Kreuzlingen
Virenfreies Lernen unter freiem Himmel: Das Seemuseum lanciert einen Unterrichtskoffer zum Thema Wasserqualität und Mikroplastik

Das Seemuseum in Kreuzlingen hat mit der Pädagogischen Hochschule Thurgau und der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva ein Angebot für Kindergarten- und Schulklassen zum Thema Wasserqualität und Mikroplastik erarbeitet.

Rahel Haag
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Christian Hunziker, Leiter Seemuseum, Mitarbeiter Julian Fitze, Dominik Hagen von der Pädagogischen Hochschule Thurgau und Rolf Hungerbühler sowie Christian Felber von der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva zeigen am Ufer des Bodensees, was alles im Unterrichtskoffer steckt.

Christian Hunziker, Leiter Seemuseum, Mitarbeiter Julian Fitze, Dominik Hagen von der Pädagogischen Hochschule Thurgau und Rolf Hungerbühler sowie Christian Felber von der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva zeigen am Ufer des Bodensees, was alles im Unterrichtskoffer steckt.

Bild: Rahel Haag

Forschen und entdecken, diese Assoziationen soll der grosse, schwere Metallkoffer wecken. Und er soll Lust machen, etwas Neues zu lernen.

«Ist das der Fall, haben wir schon etwas erreicht.»

Das sagt Julian Fitze vom Seemuseum in Kreuzlingen. Bei besagtem Koffer handelt es sich um ein neues Angebot im Rahmen des Projekts Seeschulzimmer. Er widmet sich dem Thema «Wasserqualität und Mikroplastik» und enthält entsprechendes Unterrichtsmaterial. Museumsleiter Christian Hunziker sagt:

«Wir bieten virenfreies Lernen unter freiem Himmel.»

Das Angebot richtet sich an sämtliche Stufen, vom Kindergarten bis zur 9. Klasse und bietet dem Alter der Kinder und Jugendlichen entsprechend eine fixfertige Unterrichtseinheit von drei bis vier Lektionen.

Der Unterrichtskoffer des Seemuseums zum Thema Wasserqualität und Mikroplastik.

Der Unterrichtskoffer des Seemuseums zum Thema Wasserqualität und Mikroplastik.

Bild: Rahel Haag

Mit den Gummistiefeln im Chogebach

Und wie sieht das aus? «Die Kinder stehen unter anderem in Gummistiefeln im Chogebach und suchen nach Wasserlebewesen», sagt Rolf Hungerbühler von der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva. Mit den Materialien aus dem Unterrichtskoffer können sie das Wasser anschliessend unter die Lupe nehmen. Hungerbühler und sein Kollege Christian Felber waren massgebend an der Erarbeitung des Koffers beteiligt. Die Wasserlebewesen seien sogenannte Bioindikatoren, die anzeigten, wie sauber oder verschmutzt das Wasser ist, erklärt Felber.

«Denn das Problem ist, dass die Wasserqualität nicht von Auge sichtbar ist.»

Als dritte Partei fungierte bei dem Projekt die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG). «Unsere Aufgabe war die pädagogische Beratung», sagt Dominik Hagen von der Fachstelle Natur und Technik der PHTG. So seien am Ende drei unterschiedliche Sichtweisen aufeinandergetroffen und jede Partei habe ihre Expertise einbringen können. Hagen sagt:

«Für uns war zentral, dass die Kinder einen Nutzen vom Angebot haben.»

Im Vorfeld sei der Unterrichtskoffer von mehreren Schulklassen getestet worden, sagt Julian Fitze. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv gewesen. «Das ist nicht selbstverständlich», fügt er hinzu, «immerhin steht nicht jedes Kind gerne im Bach, uns sammelt Wasserlebewesen.» Doch man habe eben auch deutlich gemerkt, dass die Kinder am Ende trotzdem Freude an der Aufgabe gehabt hätten.

Julian Fitze vom Seemuseum präsentiert ein Arbeitsblatt.

Julian Fitze vom Seemuseum präsentiert ein Arbeitsblatt.

Bild: Rahel Haag

Weitere Unterrichtskoffer sollen folgen

Dieser erste Koffer zum Thema Wasserqualität und Mikroplastik soll nur der Anfang sein. Hunziker sagt: «Bis im Herbst 2022 wollen wir zwei weitere Koffer zu anderen Themen erarbeiten.» Langfristig sollen es gar sechs werden. Das Seemuseum biete sich hierfür an, ist Fitze überzeugt:

«Wir befinden uns mitten im Naturschutzgebiet – die Themen werden uns mit Sicherheit nicht so schnell ausgehen.»

Als Beispiele nennt er Amphibien und Vögel. Sie wollten den Raum rund ums Museum nutzen, denn die Umgebung biete viel. Mit dem Thema Wasserqualität und Mikroplastik sei man gestartet, weil es ein Wichtiges sei, das sowohl einen Bezug zur Gegenwart als auch zur Zukunft habe, sagt Felber. Hungerbühler ergänzt:

«Insgesamt beziehen rund 5,5 Millionen Menschen Trinkwasser aus dem Bodensee.»
Christian Felber von Aqua Viva erklärt, dass für die Produktion einer PET-Flasche rund 200 Milliliter Erdöl benötigt werden.

Christian Felber von Aqua Viva erklärt, dass für die Produktion einer PET-Flasche rund 200 Milliliter Erdöl benötigt werden.

Bild: Rahel Haag

Informationen für Lehrpersonen

Der Unterrichtskoffer zum Thema Wasserqualität und Mikroplastik kann ab sofort beim Seemuseum in Kreuzlingen ausgeliehen werden, die Kosten für die Ausleihe und Nutzung betragen insgesamt 70 Franken. «Die PH Thurgau übernimmt für die ersten zehn Thurgauer Schulklassen in den Jahren 2021 und 2022 die Kosten», sagt Julian Fitze vom Seemuseum. Auch auswärtige Schulklassen können den Koffer vor Ort nutzen. «Damit sich die Lehrpersonen vorab einen Eindruck verschaffen können, sind sämtliche Arbeitsblätter online verfügbar», sagt Museumsleiter Christian Hunziker. (rha)