Kreuzlingen
Zum Gedenken an Albert Wiesmann: Er verhalf der Stadt zu ihrem Planetarium

Der langjährige Präsident der Astronomischen Vereinigung und der Stiftung Planetarium und Sternwarte ist am 18. August in seinem 97. Lebensjahr verstorben.

Stiftung Planetarium und Sternwarte Kreuzlingen sowie Astronomische Vereinigung Kreuzlingen
Drucken
Teilen
Albert Wiesmann (22. Mai 1925 bis 18. August 2021).

Albert Wiesmann (22. Mai 1925 bis 18. August 2021).

Bild: PD

«Ein begeisterungsfähiger Mensch, bis ins hohe Alter staunend über die Schönheit der Erde und das Wunder des Universums, mit Interesse an Bau, Architektur, Astronomie, Kunst und Musik, durfte sein reiches Leben im 97. Altersjahr beenden.» Dieses wunderschöne Zitat aus seiner Traueranzeige beschreibt Albert Wiesmann in trefflichster Weise.

Mit seinem unermüdlichen Einsatz als langjähriger Präsident der Astronomischen Vereinigung und als Präsident der Stiftung Planetarium und Sternwarte legte er den Grundstein für das Planetarium, das bis heute Zehntausenden Gästen grosses Staunen und Freude vermittelt.

1996 stellte er das Projekt Planetarium der Öffentlichkeit vor

Vor rund 30 Jahren initiierte er mit seinem Verein die Idee, in Kreuzlingen ein Planetarium an die bestehende Sternwarte anzubauen. Die zunehmende nächtliche Lichtbelastung erschwerte oft die reale Beobachtung durch das Teleskop. Am denkwürdigen 9. November 1996 stellte er zusammen mit seinen für die Astronomie begeisterten Vereinsmitgliedern, allesamt im ausdruckgebenden T-Shirt gekleidet, in der Seminaraula das Projekt Planetarium der Öffentlichkeit vor.

Das Sponsoring funktionierte, der Startschuss konnte abgegeben und die Planung konnte angegangen werden. Er selber als profunder Baufachmann wusste, wie mit Architekten und Handwerkern kompetent umzugehen. Er konnte sich auf seine Baukommission, die aus Vereinsmitgliedern bestand, treulich verlassen. Im September 2000 war der Grundstein im Beisein politischer und kultureller Prominenz gelegt worden. Am 29. Juni 2002 durfte Albert Wiesmann das fertige Werk, dem auch viel Fronarbeit zugrunde lag, mit einem fulminanten Fest dem öffentlichen Betrieb übergeben.

Er erklärte den Besuchern das Weltall mit Begeisterung

Er selber stand oft unter der Kuppel und verstand es, den Besuchern das Weltall mit Begeisterung zu erklären und zu den planetarischen Shows überzuleiten. Wie kam er in Fahrt, wenn er auf dem Modell der Milchstrasse darzustellen versuchte, wie winzig klein darin die Erde sein müsse. Es waren seine legendären Momente.

Während der ersten Betriebsjahre musste noch eine passende Betriebsstruktur gefunden werden. Wie kann ein auf Freiwilligkeit beruhender Verein einen Betrieb wie eine Firma führen? Inzwischen ist das alles Tempi passati. Das inzwischen umbenannte Bodensee-Planetarium funktioniert bestens und wir alle wissen, den Grundstein dazu und die Verwirklichung verdanken wir Albert Wiesmann.

Nach seiner Amtszeit erfuhren die technischen Anlagen diverse Modernisierungen. Das Planetarium trat mit neuen Technologien ins Zeitalter der Digitalisierung ein und die Sternwarte bekam ein neues Teleskop. Albert verfolgte dieses Geschehen mit Interesse. Am 23. Oktober 2020 durfte er noch zusammen mit seiner Gattin Maja eine Privatvorführung geniessen zum Thema «Europas Weg zu den Sternen». Am 18. August 2021 kehrte Albert Wiesmann zu seinen Sternen heim.

Aktuelle Nachrichten