Kreuzlinger Ballerinas lassen die Puppen tanzen

Die Jahresaufführung der Ballettschule Kreuzlingen war so schnell ausverkauft wie nie.
Bei «Die Puppenfee» zeigten Tänzer und Tänzerinnen ab fünf Jahren ihr Können.

Judith Schuck
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Anastasia Chumarnaia tanzt die Puppenfee, Nico Kotoulas den Gehilfen der Puppenmacherin. (Bild: Judith Schuck)

Anastasia Chumarnaia tanzt die Puppenfee, Nico Kotoulas den Gehilfen der Puppenmacherin. (Bild: Judith Schuck)

Über 300 Zuschauer kamen am Sonntag jeweils zu den beiden Ballettaufführungen «Die Puppenfee» ins Dorfzentrum Bottighofen. Die Karten waren bereits vor Pfingsten ausverkauft. Ein Mädchen träumt, dass sie ihre Lieblingspuppe verloren hat.

Auf der Suche nach ihr kommt sie in einen Puppenladen, in dem die Besitzerin (gespielt von Leonie Grob) ihre Schmuckstücke aus aller Welt vorführt: Tänzerinnen aus China, Russland, Italien, Indien, feurige Spanierinnen oder lustige Harlekins werden hier mit Hilfe eines Aufziehschlüssels zum Leben erweckt. Sie beeindrucken nicht nur das kleine Mädchen (Letizia Cetrangolo), sondern auch eine interessierte Käuferin (Lorena Formica).

Es kommt zum Streit, denn beide haben sich in die grazile Puppenfee (Anastasia Chumarnaia) verguckt. Die reiche Dame hat bei der Puppenmacherin die besseren Chancen – das Mädchen geht leer aus und verfällt in Trauer. Nach einem fulminanten Finale, bei dem noch einmal alle Ballettschüler ihr Bestes geben, erwacht das Mädchen und stellt glückselig fest, dass ihre Puppe doch noch bei ihr ist.

Die Tanzschule wächst und wächst

Carmelina Kirstein, Leiterin der Ballettschule Kreuzlingen, traf die Auswahl für das Stück und ist für Choreografie, Regie und die Gesamtleitung zuständig. Im Rheinland, wo sie herstamme, sei das Ballett viel bekannter als hier, meint sie. Urheber der «Puppenfee» waren Ende des 19. Jahrhunderts die Österreicher Joseph Hassreiter, Choreografie, und Josef Bayer, Musik. Viele der raffinierten Kostüme der Tänzerinnen sind der Zeit um die Jahrhundertwende nachempfunden.

Warum sich Kirstein aber ausgerechnet für dieses Stück entschied, hängt mit einer Geschichte zusammen:

«Mit neun Jahren tanzte ich selbst bei diesem Ballett mit. Meine Lehrerin sagte damals zu mir: ‹Aus dir wird mal eine Ballettlehrerin›».

Mit der Prophezeiung traf sie ins Schwarze, denn Kirstein hat inzwischen nicht nur von ihr ausgebildete Schweizer Meisterinnen im Team ihrer Schule, sondern wird demnächst expandieren: «Wir ziehen im August in das ehemalige Tour de Suisse-Gebäude in der Wasenstrasse um.» Grund dafür ist Platzmangel: Für die rund 240 Ballettschülerinnen und -schüler wird es zu eng in der Sandbreitestrasse.

Am neuen Standort werden in zwei Sälen neben klassischem Ballett auch Contemporary, Hip-Hop oder Commercial Jazz-Tanz von total sechs Lehrpersonen unterrichtet. Mit Andrea Kopfmüller gehört auch eine Theaterpädagogin zum Team. Kirstein kann es kaum erwarten:

«Für mich geht mit dem Umzug in die Wasenstrasse ein grosser Traum in Erfüllung».