Interview
«Wir versuchen, mit Krücken zu laufen – und es geht tatsächlich irgendwie»: Das Kreuzlinger Museum Rosenegg verlegt Ausstellung in den virtuellen Raum

Im Museum Rosenegg ist aktuell die Ausstellung «face@face» von Philippe Mahler zu sehen – oder eben nicht. Weil das Museum geschlossen bleiben muss, können die Bilder nun ausgeliehen werden. Zudem gibt es einen virtuellen Rundgang. Museumsleiterin Yvonne Istas erzählt, ob sich die Massnahmen bewährt haben.

Rahel Haag
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Künstler Philippe Mahler mit Museumsleiterin Yvonne Istas in seiner Ausstellung im Museum Rosenegg in Kreuzlingen.

Künstler Philippe Mahler mit Museumsleiterin Yvonne Istas in seiner Ausstellung im Museum Rosenegg in Kreuzlingen.

Bild: Kevin Roth
(20. Januar 2021)

Frau Istas, wie kam die Idee, Bilder von Philippe Mahler zu verleihen, beim Publikum an?

Yvonne Istas: Es gab durchweg positive Resonanz. Aktuell sind sechs Gemälde ausgeliehen. Drei hängen in Haushalten in Kreuzlingen, zwei in Bottighofen sowie eines in Frauenfeld. Wir sind zwar nicht überrannt worden, doch für den Anfang sind sechs Bilder schon mal gut. Eines konnte Philippe Mahler gar direkt verkaufen.

Welches?

Jenes mit dem Titel ‹Costa Brava›, es markiert den Anfang der Ausstellung. Doch obwohl es verkauft worden ist, kommt es nach einer Woche für die verbleibende Dauer der Ausstellung zurück ins Museum. Der Besitzer bekommt es erst im Anschluss. Es kann allerdings nicht mehr von jemand anderem ausgeliehen werden.

Philippe Mahler im Museum Rosenegg neben seinem Bild «Costa Brava», das er bereits verkaufen konnte.

Philippe Mahler im Museum Rosenegg neben seinem Bild «Costa Brava», das er bereits verkaufen konnte.

Bild: Kevin Roth
(20. Januar 2021)

Wie viel kostet es, ein Bild auszuleihen?

Nichts, das Ausleihen ist kostenlos. Die Leute sollen sich auch nicht unter Druck gesetzt fühlen, ein Bild zu kaufen. Dieser Eindruck soll auf keinen Fall entstehen. Es geht wirklich darum, den Menschen eine Freude zu machen. Das ist auch Philippe Mahler wichtig – und das ist auch der Fall. Ein Mann hat mir beispielsweise ein Foto von dem Gemälde geschickt, das er ausgeliehen hat. Es hängt über seinem Schreibtisch.

Wie läuft es denn ab, wenn man ein Bild ausleihen möchte?

Die meisten geben drei bis vier Wünsche an. Bereits zwei Bilder wollten zwei Interessenten gleichzeitig haben. Es zeigt sich aber auch, dass sie in so einem Fall bereit sind, zu warten, bis das Gemälde wieder zurückkommt. Die Leute haben Zeit. Es gibt auch jene, die zwei Bilder gleichzeitig ausleihen möchten. Ist die Entscheidung gefallen und das Gemälde verfügbar, bringt es Philippe Mahler persönlich vorbei.

Welche Bilder sind denn nun besonders begehrt?

Es sind vor allem Gemälde, die im oberen Stock hängen. Sie zeigen sommerliche Ausblicke aufs Wasser.

Dieses Bild mit dem Titel «Terrasse» wollten gar zwei Private gleichzeitig ausleihen.

Dieses Bild mit dem Titel «Terrasse» wollten gar zwei Private gleichzeitig ausleihen.

Bild: Kevin Roth
(20. Januar 2021)

Zusätzlich haben Sie ein Video, das einen Rundgang durch die Ausstellung zeigt, online veröffentlicht. Wie häufig wurde es schon angeschaut?

Über 160 Mal und die Zugriffe werden täglich mehr. Das Video ist eine Low-Budget-Produktion, die einen echten Besuch im Museum nie ersetzen kann. Wir versuchen, sozusagen mit Krücken zu laufen, und es geht tatsächlich irgendwie.

Die Vernissage der Ausstellung ist für den 7. März geplant.

Ob sie tatsächlich stattfinden kann, wird sich zeigen. Wir sind gut vorbereitet, damit wir auch ‹analog› unmittelbar starten können, sobald die Museen wieder öffnen dürfen.

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