Bürgi Rey. (Bild: PD)

Franzsika Bürgi Rey. (Bild: PD)

Die Kreuzlingerin durfte das Werk «Les Pommiers ou Indécente Forêt» des Lausanner Künstlers Didier Rittener interpretieren. «Er hat Sündenbäume aus verschiedenen Objekten, die zwischen dem 15. und 21. Jahrhundert entstanden sind, in einer Bleistiftzeichnung zu einem neuen Wald zusammengesetzt», erzählt sie.

«Spannend ist, dass für den Künstler durch die Kumulation von so vielen Bäumen die Symbolhaftigkeit der Sünde weggefallen ist.»

Das Paradies wird zu einem leichten, farbigen Ort

Durch die Tatsache, dass Rittener das Symbol der Erbsünde aus dem Bild weggelassen hat, entfalle eine Schwere, sagt die Floristin. Somit werde das Paradies für sie zu einem leichten, fröhlichen, duftenden, farbigen Ort. Dort habe sie mit ihrer Interpretation eingehakt.

«Mir war schnell klar, dass ich etwas Hängendes machen will. Die Blumen müssen schweben und wirken dadurch paradiesisch.»

Am Montag hat Franziska Bürgi Rey ihre Blumen im Kunsthaus arrangiert. Mit Thurgauer Apfelbaumästen hat sie ein Gerüst gebildet und Duftblumen darin platziert. Darunter sind der Paradiesvogel, Anturium, französische Tulpen, Duftnarzissen, Hyazinthen, Eukalyptus, Passionsblumen sowie Kirschblüten, Judasbaum und Weissdorn zu finden.

Bei der Vernissage konnte sie die Besucher beobachten. «Wenn die Betrachter für einen kurzen Moment in den Zustand absoluten Glücks fallen, finde ich es einfach nur schön.»

Bald im Gespräch mit dem Künstler

Die Ausstellung dauert noch bis Sonntag, 10. März. Die Kreuzlingerin ist am Freitagnachmittag vor Ort und nimmt an organisierten Führungen teil. Am Samstag ist sie Teil des Künstlergespräches mit Didier Rittener und einem Kunsthistoriker. «Ich freue mich, den Künstler kennenzulernen und ihm einige persönlichen Fragen zu stellen.»

Weitere Infos unter: www.flowers-to-arts.ch

Vergängliche Blumenpracht im Aargauer Kunsthaus

Im Aargauer Kunsthaus blüht die Kunst des Vergänglichen: Unter dem Titel «Blumen für die Kunst» zeigt das Kunsthaus ab Dienstag 14 vergängliche florale Interpretationen von Kunstwerken. Die Show dürfte wie in den Vorjahren ein Publikumshit werden.