Kreuzlinger Anti-Stadthaus-Initianten graben Dokumente aus: «Aussagen des Stadtrates zur Rolle der Denkmalpflege entsprechen nicht den Tatsachen»

Die Verfechter der freien Festwiese rüsten sich für den Abstimmungskampf. Sie argumentieren mit alten Aussagen.

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Der Bund fordert die freie Sicht auf die Klosterkirche.

Der Bund fordert die freie Sicht auf die Klosterkirche.

(Bild: Reto Martin, 8.8.19)

Am 11. Juni befindet der Kreuzlinger Gemeinderat über die Initiative zur Freihaltung der Festwiese. Und noch in diesem Jahr soll auch das Volk sich an der Urne noch einmal mit dem geplanten Stadthaus befassen – beziehungsweise der Verhinderung des vor vier Jahren bewilligten Neubaus. Der Stadtrat wird seine Sicht der Dinge Anfang Juni bei der Präsentation der Botschaft erläutern.

Die Initianten wollen der Exekutive offenbar zuvorkommen und machen nun Ergebnisse ihrer Recherchen publik. Ein halbes Jahr hatten die Gegner des Stadthauses in den Archiven gegraben. Und sie sind fündig geworden.

Stadthaus-Projekt wurde dem Bund nicht vorgelegt

Ein Dokument, das das Anliegen der Initianten unterstützt, stammt aus einer Bundesratssitzung von 1967. Darin heisst es: «Der Kanton Thurgau ist für einen wirksamen Umgebungsschutz der historischen Baugruppe besorgt. Bauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft, die den historischen Komplex und das Siedlungsbild beeinträchtigen könnten, sind im Einvernehmen mit den eidgenössischen Experten zu prüfen.» Das hätte sogar mit einer Dienstbarkeit grundbuchlich geregelt werden müssen. Die Experten wären in diesem Fall Vertreter der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege.

Das Projekt «Schlussstein», das nun umgesetzt werden soll, sei dieser Kommission nie vorgelegt worden. Das habe die Kommission selbst den Initianten am 6. Februar 2020 schriftlich bestätigt. Die EKD hat sich jedoch 2012 grundsätzlich zu einer Bebauung der Festwiese geäussert und eine solche an Bedingungen geknüpft. Zum Beispiel heisse es, dass der Blick vom Dreispitzpark zur Klosterkirche uneingeschränkt sein müsse, dass eine «zurückhaltende Baute» im obersten Teil der Festwiese möglich wäre, dass aber ein grosser freier Platz zwischen «Dreispitz» und einem neuen Bau bestehen müsse. Diese Bedingungen würden mit dem aktuellen Projekt missachtet, warnt das Initiativkomitee.

1985 hat sich die EKD bei einem Gesuch zur Beleuchtung des Sportplatzes Burgerfeld insofern geäussert, dass die vorgesehene Flutlichtanlage angepasst werden müsse, da sonst der Blick auf das Kloster erheblich gestört werde. Die Bundesstelle bekräftige also, dass keine Veränderung an der Umgebung zu dulden sei, ohne dass der Bund vorher orientiert und seine Einwilligung geholt werde.

Ins Feld führen die Initianten weiter, dass nach dem Bau des Verwaltungsgebäudes rund ein Drittel weniger Grünfläche zur Verfügung stehe, als wenn ein Freihalte-Projekt umgesetzt würde. Ihre Initiative ziele darauf ab, die Wiese als Begegnungsraum neu zu gestalten und zum identitätsstiftenden Zentrum aufzuwerten, so wie dies bereits das 2007 vorgestellte Projekt «Dialogos» für eine Tiefgarage und eine Platzgestaltung vorsah.

Mehr zum Thema