Kreuzlingen
Warum Katzen keine Vegetarier sein können: Unserem wilden Haustier ist eine Ausstellung gewidmet

Ein Besuch ist alles andere als für die Katz: Im Kreuzlinger Museum Rosenegg kann man noch bis September eine Sonderausstellung sehen.

Inka Grabowsky
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Yvonne Istas mit den Katzen aus dem Museumsshop von Rina Josts Kulisse.

Yvonne Istas mit den Katzen aus dem Museumsshop von Rina Josts Kulisse.

(Bild: Inka Grabowsky)
«Das Raubtierhafte der Katze ist mir neu bewusst geworden.»

Museumsleiterin Yvonne Istas ist selbst beeindruckt von der Ausstellung, die sie bei den Naturmuseen Thurgau und Olten ausgeliehen hat, um sie in Kreuzlingen zu zeigen. 15 Module erklären die Herkunft, die Verwandtschaft und die Merkmale der Katzen. Ausserdem geht es um ihr Verhalten und die einzigartigen körperlichen Eigenschaften.

Die Ernährung wird selbstverständlich auch thematisiert. Schliesslich entzündet sich daran oft ein Streit zwischen Haustier- und Wildtier-Liebhabern. Katzen jagen alles, was sich bewegt: Kleinsäuger, Vögel, Insekten, Fische und Reptilien. Und weil sie anders als Hunde reine Fleischfresser sind, kann man sie nie zu Vegetariern machen. Wie unsere flauschigen Schmusetiere aus der Perspektive der Beutetiere wirken, zeigt das prächtige Modell eines stark vergrösserten Katzenkopfes.

Räuber mit Jööh-Effekt

Wer sich vertieft mit den angebotenen Informationen beschäftigt, versteht schnell, dass die grossen nach vorne gerichteten Augen nicht nur niedlich sind, sondern vor allem dreidimensionales Sehen ermöglichen. Die sprichwörtlichen Katzenaugen haben eine reflektierende Schicht auf der Netzhaut, die wie ein Restlichtverstärker das Sehen in der Dämmerung ermöglicht. Die Schnurrhaare ertasten die Umgebung und die Bewegung von Beutetieren im Maul.

Die kurze Schnauze mag harmlos wirken, doch beim Töten bringt sie einen gewaltigen Beissdruck auf. Wer mutig ist, kann das mit einer Kneifzange simulieren. Yvonne Istas warnt:

«Das sollte man besser am eigenen Finger ausprobieren, damit man merkt, wann es zu sehr wehtut.»

Die Schau endet mit einer Bilanz: Nach 15 Jahren hat ein Katzenhalter durchschnittlich 21'000 Franken für seinen Liebling ausgegeben – für Nahrung, Spielzeug oder Tierarzt-Besuche.

Riesige Wimmelbilder als Kulisse

Das verbindende Element aller 15 Module bildet die Kulisse von Rina Jost, der Illustratorin aus Frauenfeld. Die riesigen Wimmelbilder mit Katzen in allen Lebenslagen verschönern nicht nur die Rückseiten jeder Station, sondern zieren auch das obere Foyer vor dem Konzertsaal. Es kann zur Herausforderung werden, alle 27 Katzen-Szenen zu finden.

Kreuzlingen ist nicht die erste Station der Wanderausstellung. Eröffnet wurde sie 2019 in Frauenfeld. Jetzt kommt sie gerade aus Solothurn und wird nach dem 12. September nach St.Gallen gehen. Istas hat sie ausgewählt, weil sie regelmässig eine Attraktion für Familien bieten will: «Der spielerische Zugang zum Thema hat mir gut gefallen. Und bei Kindern ziehen Tiere doch mehr als Kunst.» Sie selbst habe mit Katzen bisher nicht sehr viel zu tun gehabt, und räumt ein:

«Ich bin eher der Hundetyp. Aber Katzen sind zugegebenermassen faszinierend, weil sie so mysteriös und geheimnisvoll sind.»

Die Kunsthistorikerin kann in ihrem Museum offenkundig noch etwas dazulernen. Beim Quiz zur Körpersprache der Katze braucht sie mehrere Versuche, bis sie zuordnen kann, wie eine Katze aussieht, die ohne Stress einer Nachbarskatze begegnet.

Attraktives Begleitprogramm

Veranstaltungen und Museumspädagogik machen die Ausstellung in Kreuzlingen einzigartig. «Unser erstes Katzenkonzert war innerhalb von wenigen Stunden ausgebucht», sagt Yvonne Istas. Sie hatte den Konstanzer Komponisten Frédéric Bolli angesprochen, ob er sich nicht etwas einfallen lasse könne. Er komponierte dann passend zum bekannten Bilderbuch «Missu & Pitschi» von Robert und Almut Gernhardt ein Musikstück für Klarinette, Fagott, Flöte und einen Erzähler. Das Konzert wird nach der Uraufführung noch zwei weitere Male am 16. Juni und am 21. Juli gegeben. Für Schulklassen oder Kindergeburtstage wird es ein besonderes Betreuungsangebot durch eine Museumspädagogin geben. Jules Brenneis aus dem freiwilligen Helferteam hat unterschiedliche Katzenschablonen aus Holz ausgesägt, die man selbst gestalten kann. Seine Frau Heidy hat Katzenfiguren gehäkelt und bietet sie im Shop an.

«Die Katze, unser wildes Haustier» im Museum Rosenegg ist bis zum 12. September freitags und sonntags zwischen 14 und 17 Uhr zu sehen, mittwochs zwischen 17 und 19 Uhr.