Kreuzlingen
Wegen anhaltender Kirchenaustritte und enger Finanzen: Den Pfarrern droht ein Stellenabbau

Eine Mehrheit der evangelischen Kirchenvorsteherschaft beantragt den Kirchbürgern eine Pfarrstellenkürzung um 50 Prozent. Eine Minderheit in der Behörde möchte die betroffene Stellvertreterin allerdings fix anstellen. Entschieden wird am 10. Januar an der Urne.

Urs Brüschweiler
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Die evangelische Stadtkirche in Kreuzlingen.

Die evangelische Stadtkirche in Kreuzlingen.

(Bild: Reto Martin - 2018)

Es ist keine angenehme Frage, mit welcher sich die Kreuzlinger Kirchbürger befassen müssen. Denn sie entscheiden bei der Urnenabstimmung am 10. Januar über einen möglichen Abbau bei den Pfarrern.

300 Stellenprozente teilen sich heute Damian Brot, das Pfarrehepaar Hochstrasser, Gunnar Brendler und Irena Widmann. Letztere ist – auch als Vertretung des sich derzeit im Bildungsurlaub befindenden Gunnar Brendler – zwar aktuell im Vollamt tätig, besitzt aber nur einen befristeten Arbeitsvertrag als Stellvertretung mit variierenden Pensen bis zum 31. Juli 2021.

Dieser wird danach nicht fortgeführt werden, wenn es nach dem Willen der Mehrheit der Kirchenvorsteherschaft geht. Sie beantragt nämlich eine Reduktion der Pfarrstellen bei der evangelischen Kirchgemeinde um 50 auf 250 Stellenprozent.

Eigentlich sogar nur zwei Pfarrer

«So können wir unser defizitäres Budget etwas entlasten», sagt Kirchenpräsidentin Susanne Dschulnigg. «So wie jetzt, können wir nicht weiterfahren.» Doch es geht nicht nur um Geld. Gemäss der Landeskirche habe eine Kirchgemeinde in der Grösse wie Kreuzlingen eigentlich nur 200 Pfarrstellenprozente zugut. Hinzu komme, dass man auch bei den Diakonen, welche den Pfarrern in vielen Bereichen Arbeit abnehmen, eher grosszügig dotiert sei.

Susanne DschulniggKirchenpräsidentin

Susanne Dschulnigg
Kirchenpräsidentin

(Bild: Andrea Stalder)

Da man natürlich niemandem kündigen wolle, nehme man deshalb nun die Verantwortung wahr und verzichte auf eine Verlängerung des Vertrages mit Irena Widmann, erklärt Dschulnigg. Sie sagt aber auch klar:

«Ich kann der Gemeinde mit gutem Gewissen sagen, dass dies kein Abbau von Dienstleistungen zur Folge haben wird.»

Ein Gegenantrag aus der Vorsteherschaft

Dschulnigg macht keinen Hehl daraus, dass diesen Weg nicht alle Mitglieder der Vorsteherschaft richtig finden. Ungewöhnlicherweise wird in der Botschaft auch ein Minderheitsantrag aus der Behörde formuliert. Er käme zum Zug, wenn die Stimmbürger zum Mehrheitsantrag Nein sagen.

Die namentlich nicht genannten Mitglieder beantragen die 300 Pfarrstellenprozente vorläufig unverändert zu belassen und den befristeten Arbeitsvertrag von Irena Widmann in ein fixes 60-Prozent-Pensum zu überführen. Darüber hinaus soll sie von der Kirchgemeinde im Mai auch als reguläre Pfarrerin gewählt werden. Obwohl es 2019 eigentlich vorgesehen war, wurde Widmann bislang nicht von den Kirchbürgern gewählt.

Zwei Infoveranstaltungen zur Diskussion

Die ursprünglich auf den 1. Dezember geplante Kirchgemeindeversammlung wurde von der Behörde zu Gunsten einer Urnenabstimmung am 10. Januar abgesagt. «Das war ein schwerer Entscheid», sagt Susanne Dschulnigg. «Denn es gibt zweifellos Diskussionsbedarf.» Vermutlich weniger wegen des Budgets, als wegen der Pfarrstellenreduktion, vermutet die Kirchenpräsidentin.

Der Voranschlag für 2021 sieht ein Defizit von 95'000 Franken vor. Die Erträge gehen um rund drei Prozent zurück, die Ausgaben aber nur um rund zwei Prozent. Die Einsparung durch die Reduktion von 50 Pfarrstellenprozenten ist hier bereits miteingerechnet. Bei der Kirche in Kurzrickenbach sind zudem bauliche Massnahmen nötig. Den Steuerfuss will man bei aber 16 Prozentpunkten belassen.

Um die drei Vorlagen – Budget, Steuerfuss und Pfarrstellenreduktion – doch noch diskutieren zu können, gibt es zwei Infoveranstaltungen: eine am 16. Dezember, 18 Uhr, und eine am 5. Januar, 19 Uhr, im Kirchgemeindehaus.

Eine Anmeldung ist notwendig: 071 672 67 74 oder per E-Mail an marianne.pfaendler@evang-kreuzlingen.ch.