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Kreuzlingens Wasserballer sind sieben Stunden im Minibus für ein Playoff-Spiel

Im NLA-Playoff-Final gegen Lugano sind alleine die langen Reisen ins Tessin eine Herausforderung für das Kreuzlinger Wasserball-Team. Ohne Betreuer begaben sich die Thurgauer am Donnerstag auf den ersten Roadtrip.
Matthias Hafen
Ankunft des Teambusses im Freibad Lido in Lugano: Die Spieler sind bei der Reise auf sich alleine gestellt. (Bild: Matthias Hafen)

Ankunft des Teambusses im Freibad Lido in Lugano: Die Spieler sind bei der Reise auf sich alleine gestellt. (Bild: Matthias Hafen)

Als die Strasse schmaler wird, die Umgebung Richtung Viamala karger und im Radio einer an seiner Gitarre zupft, spätestens da kommt das Gefühl auf, ein Roadie zu sein. Ein Rockstar, der von Auftritt zu Auftritt tingelt. Einer, dessen Heimat der Tourbus ist. Doch unterwegs nach Lugano sind hier keine Rockstars, sondern die NLA-Wasserballer des SC Kreuzlingen. Die Reise geht ans erste von möglichen drei Auswärtsspielen im Playoff-Final.

Die junge Thurgauer Equipe fährt mit zwei Kleinbussen à neun Plätzen ins Tessin, ohne Materialwart, ohne Betreuer, ohne Begleitung. Den einen Bus lenkt Trainer Benjamin Redder, den anderen Liga-Topskorer Milan Petrovic. Dreieinhalb Stunden hinter dem Steuer sitzen und danach im Sportbecken des Lido eine Topleistung abliefern – alleine das verdient höchsten Respekt. Vielleicht auch deshalb massiert ihn Goalie Dusan Aleksic schon zu Beginn der Fahrt aus der zweiten Reihe.

NLA-Topskorer Milan Petrovic lenkt den einen von zwei Minibussen des SC Kreuzlingen. (Bild: Matthias Hafen)

NLA-Topskorer Milan Petrovic lenkt den einen von zwei Minibussen des SC Kreuzlingen. (Bild: Matthias Hafen)

Reiswaffeln und Badetücher als Kissen

Der abenteuerliche Roadtrip hat auch sein Gutes: Sieben Stunden gemeinsam im Minibus schweisst zusammen – nur schon wegen des geteilten Leids. Wer nicht auf die Strasse achten muss, schlägt die Zeit auf seine Weise tot. Das Smartphone ist in solchen Momenten ein treuer Begleiter, liefert Musik und andere Unterhaltung. Captain Marc Herzog und Yannic Dudler schauen sich auf dem Tablet in der hintersten Reihe ein Spiel der Wasserball-EM an. Derweil verteilt Dusan Aleksic Reiswaffeln an die Mitfahrenden. Andere haben ihren eigenen Lunch dabei. Je länger die Fahrt dauert, desto häufiger nicken die Spieler ein. Mit Badetüchern werden Kissen geformt. An der Fensterscheibe gibt es Abdrücke von der angelehnten Stirn. Nur Topskorer Petrovic bleibt allzeit aufmerksam. Das Radio hilft.

Es würde nicht erstaunen, wenn die Wasserballer in diesen Momenten an ihre gut bezahlten NLA-Kollegen aus dem Fussball oder dem Eishockey denken. An jene, die mit feudalen Cars an die Auswärtsspiele chauffiert werden und auf solchen Reisen quasi eine Rundumbetreuung geniessen. Doch dafür steckt im Schweizer Wasserball zu wenig Geld. Auf der Raststätte Campagnola nach dem San Bernardino halten die zwei Busse an. Die Spieler treten aus, verpflegen sich mit kühlen Getränken. Es ist die letzte Erfrischung vor der Ankunft am Lago di Lugano. An einem Tag, an dem es im Schatten über 30 Grad warm ist.

Selbst das Füttern der Parkuhr gehört dazu

Beim Freibad Lido fehlen reservierte Parkplätze für die zwei Kreuzlinger Busse. Niemanden scheint’s zu kümmern. Die weit gereisten Spieler vom Bodensee klären sogar ab, ob sie noch die Parkuhr füttern müssen. In diesem Moment wird der Wasserballsport schweizerischer als das Schwingen. Auch im Freibad drin geht es pragmatisch her und zu. Umkleidekabinen brauchen die Spieler keine, ihre Taschen platzieren sie 90 Minuten vor dem Spiel im Zuschauerbereich. Dann wird’s spannend.

Die Ausrüstung der Wasserballer ist überschaubar: Ein Haken voller Kappen sowie Bademantel und Badehose in den persönlichen Rucksäcken. (Bild: Matthias Hafen)

Die Ausrüstung der Wasserballer ist überschaubar: Ein Haken voller Kappen sowie Bademantel und Badehose in den persönlichen Rucksäcken. (Bild: Matthias Hafen)

Kreuzlingens Trainer Redder trommelt seine überwiegend jungen Spieler zusammen. Es geht um die Taktik, wie Lugano, der noch unbesiegte Dominator der NLA, besiegt werden soll. Das alles passiert an einem abgeschiedenen Bereich in der Badi. Denn unter den Clubs ist man so professionell, dass solche Sachen strikt teamintern bleiben. Redder motiviert, muntert auf. Er weiss, dass die meisten seiner Spieler noch nie einen Playoff-Final der NLA gespielt haben. Das bislang letzte Mal standen die Thurgauer 2014 im Final – und verloren gegen Lugano. Und auch an diesem Abend setzt es eine 6:8-Niederlage ab. In der Best-of-5-Serie liegt der SCK 0:1 in Rückstand. Es macht die dreieinhalbstündige Heimfahrt nicht unterhaltsamer. Die Spieler kommen morgens um 2 Uhr in Kreuzlingen an – ausgelaugt wie ein Rockstar nach dem x-ten Konzert seiner Tournee. Aber die Roadies wissen, dass am Samstag um 20.30 Uhr im heimischen Hörnli die Revanche möglich ist.

Teamansprache 90 Minuten vor dem Spiel: Trainer Benjamin Redder (rechts) erklärt seinen Spielern die Taktik gegen den noch unbesiegten Gegner Lugano. (Bild: Matthias Hafen)

Teamansprache 90 Minuten vor dem Spiel: Trainer Benjamin Redder (rechts) erklärt seinen Spielern die Taktik gegen den noch unbesiegten Gegner Lugano. (Bild: Matthias Hafen)

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