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Kreuzlingen: Sie gingen mit dem Brecheisen vor und retteten so die alte Pilgerherberge

Am Sonntag haben Bewohner von geschichtsträchtigen Gebäuden in Kreuzlingen und Konstanz ihre Türen geöffnet. Interessierte konnten so im Rahmen des Tags des offenen Denkmals Näheres über die Häuser und das Leben darin erfahren.
Viviane Vogel
Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals in Kreuzlingen zeigt der ehemalige Denkmalpfleger Urs Fankhauser das Haus zum englischen Gruss. (Bild: Reto Martin)

Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals in Kreuzlingen zeigt der ehemalige Denkmalpfleger Urs Fankhauser das Haus zum englischen Gruss. (Bild: Reto Martin)

«Wir gingen mit Brecheisen dahinter», erzählt Urs Fankhauser, pensionierter Denkmalpfleger. «So konnten wir Verzierungen an der Decke freilegen.» Dieser Fund stoppte die Debatte um den Abriss des Hauses «Zum englischen Gruss» zu Gunsten eines grösseren Verkehrskreisels. Mit England hat das hellblaue Haus an der Bernrainstrasse nichts zu tun. «Der englische Gruss stammt nicht etwa von einem Briten. Vielmehr ist der Erzengel Gabriel gemeint, welcher der Jungfrau Maria erschien.»

Fankhauser erklärt, dass lange Zeit ein Bild dieser biblischen Szene die Seitenwand zierte. «Es wurde jedoch in den 1930er-Jahren entfernt, da es nur eine Kopie war.» Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals führt Fankhauser am Sonntag durch die ehemalige Pilgergastwirtschaft, in welcher heute verschiedene Aktiengesellschaften und auch Privatpersonen beherbergt sind.

Ornamente an der Decke sind aus Papier

Er zeigt den Besuchern die erstaunliche Abwechslung von neu und alt im Inneren des Gebäudes. So findet man beispielsweise eine unscheinbare, weisse Wand, die plötzlich in eine Riegelhauswand übergeht. Die älteste Decke befindet sich direkt über einem modernen Computer. «Bei der Inspektion dieser Holzdecke bemerkten wir, dass die Ornamente aus Papier sind.» Und tatsächlich: Die Verzierungen ähneln ausgeschnittenen Mandalas und stehen leicht ab.

Der Zufall rettete die Villa Raichle

In der Schützenstrasse gibt es zwar keine Mandalas, doch auch dort wurde ein Gebäude vor dem Abriss bewahrt. «Als der Direktor der Schuhfabrik Raichle das Gebäude verkaufte, sollte es abgerissen werden. Ein Tag vor Abriss verlor der Käufer jedoch seine Stelle. So ist dann auch der Auftrag verfallen und die Bagger wurden wieder abgezogen», berichtet Mechthild Langhainzl. «Wir sind seit 2013 Miteigentümer des Gebäudes», sagt sie. «Wir haben direkt weiche Knie bekommen, beim Anblick dieses schönen Hauses», fügt ihr Mann, Gunnar Wanke, hinzu und muss auch schmunzeln. Seither haben sie viel Eigenleistung in die ehemalige Fabrikantenvilla Raichle gesteckt. «Wir haben jedes einzelne Fenster selbst renoviert», erklärt Langhainzl.

Urs Fankhauser erzählt die Geschichte des Hauses zum englischen Gruss. (Bild: Reto Martin)

Urs Fankhauser erzählt die Geschichte des Hauses zum englischen Gruss. (Bild: Reto Martin)

Denkmalpflege auf eigene Faust

Ein Besucher erkundigt sich nach den Auflagen des kantonalen Denkmalschutzes. «Wir fühlen uns eigentlich sehr frei», antwortet Langhainzl, und Wanke stimmt ihr zu. «Wir hätten sogar die Badezimmer, die noch in originalem Zustand erhalten sind, umbauen können. Das wäre uns aber nicht in den Sinn gekommen, uns gefallen sie.» Weil die Bewohner ein Recht auf einen gewissen Lebensstandard hätten, könne ihnen niemand rein reden. «Da ist die Schweiz deutlich weniger strikt als Deutschland», flüstert eine deutsche Besucherin ihrem Begleiter ins Ohr und die Umstehenden grummeln bestätigend. Eine Kunsthistorikerin aus Münster erklärt: «Hier hat man halt auch nicht so viele Kulturobjekte an den Krieg verloren.» In diesem Punkt scheint grenzübergreifende Einigkeit unter den Gästen zu herrschen, denn ein allgemeines Nicken folgt.

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